Unsere Serie: Was braucht Uentrop?

Das neue Zuhause hat seinen Preis: So teuer ist das Wohnen in Uentrop

Projekt „Augenweide“ mit vielen Penthäusern in Hamm-Uentrop
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Gefragter Wohnraum: Das Projekt „Augenweide“ ist der Renner. Penthäuser sind begehrt wie auch die Eigentumswohnungen. Die 56 Wohneinheiten hatte Zoeger Immobilien für Bauherr und Investor Gosda schnell vermarktet.

Ein Eigenheim? Wer im Stadtbezirk Uentrop ein neues Zuhause sucht, hat es schwer. Viel gibt der Markt nicht her. Und wenn sich doch mal etwas tut, wird es schnell teuer. Wie sind Ihre Erfahrungen? Diskutieren Sie mit! (Formular unten im Artikel)

Uentrop - „Der Markt ist leer“, sagt Guido Voß. Woran liegt das? Was braucht der Stadtbezirk? Als Geschäftsführer von Zoeger Immobilien begleitet Voß seit Jahrzehnten das Marktgeschehen und gibt einen Überblick.

Schon kurios, wöchentlich bekommt Guido Voß Anrufe: Verkaufe großes Haus und suche Penthaus. „Wie viele Penthäuser sollen wir denn noch bauen?“, fragt er. „Wo sollen wir sie herbekommen“. Das Projekt „Augenweide“ in der Mark lieferte in jüngster Zeit eine Handvoll, an der Ostenallee entstehen weitere, die von Zoeger vermarktet werden. Mehr aber nicht. Der Wunsch nach einem großen Penthaus mit 130 Quadratmeter Wohnfläche macht es noch schwieriger. So viel Platz steht in der Regel auf den Dächern nicht zur Verfügung. Bei Preisen von dann 600.000 Euro, inklusive Tiefgarage, dürfte der Käuferkreis sehr klein sein.

Wohnen in Uentrop: Verschiedene Zielgruppen und Suchkriterien

Vor allem ältere Menschen ab 65 gehören zu dem großen Interessentenkreis für Eigentumswohnung (Penthaus) mit Balkon. Diese Menschen wollen sich kleiner setzen, den Aufwand, etwa für einen Garten, altersgerecht reduzieren. „Deshalb ist der Geschosswohnungsbau derzeit so gefragt“, sagt Voß. Das gelte auch für die Zielgruppe kinderlose Paare, Doppelverdiener.

Wegen niedriger Kreditzinsen und mangelnder Anlagenformen suchen auch Anleger nach Eigentumswohnungen. Bei der Augenweide mit ihren 56 Wohneinheiten lag ihr Anteil bei etwa 20 Prozent; bei dem im Bau befindlichen Haus an der Ostenallee (Baugebiet Hasenstraße) mit den zehn Einheiten sind es 70 Prozent. Darunter sind auch junge Singles, die teils erst perspektivisch einen Eigennutzung planen.

Der aktuelle Boom im Geschossbau geht laut Zoeger nur an zwei Zielgruppen vorbei: Die „junge Familie“ sucht ein Haus mit Garten. Und dann gibt es noch die Menschen, die Land- und Bauernhofatmosphäre suchen. „Wir verzeichnen eine hohe Nachfrage“, sagt Philipp Telsemeyer von Zoeger.

Wohnen in Uentrop: „Das Angebot ist sehr knapp“

„Das Problem ist: Die Nachfrage ist ohnehin hoch und das Angebot sehr knapp“, sagt Voß über die Nachfrage in Zeiten niedriger Kreditzinsen. Im Speziellen sei die Situation im Stadtbezirk Uentrop noch verstärkt. „Wir bekommen fast täglich Anfragen“, sagt Telsemeyer. „Bei der Lage steht oft: Hammer Osten“.

Dabei ist hier in den vergangenen Jahrzehnten viel gebaut worden. „Uentrop ist nach meiner Wahrnehmung der Bezirk mit dem größten Zuzug“, sagt Voß. Dabei geht es nicht um die Einwohnerzahl, sondern um den neu geschaffenen Wohnraum. Der entstand vor allem auf ehemaligen Zechengrundstücken. Weitere Baugebiete sind in Planung (siehe unten). „Ich kann vielen Menschen im Moment nicht helfen“, sagt Voß. „Wir haben kaum Immobilien zur Verfügung.“ Wenn etwas auf den Markt kommt, ist es eigentlich schon wieder weg.

