Denkmalplakette für Johanneskirche

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Pfarrer Frank Millrath (Zweiter von links) freut sich über die Denkmalschutzplakette, die der Johanneskirche jetzt von den Mitarbeitern der Unteren Denkmalbehörde, Ludger Ackfeld und Markus Wesselmann (rechts), überreicht wurde. Auch der Architekt des Kreiskirchenamtes, Lutz Thoma Kusch (links), begrüßte, dass das Gotteshaus im Hammer Norden auch ein äußeres Zeichen für die Denkmalwürdigkeit erhielt. ▪

HAMM-NORDEN ▪ Die Johanneskirche ist die einzige Kirche in Westfalen, die während der Nazizeit gebaut wurde. Sie entstand unter schwierigen Bedingungen schärfster Kirchenfeindlichkeit gegen den Widerstand der Parteistellen, Behörden und des damaligen Hammer Oberbürgermeisters Deter. Das Gotteshaus wurde als besonderes Zeugnis für die politisch-historischen Bedingungen jener Zeit schon vor Jahren in die Denkmalliste eingetragen. Die Denkmalplakette wurde jetzt im Rahmen der Ausstellungseröffnung „Christenkreuz und Hakenkreuz – Kirchenbau und sakrale Kunst im Nationalsozialismus“ überreicht.

Pfarrer Martin Berthold, als Pfarrer der Pauluskirche auch für den Hammer Norden zuständig, war es zu verdanken, dass der Bau der Johanneskirche realisiert wurde. Ursprünglich als Stahlkonstruktion geplant, musste schnell auf andere Baustoffe umgeschwenkt werden. Berlin verbot die Verwendung von Stahl, obwohl die Hammer Stahlindustrie bereit war, der Gemeinde das Material kostenlos zur Verfügung zu stellen. Also wurde die Kirche als Holzkonstruktion gebaut. 1937 wurde der Grundstein gelegt. Das Richtfest im Oktober 1937 war erneut durch Repressalien überschattet. Die Gestapo verbot die Feier mit der fadenscheinigen Begründung, Ansammlungen vieler Menschen im Freien seien verboten. Kurzerhand zogen die Gläubigen in die Pauluskirche um. Weiteres Kuriosum des Richtfestes: Nur an diesem Tag flatterte auf dem Dachstuhl der Kirche die Hakenkreuzfahne. Niemand wusste, wer sie aufgehängt hatte und niemand wusste, wer sie abnahm.

Auch versteckte Zeichen des Widerstands gegen das Terror-Regime finden sich in der Kirche. Zum Beispiel in den Bibelzitaten, die in die Balken geschnitzt wurden. „Hier ist nichts anderes als Gottes Haus“. Auch die künstlerische Ausstattung der Kirche hat ihre Geschichte. Max Schulze-Sölde, Sohn des Generalstaatsanwaltes am OLG Hamm, schuf die elf Gemälde, die in der Johanneskirche hängen. Sölde war Kommunist. Elisabeth Coester schuf das große Rosettenfenster im Altarraum der Johanneskirche. Viele Werke der bedeutenden Glasmalerin wurden im Krieg zerstört, nicht so das im Hammer Norden. Denn vor der Bombardierung Hamms wurde die Rosette ausgebaut und blieb so unbeschädigt erhalten.

Den Taufstein stammt letztlich vom Hamburger Architekten Bernhard Hopp. Ursprünglich sollte der bekannte Bildhauer Ernst Barlach den Taufstein schaffen. Der Künstler entwarf 14 Skizzen für die Johanneskirche doch bevor er eine davon umsetzen konnte starb der vom Nazi-Regime verfolgte Künstler im Oktober 1938. ▪ hwa

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