1. wa.de
  2. Hamm

Debatte um Obdachlose in der Hammer Innenstadt geht weiter

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Frank Osiewacz

Kommentare

Vor allem im Winter ist es für obdach- oder wohnungslose Menschen in Hamm in der Innenstadt schwierig, einen geeigneten Schlafplatz zu finden.
Vor allem im Winter ist es für obdach- oder wohnungslose Menschen in Hamm in der Innenstadt schwierig, einen geeigneten Schlafplatz zu finden. © © Andreas Rother

Ein neues Konzept ist vorgestellt und an den Rat empfohlen. Trotzdem geht die Debatte um Obdachlose, Betteln und offenen Drogenkonsum in der Hammer Innenstadt weiter.

Hamm – Stefanie Baranski (SPD), Bezirksbürgermeisterin von Hamm-Mitte, sieht ihre Anregungen und Argumente in vielen Punkten der Weiterentwicklung des 2017 aufgelegten Wohnungsnotfallhilfekonzepts der Stadt Hamm umgesetzt. Oberbürgermeister Marc Herter und Polizeipräsident Thomas Kubera hatten die Maßnahmen am Freitag öffentlichkeitswirksam auf dem Marktplatz vorgestellt.

Hygieneraum, zentrale Unterkunft und Streetworker

„Die Probleme werden angegangen“, sagte Baranski gegenüber unserer Zeitung. Das jetzt vorliegende Konzept, das die Bezirksvertretung Mitte dem Rat empfahl, sei das Ergebnis intensiver Beratungen. Darin fände sich ihre Argumentation für einen Hygieneraum, eine zentrale Unterkunft beziehungsweise ein Gasthaus für Wohnungslose sowie mehr Sozialarbeiter („Streetworker“) wieder.

„Aber es muss auch die ordnungspolitische Komponente geben“, so Baranski. „Es gibt Regeln, in dieser Stadt, die zum Wohle aller eingehalten werden müssen. Es kann nicht sein, dass Menschen Bereiche meiden, weil sie sich abgestoßen oder nicht sicher fühlen.“

Baranski will Szenetreff nicht beseitigen, aber Situation verbessern

Der Treffpunkt im Nordring lasse sich nicht verlegen, so Baranski. Aber man werde jetzt schauen, wie man die Situation dort verbessern könne. Das betreffe sowohl die Infrastruktur vor Ort als auch den Einsatz von Sozialarbeitern. Im Sommer hatte Baranski argumentiert, der Treff passe nicht zum schicken Wassersportzentrum, der neuen Anbindung zur Kanalkante und zum Schulumfeld.

Aktuell prüfe die Fachverwaltung, wo mögliche Standorte für ein Gasthaus und den Hygiene- und Drogenkonsumraum sein könnten.

Weymann: „Es geht nicht um Law & Order“

Karsten Weymann, Grünen-Ratsherr und Vorsitzender des Sozial- und Gesundheitsausschusses, sieht den Fokus zu sehr auf der ordnungspolitischen Seite: „Es geht nicht um Law & Order, sondern es muss um die Beseitigung von Armut in unserer Stadt gehen.“

Weder die Polizei noch der personell verstärkte Kommunale Ordnungsdienst werde das Betteln verhindern können. Er halte es persönlich für falsch, Menschen die in Hauseingängen oder Lüftungsschächten schlafen, zu verjagen. „Kein Mensch der sich in einer solchen Situation befindet, schläft freiwillig an solchen Orten“, so Weymann. „Auch hier sollten wir, mit langen Atem, daran arbeiten, die Gründe und Ursachen von Obdachlosigkeit zu beseitigen.“ Es gebe zumindest keine einzige Kommune in Deutschland, die es geschafft habe, mit Polizei und Ordnungsdienst Betteln und öffentliches Betrinken zu verhindern, so Weymann weiter.

Auch interessant

Kommentare