„Debatte unwürdig“

AfD wütet gegen Straßenbenennung - SPD-Fraktionschef Moor reagiert emotional

Justus Moor, hier bei einer früheren Ratssitzung empfand die Äußerungen der AfD über Esther Bejarano mehr als respektlos.
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Justus Moor, hier bei einer früheren Ratssitzung empfand die Äußerungen der AfD über Esther Bejarano mehr als respektlos.

Die AfD provozierte während der Ratssitzung am Dienstag einen emotionalen Ausbruch von SPD-Fraktionschef Justus Moor. Der Grund: Eine Straßenumbenennung.

Hamm - Ein Linken-Antrag drehte sich um eine Straßenbenennung nach der Antifaschistin und Überlebenden des KZ Auschwitz-Birkenau, Esther Bejarano.

„Kürzlich verstarb die engagierte Antifaschistin und Überlebende des KZ Auschwitz-Birkenau. Bis zuletzt war sie Ehrenvorsitzende der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA), Mitglied im Internationale Auschwitz Komitee (IAK) und Kulturschaffende, die mit oft streitbaren Wortmeldungen über viele Jahrzehnte wichtige Impulse für Demokratie, Erinnerungskultur und Gleichberechtigung gab. Mehrfach besuchte sie die Stadt Hamm. Hier sprach sie, beispielsweise im September 2018, in der evangelischen Jugendkirche, über ihre Erinnerungen an Auschwitz und über die Gefahr, die von der AfD ausgeht. Viele Bürgerinnen und Bürger der Stadt Hamm nahmen Anteil an ihrem Tod und würdigten ihr Wirken“, heißt es unter anderem in dem Antrag im Wortlaut.

AfD fühlt sich durch Antrag der Linken angegriffen

AfD-Mann Georg Schroeter monierte darauf hin, dass Bejarano die AfD für den Holocaust mitverantwortlich gemacht habe und referierte in diesem Zuge über die politische Vergangenheit der Linkspartei und machte sie im Gegenzug mitverantwortlich unter anderem für Stasigefängnisse.

Das veranlasste Justus Moor zu einer ernsten Replik. Mit Tränen in den Augen erinnerte er an die Lebensleistung Bejaranos, zu der er lange eine persönliche Verbindung hatte, bevor sie im Juli mit 96 Jahren starb. Er war unter anderem in seinem alten VW mit der Widerstandkämpferin in Krakau unterwegs gewesen.

Moor beendet Debatte, bevor Pierre Jung reden darf

„Diese Debatte ist unwürdig“, schloss Moor und beendete die Diskussion auch direkt über einen Geschäftsordnungsantrag, bevor Pierre Jung (AfD), der sich zuvor bereits gemeldet hatte, noch einmal das Wort ergreifen konnte.

Sobald eine passende Straße gefunden worden ist, soll nun die dann zuständige Bezirksvertretung final abstimmen. Das ist bei Straßenumbenennungen das übliche Vorgehen in Hamm. Dass im Rat so sehr über einen solchen Vorgang diskutiert wurde, ist in jüngerer Vergangenheit einmalig.

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