Denkmalschutz jetzt auch für den Winkhausschacht

Dreiklang der Schachtgerüste: Jetzt steht auch der Winkhausschacht in Hamm Bockum-Hövel (links) und damit dieser europaweit einmalige Anblick unter Denkmalschutz.
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Dreiklang der Schachtgerüste: Jetzt steht auch der Winkhausschacht (links) und damit dieser europaweit einmalige Anblick unter Denkmalschutz.

Die Denkmalliste in Hamm hat Zuwachs bekommen. Die laufende Nummer 255 der Liste, die sich bislang mit den Fördertürmen I und II der ehemaligen Zeche Radbod befasste, ist nun um den Schacht V, den so genannten Winkhausschacht, erweitert worden.

Bockum-Hövel – Das freut vor allem Ortsheimatpfleger Günter Bachtrop, der sich seit Jahren darum bemüht hat, dass auch der Winkhausschacht zum Denkmal wird. Denn bereits im Jahr 2000 wurden die anderen beiden Schächte I und II, die noch einiges älter sind als Schacht V, unter Denkmalschutz gestellt. Später von der Industriedenkmal-Stiftung übernommen wurden die außergewöhnlichen Bauwerke auch aufwendig restauriert. „Doch gerade das Gesamtensemble mit den drei Schächten in der Reihe ist eine Besonderheit in Deutschland“, weiß Bachtrop und setzte sich deshalb für den Erhalt von Schacht V ein.

Das Denkmal umfasst das Fördergerüst sowie das gegenüberliegende Fördermaschinenhaus (ohne die nachträglich angebaute Lokwerkstatt) mit der Dampffördermaschine und der zugehörigen Kabine des Fördermaschinisten, heißt es in der Denkmalbegründung.

Es gibt noch eine alte Dampffördermaschine

Der Winkhaus-Schacht besitzt ein stählernes Fördergerüst in so genannter Vollwandbauweise aus dem Jahre 1949. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegt das kubische Fördermaschinenhaus aus rotem Ziegelmauerwerk mit Flachdach. Die rückwärtige Fassade besitzt sechs Fensterachsen mit großen hochrechteckigen Fenstern, darüber und darunter jeweils querrechteckige Fenster. Zwei weitere Fensterachsen befinden sich in den Seitenfassaden. Einige Fensteröffnungen wurden später vermauert, die Stahlsprossenfenster mit hochrechteckigen Scheibenformaten sind nur noch teilweise vorhanden.

Das unterkellerte Fördermaschinenhaus gliedert sich in die beiden Räume für die Doppelförderung. Heute ist nur noch eine der beiden Dampffördermaschinen mit der dazugehörigen Kabine des Fördermaschinisten erhalten. In beiden Räumen befinden sich Kranbahnen (Baujahr 1950).

Bedeutend für die Geschichte des Bergbaus

Gemeinsam mit den Schächten 1 und 2 ist der Winkhaus-Schacht als Teil der Zeche Radbod in Hamm bedeutend für die Geschichte des Menschen, hier der Menschen in Hamm, weil die Zeche ein bedeutendes Dokument für die Entwicklung der städtischen Wirtschafts- und Sozialgeschichte und darüber hinaus für die städtebauliche Entwicklung des Ortsteiles Bockum-Hövel darstellt, heißt es weiter.

Darüber hinaus sei der Winkhaus-Schacht auch bedeutend für die Geschichte des Bergbaus, hier der Geschichte der Zeche Radbod, weil er Auskunft über die Entwicklungsgeschichte der Zeche gibt. Schacht 5 wurde im Jahre 1923 mit einem Schachtdurchmesser von 7 Metern als zentraler Wetterschacht der Zeche Radbod abgeteuft. Die Bezeichnung „Winkhaus-Schacht“ erhielt er nach dem Aufsichtsrat der Bergwerksgesellschaft Trier Dr. Franz Winkhaus. Die Bergwerksgesellschaft Trier hatte sich 1919 mit dem Köln-Neuessener Bergwerksverein zusammengeschlossen, in deren Besitz sich auch die Zeche Radbod befand.