Die Kurve zeigt deutlich nach oben: So haben sich die Preise für Boden im Hammer Stadtbezirk Uentrop entwickelt. (Klick aufs Foto, um es komplett darzustellen)

Wohnen in Uentrop: Die Preise ziehen an

Zoeger verkaufte vor rund 20 Jahren ein freistehendes Einfamilienhaus mit 130 Quadratmeter Wohnfläche, 450 Quadratmeter Grundstück, Keller und Garage für etwa 330.000 Euro. „Wird das Haus heute verkauft, würde ich mindestens 100.000 Euro mehr aufrufen“, sagt Voß. Bei Neubauten werden heute schnell die 500.000 Euro erreicht.

Bei neuen Eigentumswohnungen beobachtet er seit Ende der 1990er Jahre eine starke Zunahme. „Damals lag das Maximum bei etwa 2000 Euro pro Quadratmeter Wohnungsneubau. Heute ist es das Doppelte“, sagt er. Bei den Mietpreisen stellt Zoeger im Hammer Osten einen vergleichbaren Anstieg fest. Bis 2005 lag der Quadratmeterpreis über lange Zeit permanent um fünf Euro. Für einen Neubau mit Fahrstuhl werde jetzt das Doppelte genommen, sagt der Geschäftsführer. „Ein Problem mit der Vermietung hat es hier aber nie gegeben.“

Wohnen in Uentrop: Sieben neue Baugebiete geplant

Eine Antwort auf den Wohnungsmangel ist die vor fast drei Jahren gestartete Wohnbaulandinitiative. Nachfolgend ein Überblick über die geplanten sieben (!) großen Baugebiete in Uentrop:

  • Friedrichsfeld: In dem Baugebiet zwischen Lippestraße und Kanal am Siedlungsrand von Hamm-Osten hat die Erschießung begonnen. Die Beta Eigenheim baut rund 70 Wohneinheiten: 38 Doppelhaushälften, neun Reihenhäuser, ein freistehendes Haus und Mehrfamilienhäuser.
  • Richardstraße: Die etwa 4,2 Hektar bieten nach Jahren das „ersehnte“ Wohnbaupotenzial im Uentroper Dorf. Nach ersten Entwürfen sollen rund 70 Grundstücke vor allem für Doppel- und Reihenhäuser entstehen. RWE ist Eigentümer und will vermarkten. Wann es soweit ist, steht noch nicht fest. Es folgen noch mehrere Planungsschritte.
  • Lisenkamp: Magnus Immobilien plant auf den rund 5.400 Quadratmetern in zweiter Reihe zwischen Alter Soester Straße und Knappenstraße neun Wohneinheiten: vier Doppelhäuser und ein Einfamilienhaus. Die Änderung des Bebauungsplans läuft. Wegen eines angrenzenden Biotops und Feuchtgebiet gibt es Bedenken von Anwohnern.
  • Südlich Kirchweg: Auf 18.500 Quadratmetern hinter dem Trinkgut am Kirchweg ist ein Mix aus 23 freistehenden Einfamilienhäusern sowie Doppelhäusern geplant. Nach der Beteiligung der Öffentlichkeit Ende vergangenen Jahres folgen jetzt noch diverse Planungsschritte.
  • Östlich Neuenkamp: Die 18.000 Quadratmetern nahe der Soester Straße bieten Platz für rund 20 Einfamilien- und Doppelhäuser. Nach der Beteiligung der Öffentlichkeit 2020 folgen noch diverse Planungsschritte.
  • An der Brandheide: Wegen der Kiebitz-Kolonie ist das Baugebiet auf rund 10.000 Quadratmeter geschrumpft. So bleiben etwa 17 Grundstücke für Einzel- und Doppelhäuser übrig. Baustart könnte noch in diesem Jahr sein. Die TUI Immobilien Services GmbH vertröstet weitere Interessenten bereits auf die anderen Baugebiete.
  • An der Lutherkirche: Zwischen den Gebäuden der evangelischen Gemeinde und dem Sportplatz der Erlenbachschule sollen rund 4.000 Quadratmeter als Bauland ausgewiesen werden. Mehr als ein Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan vor rund zwei Jahren ist nicht passiert.

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Mehr zum Thema lesen Sie in der Print-Ausgabe des Westfälischen Anzeigers vom 15. April. Der nächste Schwerpunkt unserer Serie „Was braucht Uentrop?“ erscheint am 29. April im Print und Online. Dann geht es um die Mobilität im Stadtbezirk.

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