Auf Hamms größter Baustelle kehrt wieder Leben ein

Rätsel um „Deichbrüche“ im Erlebensraum gelöst

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Spannendes Missverständnis: Der weithin sichtbare "Deich" im Erlebensraum zwischen Kläranlage und Fährstraße ist nur ein Provisorium. Dieser wird nun - hier gut sichtbar - nach und nach wieder abgetragen. 

Zwei auffällig große Lücken im frisch aufgeschütteten neuen Deichverlauf werfen im „Erlebensraum Lippeaue“ Fragen auf. Sie werden nicht die letzten sein auf der riesigen Baustelle. Wird das Konstrukt etwa schon wieder zurückgebaut?

Hamm - Der im östlichen Bereich des Erlebensraums vor einiger Zeit akkurat aufgeschüttete Wall hat eine Gesamtlänge von knapp 1.300 Metern. In Höhe des Möbel-Boss-Komplexes wurden aus dieser Linie nun plötzlich zwei mehr als 50 Meter starke Stücke wieder herausgetrennt: Immer mehr Beobachter wundern sich über die vermeintlichen Deichbrüche und fragen sogar in der WA-Redaktion nach. Diese erfuhr: Wir haben bislang nur ein Provisorium gesehen; und das wird nach und nach wieder verschwinden.

Der Clou: Der Wall hat mit seinem Gewicht in den vergangenen Wochen und Monaten den Boden darunter verdichtet. Dieses Procedere heißt „Vorballastierung“, wie Silke Bielefeld als Projektleiterin der Stadt Hamm erklärt. Damit werde verhindert, „dass es nach dem Aufbau des neuen Deichkörpers zu späteren Setzungen kommt, die dann Schäden in einem unter dem Deichkörper verlegten Kanal verursachen“. 

Nach dem Erreichen der Mindestliegezeit Ende Juni wird das Provisorium also nun nach und nach zurückgebaut. Dass das in Einzelbereichen geschieht, hat mit der unterschiedlichen Qualität der genutzten Böden zu tun: Die besseren werden für die spätere „echte“ Hochwasserschutzanlage (HWS) zurückgehalten, die geringerwertigen künftig im Bereich des Plateaus östlich der Münsterstraße verbaut.

Wieder Baustellenleben im "Erlebensraum"

Nach dem Rückbau soll - ab August - auf 1.290 Metern Länge eine Spundwand gesetzt werden. Ohne diese hätte der Deich nicht die Stabilität, im Extremfall eine schwer drückende Hochwasserwand von den nördlichen Stadtgebieten fernzuhalten (wie es das jetzige Bauwerk schon seit 70 Jahren tut).

"Eine Doppelspundwand hat dabei etwa eine Breite von 1,20 Metern, die Länge der Spundwand beträgt bis maximal 14,50 Meter", erläutert Projektleiterin Bielefeld. Es würden aber unterschiedlich lange Spundwände eingetrieben, um den weiteren Austausch des Grundwassers zu ermöglichen. Die Stahlelemente werden später vom Deich vollständig verschluckt.

Eindrucksvolle Baustelle: Aus der Luft ist der fast 1300 Meter lange künftige Deichverlauf am besten zu sehen.

Die Erlebensraum-Baustelle wird also schon bald wieder mit Leben gefüllt sein - und zwar weithin sichtbar auch außerhalb der Deichbaumaßnahme. Folgende Eckpunkte stehen im zweiten Halbjahr auf der Agenda der Gesamtprojektpartner Stadt Hamm und Lippeverband:

Zwischen Bahnstrecke und Münsterstraße:

Im August gehen die Arbeiten am neuen Auslauf der Kläranlage Mattenbecke weiter. Der letzte, 70 Meter lange Kanalabschnitt samt zugehöriger Schachtbauwerke zur Anbindung des Regenüberlaufbeckens steht an. Im September soll die Baustelleninfrastruktur zurückgebaut werden.

Nach Fertigstellung dieser Arbeiten ist die gesamte Maßnahme „Schweinemersch“ - so wird der oben besprochene Bereich genannt - komplettiert.

Zwischen Münsterstraße und Fährstraße:

Die Abtragung des Lippeufers im Bereich des späteren "Auenparks" ist bereits im westlichen Abschnitt erfolgt. Corona hatte eine Fortsetzung im zweiten Bereich über Wochen verhindert, weil dort noch Kampfmittelverdachtspunkte vorliegen, nötige Evakuierungen im Fall von Entschärfungen aber nicht möglich gewesen wären. Infolge der jüngsten Lockerungen werden die Kampfmitteluntersuchungen nun wieder angegangen. Die dafür nötige Absenkung des Grundwassers läuft bereits.

Insgesamt werden am Lippeufer rund 27.000 Kubikmeter Boden herausgenommen; dieser wird nordöstlich der Kläranlage zwischengelagert. Später werde auch dieser Boden zum Teil für den Aufbau des neuen Deiches oder des Plateaus verwendet, erklärt Bielefeld.

Lange Zäune durchziehen "Erlebensraum"

Seit kurzer Zeit durchziehen lange Bauzäune die Baustellen am künftigen Lippestrand und am Flugplatz entlang. Sie erfüllen verschiedene Zwecke:

Ein Zaun sichert die Baustelle Lippestrand.

Der Zaun nahe des Lippeufers soll ungebetene Besucher fern halten. Es handele sich um einen Baustellenbereich: Das Betreten sei daher nicht gestattet, bittet die Projektleiterin der Stadt um Verständnis. Zum einen sei hier die notwendige Infrastruktur zur Nutzung der Flächen noch nicht eingerichtet, zum anderen werde "leider allzu oft achtlos Müll von den Besuchern zurücklassen".

Der Zaun entlang des Flugplatzes soll das Baufeld des zukünftigen Plateaus sichern. Er ist zwischen 500 und 600 Meter lang.

Ein Zaun trennt das Projektgebiet vom Flugplatzbetrieb.

Die Fertigstellung des Gesamtprojekts Erlebensraum Lippeaue ist für Mitte 2022 vorgesehen.

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