Das heutige Fördergerüst stammt von 1951

Infolge der Vorbereitungen auf den Zweiten Weltkrieg zog die Kohleförderung in den 1930er Jahren stark an, sodass der Schacht 1936/37 tiefergeteuft wurde und mit einem Fördergerüst und einer Schachthalle ausgestattet wurde. Neben der Bewetterung diente der Schacht nun auch der Materialförderung (Grubenholz, Maschinen).

Mit dem Tieferteufen auf die 5. Sohle in 1100 Meter und dem Ausbau zum Hauptförderschacht im Jahre 1951 erhielt der Winkhaus-Schacht das heute vorhandene Fördergerüst sowie eine Schachthalle mit Wagenumlauf, die heute nicht mehr vorhanden sind. Er übernahm ab 1951 die Förderung von Schacht 2, 1955 auch die von Schacht 1.

Verfüllung im Jahr 2012

Nach der Stilllegung der Zeche im Jahr 1990 diente Schacht 5 der Wasserhaltung sowie der Wetterführung für die Zeche Heinrich Robert (Bergwerk Ost). Seit Stilllegung dieses Bergwerkes im Jahre 2010 erfolgte lediglich die Wasserhaltung, bis der Schacht 5 im Jahr 2012 endgültig verfüllt wurde.

Darüber hinaus ist der Winkhaus-Schacht bedeutend für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse, denn er dokumentiert die technischen Entwicklungen im Bergbau nach dem Zweiten Weltkrieg.

Im nunmehr weitgehend mechanisierten Kohleabbau zielten die Innovationen aufeine Steigerung der Fördermenge je Schacht bei gleichzeitiger Konzentration auf weniger Schächte. Nachdem sich Untertage der Kohletransport über Förderbänder durchsetzte, wurde die Schachtförderung durch Einführung der Gefäß- oder Skipförderung optimiert. Hierdurch entfielen zeitintensive Be- und Entladepausen an Füllort und Hängebank.

Körbe in vier Etagen

Die beiden Schächte 1 und 2 konnten nicht auf die erforderlichen Anpassungen umgebaut werden. Für einen konkurrenzfähigen Zechenbetrieb war es daher erforderlich, ein neues Fördergerüst für die Skipförderung über Schacht 5 zu errichten.

Die Förderkapazität des auf Doppelförderung ausgelegten Winkhaus-Schachtes belief sich nach dem Umbau auf 5 000 Tagestonnen, wobei für die Förderung vieretagige Körbe verwendet wurden, von denen jede Etage für einen Großraumförderwagen von 3 000 Litern ausgelegt war.

Für eine Erhaltung und Nutzung des Winkhaus-Schachtes der Zeche Radbod gibt es wissenschaftliche Gründe, die in der Konstruktionsgeschichte liegen, weil das Vollwandgerüst zusammen mit den beiden Fachwerkgerüsten von Schacht 1 und 2 dazu geeignet ist, die Entwicklungsgeschichte der Seilstützkonstruktionen aufzuzeigen. Das Fördergerüst des Winkhaus-Schachtes ist das älteste erhaltene Fördergerüst dieser Bauart.

Hoher Wiedererkennungswert

Außerdem bestehen für die Erhaltung und Nutzung des Schachtes auch deshalb wissenschaftliche Gründe, weil die erhaltene Dampffördermaschine zusammen mit den beiden dampfbetriebenen Fördermaschinen von Schacht 1 und 2 dazu geeignet ist, Fragestellungen zu beantworten, die in einem Forschungsinteresse an der Entwicklung der Dampffördertechnologie sind.

Für die Erhaltung liegen auch städtebauliche Gründe vor, die in der optisch wirksamen Aufreihung der drei Fördergerüste der Schächte 1, 2 und 5 liegen. Die markante Anordnung besitzt einen hohen Wiedererkennungswert und hat in Bockum-Hövel identitätsstiftenden Charakter, sodass er als Verlust empfunden würde, wenn die drei Fördergerüste nicht wie bisher ihre Wirkung im Ortsbild entfalten könnten.

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