Beamte müssen Verwirrte suchen

Demenzkranke Senioren in Hamm immer häufiger auf Abwegen - diese Tipps gibt die Polizei

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Hundertschaften der Polizei waren in Hamm mehrfach in die Suche nach vermissten Senioren eingebunden. 

Hamm - Alle paar Tage verschwindet in Hamm ein Senior aus einer Alteneinrichtung oder Privatwohnung. Längst nicht jeder Fall wird der Polizei gemeldet und dort statistisch erfasst.

16 Mal, dann nämlich, wenn größere Suchmaßnahmen erforderlich wurden, war dies in diesem Jahr allerdings bereits der Fall. 16 Mal, das bedeutet also etwa alle zwei Wochen, in denen die Polizei mit mindestens einigen Beamten in die Suche eingebunden war. Angesichts unserer immer älter werdenden Gesellschaft spricht einiges dafür, dass die Fallzahlen steigen werden.

Demenzerkrankungen, Parkinson oder Alzheimer sind die häufigsten Ursachen für das Phänomen, das in der geriatrischen Medizin als „Wanderungstendenz“ beschrieben wird. Die häufig hochbetagten Menschen machen sich zu Fuß auf den Weg, setzen sich in einen Bus oder Zug und streifen orientierungslos durch die Gegend – vielfach auf der Suche nach Anlaufstellen, die für sie zu Jugendzeiten eine Bedeutung hatten.

Dortmunder Polizei nimmt Vermisstenfälle als Anlass für Tipps

In Dortmund endeten in der vergangenen Woche zwei solcher Odysseen auf tragische Weise. Ein 88- und ein 80-jähriger Mann wurden am vergangenen Montag und Dienstag nach tagelanger Suche nur noch tot aufgefunden. Beide Männer hatten sich letztlich nicht allzu weit von ihren Heimunterkünften entfernt und offensichtlich nicht mehr dorthin zurückgefunden. 

Die Dortmunder Polizei reagierte anschließend auf die Vermisstenfälle und veröffentlichte als erste Polizeibehörde in der Region Verhaltenstipps für Bürger und Passanten, denen im öffentlichen Raum verwirrte oder demenzkranke Personen begegnen.

Was die Polizei rät

Ruhig bleiben, langsam und deutlich sprechen und sich nicht entmutigen lassen, wenn die verwirrte Person aggressives Verhalten an den Tag legt: Das wird dem Bürger für den Fall einer solchen Begegnung an die Hand gelegt. Ebenso soll der Betreffende gefragt werden, ob man in dessen Kragen (Hemd, Pullover, Jacke oder Ähnliches) hineinsehen dürfe. 

Dort befindet sich nämlich häufig die Adresse der Wäscherei des Pflegeheims. Sollte die Person in einem solchen wohnhaft sein, sollte sie nicht festgehalten oder sonstwie provoziert werden. Stattdessen sollte die Polizei über den Notruf 110 verständigt werden.

Wie in Hamm reagiert wird

In Hamm hat die Polizei derweil den Dialog mit den Senioreneinrichtungen intensiviert und drängt darauf, dass die jeweiligen Ausreißkandidaten gut sichtbare Schilder mit der Wohnanschrift bei sich führen – entweder zum Umhängen oder direkt an ihre Kleidungsstücke genäht. Die Sinnhaftigkeit dieses Vergehens werde mittlerweile von vielen Häusern in der Stadt anerkannt, sagt Behördensprecher Christopher Grauwinkel.

Dramatisch tragische Fälle wie in Dortmund liegen in Hamm derweil viele Jahre zurück. So wurde Anfang Oktober 2006 ein 84-jähriger Senior, der aus dem Reginenhaus in Rhynern verschwunden war, nach gut einwöchiger Suche ebenfalls nur noch tot aufgefunden. Eine Hundertschaft der Polizei durchkämmte damals erfolglos umliegende Waldstreifen nach dem demenzkranken Senior. 

Gefunden wurde er letztlich von Passanten, nur wenige hundert Meter von der Heimeinrichtung entfernt. Im Februar 2010 wurde ein ebenfalls demenzkranker Mann (82) aus Heessen nach gut einwöchiger Suche gleichsam nur tot gefunden. Er hatte seine Unterkunft im Schlafanzug und in Pantoffeln verlassen.

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