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Krieg und Trockenheit macht den Landwirten zu schaffen

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Von: Michael Knippenkötter

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Frühlingswetter - Sonne und Trockenheit
Trockener Sommer: Ein Landwirt wirbelt mit seinem Traktor beim Bearbeiten eines Feldes Staub auf. © Armin Weigel/dpa

Erntedank heißt es an diesem Sonntag - und damit ist auch Zeit für eine Bilanz aus landwirtschaftlicher Sicht.

Hamm – Das Erntejahr 2022 sei in erster Linie von zwei Faktoren geprägt, sagt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ruhr-Lippe (Kreis Unna, Städte Bochum, Dortmund, Hamm und Herne) Hans-Heinrich Wortmann: Von den Auswirkungen des Krieges, der vieles zur Mangelware mit hochschnellenden Preisen hätte werden lassen und von der extrem trockenen Witterung im Sommer.

Erntebilanz: Guter Auftakt im Sommer. Aber dann...

„Die sommerliche Ernte begann in diesem Jahr bedingt durch die trockene und warme Witterung sehr früh und die Erntearbeiten verliefen zügig. Anfang August waren alle Getreidefelder abgeerntet. Es gab keine regenbedingten Zwangspausen und wir konnten das Korn gut und trocken einbringen“, sagt der Vorsitzende der Landwirte.

Trockenheit kein Problem für Getreide und Raps

Trotz der Trockenheit seien die Erträge beim Getreide und beim Raps in der Region vielfach erstaunlich gut gewesen – allerdings mit bodenbedingten Unterschieden. „Die Regenfälle des Frühjahrs haben auf den besseren Böden ausgereicht, damit die Pflanzen einen guten Ertrag ausbilden konnten. Auf Böden, die Wasser nicht lange speichern können, wie beispielsweise Böden mit einem hohen Sandanteil oder einer geringen Mächtigkeit, waren die Erträge etwas geringer“, so Wortmann. Auffallend in diesem Jahr sei, dass dem Brotweizen in vielen Fällen wegen eines geringeren Proteingehaltes die ausreichende Backeigenschaft fehle.

Hans-Heinrich Wortmann - 
Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ruhr-Lippe
Hans-Heinrich Wortmann ist Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ruhr-Lippe © Drees / Landwirtschaftsverband

Zugesetzt habe die Sommerstrockenheit den Pflanzen, die – anders als das Getreide – im Sommer noch grün und im Wachstum gewesen seien wie Gemüse, Kartoffeln, Zuckerrüben oder Mais. „Der Mais vertrocknete eher, als dass er reifte und so begann die Maisernte mit dem Silomais schon im August, rund vier Wochen früher als im Schnitt der Jahre“, sagt Wortmann. Auch alle anderen Ernteformen des Mais, wie das Korn-Spindel-Gemisch oder der Körnermais hätten deutlich früher begonnen. Der Ertrag sei niedriger als im Schnitt der Jahre und sehr unterschiedlich.

Auch bei den Kartoffeln sei die Ernte geringer und die Kartoffeln kleiner. „Die Pommes könnten also im nächsten Jahr kürzer werden,“ so Wortmann.

Die Zuckerrübenernte sei in vollem Gange, laufe aber noch bis Ende November, der Transport zur Fabrik sogar bis Mitte Januar, sagt er. Daher könne man noch nicht so ganz viel sagen. Aktuell seien die Erträge sehr unterschiedlich, auf einigen Flächen lägen sie im Schnitt der Jahre, auf anderen seien sie unterdurchschnittlich, aber nicht extrem schlecht, wie es nach der Sommertrockenheit zu befürchten gewesen wäre, so Wortmann.

Ausgewirkt habe sich die Sommertrockenheit besonders auf den Wiesen und Weiden. Nach dem zweiten Grasschnitt sei kaum noch etwas nachgewachsen und das Grünland sei alles andere als grün gewesen. Rinder, Pferde oder Schafe hätten auf den Weiden in der Regel zugefüttert werden müssen und die Erntemengen an Heu und Grassilage seien deutlich reduziert.

Massive Auswirkungen habe der Krieg in der Ukraine wie auf viele anderen Wirtschaftsbereiche auch auf die Landwirtschaft gehabt, so Wortmann. Die Verknappung und Verteuerung der Energie habe die Landwirtschaft nicht nur direkt, sondern auch auf Umwegen getroffen. Dünger sei im Frühjahr beispielsweise um ein Mehrfaches teurer als in der Vergangenheit gewesen. Notwendigerweise hätten auch die Produkte der Landwirte im Preis anziehen müssen.

Mit der Verteuerung vieler Lebensbereiche würden die Bürger zunehmend auf den Preis beim Einkauf schauen, so Wortmann. Das bekämen dann auch die heimischen Landwirte in der Folge zu spüren.

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