Radbod als Unesco-Weltkulturerbe

Nur zwei dabei: Schacht bei Weltkulturerbe-Bewerbung vergessen? - Kommentar

Fördertürme Zeche Radbod
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Auf der Vorschlagsliste für das Weltkulturerbe: die Fördergerüste 1 und 2 der Zeche Radbod. Es fehlt Schacht 5 (links).

Die Schächte 1 und 2 der ehemaligen Zeche Radbod könnten Unesco-Weltkulturerbe werden, als Teil der „Industriellen Kulturlandschaft Ruhrgebiet“. Sie stehen auf eine Vorschlagsliste der Stadt Hamm. Doch der „Dreiklang“ mit dem später errichteten Schacht 5, der das europaweit Einmalige an diesem Ensemble darstellt, taucht in dem Vorschlag gar nicht auf.

Bockum-Hövel – Die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur hat als Projektleitung die Vorschlagliste seit 2011 erarbeitet. Das Land NRW will sie im kommenden Jahr einreichen. Sie steht am Montag im Hauptausschuss zur Diskussion. In der Tat sind die beiden Schächte, die sich zudem im Besitz der Stiftung befinden, außergewöhnlich. Und sie sind mithilfe der Stiftung von Grund auf saniert worden. Doch Schacht 5 steht noch nicht unter Denkmalschutz und befindet sich noch im Besitz der RAG .

Zeugnis vom Auftakt bis zum Ende der Kohleförderung

Keine andere Schachtanlage ist bekannt, bei der in unmittelbarer Nähe der Schächte 1 und 2 nach vielen Jahren erneut ein solches Bauwerk errichtet wurde. Die Schachtgerüste 1 und 2 wurden 1907/1908 gebaut. Schacht 5 wurde ab 1923 zunächst als Wetterschacht abgeteuft. Ab 1949 wurde er zum Hauptförderschacht ausgebaut, um die Schächte 1 und 2 abzulösen. Aus dieser Zeit stammt auch das heutige Schachtgerüst. Ab Juli 1956 erfolgte die gesamte Förderung über diesen tiefer ausgelegten Schacht. Stillgelegt wurde Radbod im Januar 1991. Doch erst ab Ende 2012 wurde Schacht 5 verfüllt, nachdem die RAG auch die Nordwanderung endgültig aufgegeben hatte. So legt das Gerüst von Schacht 5 Zeugnis über die Entwicklung der Zeche Radbod, die Aufbauzeit nach dem Krieg und den Auftakt zum Ende der Kohleförderung in Deutschland ab.

Bereits 1984 hatte das Westfälische Amt für Denkmalschutz in Münster gegenüber der Stadt die Bitte geäußert, die Fördergerüste über den Schacht 1 und 2 in die Denkmalliste einzutragen. Die Bezirksvertretung Bockum-Hövel lehnte dies erst ab, die Entscheidung im Jahr 2000 korrigiert. Die Fördergerüste wurden danach durch die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur übernommen und umfangreich saniert.

Seit vielen Jahren setz sich daher Günter Bachtrop als Ortsheimatpfleger und als Ressortleiter Stadtbild und Heimatpflege beim Aktionskreis Bockum-Hövel Plus für die Unterschutzstellung auch von Schacht 5 ein. Unter anderem kann er auf einen Sachstandsbericht durch Ludger Ackfeld von der Unteren Denkmalbehörde verweisen, wonach die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur an einer Übernahme von Schacht 5 interessiert sei.

Einer wartet auf den anderen

Zuletzt hatte Anna Gerhard, Sprecherin der Stiftung auf Anfrage des WA mitgeteilt, man warte darauf, dass das Schachtgerüst von der Stadt Hamm unter Denkmalschutz gestellt werde. Das sei eine Grundvoraussetzung für die Übernahme. Zudem müsse man auf die Zustiftung des Schachtgerüstes warten.

Die Stadt vertrat zuletzt die Auffassung, dass der Ball in einem anderen Feld liege. Sobald der Stiftungsrat einer Übernahme zugestimmt habe, werde die Stadt Hamm eine Eintragung vornehmen. Die RAG wäre durchaus bereit zu einer Übergabe an die Stiftung. Allerdings gelte es zu klären, zu welchen Bedingungen, macht RAG-Sprecher Stefan Conrad gegenüber dem WA deutlich.

„Das Thema geht mir gehörig auf den Senkel, ich habe den Eindruck, dass auch hier blockiert wurde“, sagt Bachtrop zum aktuellen Vorschlag zur Eintragung in die Unesco-Weltkulturerbe-Liste. „Damit kann man nicht zufrieden sein. Wir werden sehen müssen, dass eine Entscheidung über Schacht 5 fällt. Das kann man nicht einfach vom Tisch wischen.“

Kommentar: Stadt Hamm sollte Initiative ergreifen

Ohne Schacht 5 ist die Vorschlagliste zum Unesco-Weltkulturerbe unvollständig. Der „Dreiklang“ ist das Besondere, das Alleinstellungsmerkmal an der ehemaligen Zeche Radbod. Doch alle Beteiligten sehen den Ball im Feld der anderen liegen.

Jetzt, angesichts der Möglichkeit ein Stück Weltkulturerbe zu bekommen, sollte die Stadt Hamm die Initiative ergreifen und Schacht 5 unter Denkmalschutz stellen. Auch bei Schacht 1 und 2 war das der erste Schritt.

Und mit der SPD ist jetzt eine Partei an der Macht, die zumindest im Ruhrgebiet ihre Wurzeln und Wählerschaft zu einem großen Teil unter Bergleuten und im Bergbau hat. Da ist es doch geradezu eine Verpflichtung, ein so bedeutendes Zeugnis der Industriegeschichte dauerhaft für die Zukunft zu sichern.

Darüber sollten die Ausschussmitglieder am Montag einmal diskutieren und eine Lösung finden.

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