„Loyal like family“

Der Traum vom eigenen Mode-Label: In Jeyarasa Arunrajs Street-Fashion steckt viel Herzblut

Mit Liebe zum Detail: Jeyarasa Arunraj gründete 2018 sein eigenes Mode-Label namens „Loyal like family“. Bis heute entwirft der Hammer seine Street-Fashion-Ware selbst. Arunraj schmiedet bereits große Zukunftspläne.
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Mit Liebe zum Detail: Jeyarasa Arunraj gründete 2018 sein eigenes Mode-Label namens „Loyal like family“. Bis heute entwirft der Hammer seine Street-Fashion-Ware selbst. Arunraj schmiedet bereits große Zukunftspläne.

T-Shirts, Hoodies und Accessoires – 2018 gründete Jeyarasa Arunraj sein eigenes kleines Mode-Label „Loyal like family“. Nun versucht er, sein Label bekannter zu machen. Einen großen Schritt hat er bereits gemacht.

Bockum-Hövel – Bekannte Fußballspieler tragen bereits seine Street-Fashion-Mode. Darunter unter anderem Kevin-Prince Boateng (schnürte schon die Schuhe für den FC Barcelona, Borussia Dortmund und Schalke 04) und Jan Löhmannsröben (Hansa Rostock).

Schon seit vielen Jahren ist Jeyarasa Arunraj ein großer Fan von Fußballprofi Kevin-Prince Boateng. Der 31-Jährige stand bei jedem Vereinswechsel des Stars hinter seinem Idol. Als Boateng beispielsweise im Januar 2013 gemeinsam mit seinen Mitspielern vom AC Mailand wegen rassistischer Äußerungen gegnerischer Fans das Testspiel gegen Pro Patria abbrach, konnte sich Arunraj noch mehr mit dem Profi identifizieren. Denn auch der Hammer erlebte Rassismus.

Persönliche Erfahrungen mit Rassismus

„Ich habe selbst eine schwere Zeit durchgemacht“, sagt Arunraj. Er habe schon häufig rassistische Äußerungen über sich ergehen lassen müssen – sogar aus dem Freundeskreis. Der Hammer, geboren und aufgewachsen in Hamm, die Eltern stammen aus Sri Lanka, sei unter anderem schon als „Nigger“ bezeichnet worden. Vor allem in der Schulzeit sei es häufig vorgekommen. Lange empfand der Hammer das als ganz normal. Doch mit jedem Mal reifte in ihm die Feststellung, dass so etwas nicht in Ordnung ist. Der Einsatz Boatengs gegen Rassismus habe dieses Bewusstsein dann nochmal geschärft.

Arunrajs Eltern flohen 1985 während des Bürgerkriegs aus Sri Lanka und fanden später in Hamm ihre zweite Heimat. Der heute 31-Jährige fühle sich daher „auch wie ein Deutscher.“ Heute biete er Rassismus keinen Platz mehr in seinem Leben. Menschen, die unangebrachte Äußerungen tätigten, versuche Arunraj durch direkte Gespräche zu sensibilisieren. Oft stelle sich dann heraus, dass sich solche Personen darüber wenig Gedanken machten.

Das eine Foto, das vieles veränderte

Immer wieder machte Arunraj auf seinen Reisen Fotos mit einem Prince-Boateng-Trikot, so auch 2015 in New York. Um zu zeigen, dass er weiter hinter seinem Idol stehe, habe er das Bild im Internet gepostet, ergänzt um den Hashtag „Loyal like family“. Im Nachhinein sollte dieser Hashtag für Arunraj vieles verändern.

Der Fußballprofi lud 2016 neben anderen auch Jeyarasa Arunraj für ein Abendessen nach Mailand ein. „Als kleine Aufmerksamkeit schenkte ich ihm dort ein T-Shirt mit dem Hashtag“, sagt Arunraj. In diesem Augenblick entschied sich der Hammer, die Worte „Loyal like family“ zu seiner Marke zu machen – und aus der Idee wurde später sein Mode-Label.

Mode für junge Sportler

Um seine Marke bekannter zu machen, versucht er, vor allem jüngere Fußballspieler über Social Media zu erreichen und sie für seine Mode zu begeistern, um dann wiederum durch Werbeeffekte profitieren zu können.

Da dem Hammer das Wohl von Kindern am Herzen liege, wolle er auch bei der Produktion seiner Ware darauf achten, dass sie nicht durch Kinderarbeit hergestellt werde. „Deshalb habe ich die ganze Zeit mit deutschen Firmen zusammen gearbeitet und teilweise mit meiner Frau Ruby noch selbst Hand angelegt“, erzählt er. Sie nähten beispielsweise Embleme und Etiketten selber an jedes Produkt.

Doch der Anteil an Eigenleistung wurde nun zu viel. In naher Zukunft soll seine Street-Fashion-Ware bei einer Firma in der Türkei hergestellt werden. „Um sicher zu gehen, dass dort keine Mitarbeiter ausgebeutet werden, sind wir extra dorthin geflogen und haben uns ein Bild gemacht“, sagt Arunraj. Die Produktion mithilfe einer ausländischen Firma soll ihn und seine Frau entlasten.

Student und Modemacher

Denn neben der Arbeit am Mode-Label studieren sie Marketing-Management – auch, um sich die Fähigkeiten anzueignen, „das Label weiter voranzubringen“, sagt Arunraj. Der Hammer blickt optimistisch in die Zukunft: Er plant bereits, neue Produkte in seinem Shop aufzunehmen: Jacken, Schmuck und Kartenetuis sollen die Auswahl bald erweitern.

Der Label-Inhaber will mit seiner Street-Fashion auch etwas Gutes tun. „Ich möchte wenigstens einen kleinen Beitrag leisten“, sagt der 31-Jährige. 150 Euro spendet er an den Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Hamm. In den vergangenen Jahren sei die Spende größer ausgefallen. 2020 sei der Umsatz aber erheblich eingebrochen. Arunraj: „Corona hat das Label ziemlich erwischt, aber deshalb gebe ich nicht gleich auf.“ Auch in Sachen Spendenaktivität: Ihm sei es lieber, er spende einen kleinen Betrag als gar keinen.

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