Ehemaliger Kettenraucher

Verdammtes Verlangen: Für rauchfreies Leben sucht Hammer Gleichgesinnte

Ein letzter Zug? Sich das Rauchen abzugewöhnen, kann sehr schwer sein.
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Ein letzter Zug? Sich das Rauchen abzugewöhnen, kann sehr schwierig sein.

Nur noch dieser eine letzte Zug und dann war’s das mit dem Rauchen – ganz so einfach ist das für viele nicht. Das Verlangen nach einer Zigarette ist oft stärker als das schlechte Gewissen.

Hamm – Deshalb sucht der ehemalige Kettenraucher Anton Müller* Leidensgenossen für eine Selbsthilfegruppe, um sich auszutauschen.

„Rauchen war vor 50 Jahren modern“, sagt Anton Müller. Wer nicht rauchte, gehörte nicht dazu. Beim Tanzen sei man als Nichtraucher ein Außenseiter gewesen. Der 66-Jährige schätzt, dass 95 Prozent der Männer und Frauen damals regelmäßig zur Zigarette griffen: „Das war ganz normal. Praktisch jeder hat geraucht.“ Das war auch der Grund, warum er mit circa 15 Jahren zum ersten Mal eine Zigarette probierte. „Ich habe geraucht, um dazuzugehören.“ Die Zigarette ließ ihn dann aber nicht mehr los. Über 50 Jahre rauchte er.

Suche nach Gleichgesinnten: Ehemaliger Ketenraucher wünscht sich Gesprächspartner

In den letzten Jahren vor seiner Rente rauchte er oft mehr als eine Schachtel am Tag. An stressigen Tagen waren es auch mehr. Er bezeichnet sich selbst als ehemaliger Kettenraucher. Müller: „Die letzte Zigarette des Tages rauchte ich oft im Bett vor dem Schlafengehen.“ Heute schämt er sich für seinen starken und langjährigen Zigarettenkonsum.

Immer wieder versuchte Müller aufzuhören, aber das war gar nicht so einfach. „Das Rauchen ist wie eine Droge, wie Alkohol. Aber Zigaretten verändern nicht die Persönlichkeit. Deshalb wird diese Sucht in der Medizin und bei Krankenkassen nicht richtig anerkannt“, sagt der 66-Jährige. Unterstützung gebe es daher wenig. Laut Monika Dirks von der Selbsthilfe-Kontaktstelle Hamm gebe es aktuell auch keine Selbsthilfegruppe zum Thema Nikotinsucht: „Es gibt zwar über 20 Gruppen im Suchtbereich, aber ausschließlich für Alkohol, Medikamente und illegale Drogen.“

Suche nach Gleichgesinnten: Nikotin-Entwöhnung ist ein schwerer Weg

Bereits vor einigen Jahren hörte der Hammer auf, in seinem Auto zu rauchen, wenn seine Enkelkinder dabei waren. Damit sie aber auch nicht den kalten Rauch einatmen müssen, hörte er komplett auf im Pkw zu rauchen. „Ich möchte nicht, dass meine Enkelkinder im vollgequalmten Auto sitzen müssen“, sagt Müller und betont, dass er einige Jahre später noch einen Schritt weiter ging. Er suchte sich eigenständig professionelle Unterstützung für die Nikotin-Entwöhnung. Seit November vergangenen Jahres lebt er nun (fast) ohne Zigarette. Seine Gedanken kreisen jedoch immer noch täglich um die Kippe.

Es sei hart, nicht wieder rückfällig zu werden. Müller: „Da gibt es keinen Schalter im Kopf, den man einfach umlegen kann. Das ist das Problem.“ Doch er werde nicht mehr jünger und merke, dass das viele Rauchen ihm nicht gut tue.

Suche nach Gleichgesinnten: Ehemaliger Raucher hofft auf gemeinsames Durchhalten

Gerade jetzt, wo er wegen Corona viel alleine ist und seine Hobbys wie das Schwimmen nicht mehr ausüben kann, denkt Müller immer wieder an die Zigarette. Um weiter durchzuhalten, wünscht sich der 66-Jährige innerhalb einer Selbsthilfegruppe einen Austausch, gegenseitige Unterstützung und ein gemeinsames Durchhalten.

Im Rahmen der Coronaschutzverordnung dürfen bis auf Weiteres keine Treffen von Selbsthilfegruppen stattfinden. Für die Gründung der Selbsthilfegruppe „Rauchfrei leben“ heißt es also abwarten. „Sobald wieder Treffen möglich sind, können erste Gründungstreffen in der Selbsthilfe-Kontaktstelle durchgeführt werden“, sagt Dirks von der Selbsthilfe-Kontaktstelle Hamm.

Interessierte können sich bei der Selbsthilfe-Kontaktstelle Hamm bei Monika Dirks unter Telefon 02381/12028 oder per E-Mail unter selbsthilfe-hamm@paritaet-nrw.org melden.

Suche nach Gleichgesinnten: Die Nikotin-Sucht in Zahlen

In Hamm qualmten im Jahr 2017 insgesamt 28,3 Prozent der Bevölkerung (Schnitt Nordrhein-Westfalen 22,6 Prozent), 34,6 Prozent aller Männer und 22,5 Prozent aller Frauen griffen zum Glimmstängel. Dies teilte die AOK Nordwest auf Basis der aktuellen Mikrozensus-Auswertung des Statistischen Bundesamtes aus 2017 mit. Rauchen ist neben Stress, mangelnder Bewegung und ungesunder Ernährung einer der wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislaufkrankheiten, chronische Atemwegserkrankungen, Krebs und Diabetes.

Laut Tabakatlas 2020 verursacht Rauchen bis zu 80 Prozent aller Lungenkrebsfälle und erzeugt daneben zahlreiche weitere Krebsarten. An den Folgen des Rauchens sterben in Deutschland jedes Jahr rund 127.000 Menschen. Dies entspricht 13,3 Prozent aller Todesfälle. Die AOK bietet hier in der Rubrik Leistungen & Services ein Expertenforum zum Nichtrauchen an.

*Name von der Redaktion geändert

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