Ihre Meinung ist gefragt

In der Freizeit ins Grüne: Das Kleingärtnern ist in Herringen voll im Trend

Alina und Tobias Scheffler, beide Anfang 30, fühlen sich im Kleingartenverein „Zum Heideblick“ in Hamm-Herringen gut aufgehoben.
+
Kleingärtner-Nachwuchs: Alina und Tobias Scheffler, beide Anfang 30, fühlen sich im Kleingartenverein „Zum Heideblick“ gut aufgehoben.

In der Freizeit zieht es die Menschen mehr und mehr ins Grüne. Aktuell erlebt das Kleingärtnern einen Boom. Warum? Wir haben bei Kleingärtnern in Herringen nachgefragt. Und in Sachen Freizeit hat der Bezirk noch eine ganze Menge mehr zu bieten. Diskutieren Sie mit (Formular unten im Artikel)!

Herringen – Den Gartenzwerg, das wohl bekannteste Symbol deutscher Spießigkeit, gibt es zwar noch immer – auch im Garten von Claudia und Benjamin Bothe in der Kleingartenanlage „Zum Heideblick“. Doch das Klischee, mit dem die Laubenpieper oder Schrebergärtner über Jahrzehnte leben mussten, bekommt Risse: Kleingärtner werden immer jünger, hipper und sind längst nicht nur deutsch: „Rund die Hälfte unserer Pächter haben einen Migrationshintergrund. Sie kommen aus der Türkei, Polen, Russland und dem Kosovo“, sagt Vorsitzender Bothe. Und man habe sogar zwei gleichgeschlechtliche Paare in den Reihen, ergänzt seine Frau.

Die beiden Mittvierziger sind erst seit zwei Jahren dabei und fühlen sich in der Anlage wohl – so wie auch die anderen 61 Pächter, die vor allem aus Herringen, aber auch aus dem Kreis Unna kommen. Die einen sehen in ihren 320 beziehungsweise 380 Quadratmeter großen Gärten einen grünen Ruhepol am Rand einer Großstadt, die anderen eine botanische Herausforderung – oder eben beides. Insbesondere die Corona-Pandemie habe den Kleingärten in Hamm einen Boom beschert, wie Benjamin Bothe aus den Gesprächen mit anderen Vorständen weiß – vor allem bei Menschen, die keinen eigenen Garten und wenn überhaupt nur einen kleinen Balkon haben. Die Sehnsucht nach einem Rückzugsort im Grünen sei groß.

Freizeit im Kleingarten: „Wir sind offener geworden“

So wie auch bei Tobias und Alina Scheffler, die ganz in der Nähe der Anlage wohnen. Beide sind Anfang 30 und seit gut einem Jahr stolze Pächter einer Parzelle. Da ihr Vorgänger am Ende ein ziemliches Chaos hinterlassen hat, sind sie noch immer damit beschäftigt, den Garten auf Vordermann zu bringen. „Aber es wird“, sagen die beiden, die einen Großteil ihrer Freizeit in der Anlage verbringen und dies auch nicht missen möchten.

Das trifft auch auf Kassiererin Elke Liesegang zu, die auf einem Bauernhof an der Holzstraße lebt und die dort einen kleinen Garten anlegen könnte. Doch das möchte sie gar nicht. Sie schätzt vor allem die Gemeinschaft in der Herringer Anlage, in der sie seit sieben Jahren eine Parzelle angemietet hat. „Und wir haben Spaß am Gärtnern“, so Liesegang, die schon 1977, gerade einmal 18 Jahre jung, im Kleingartenverein „Killwinkel“ in Heessen die Liebe zu ihrem Hobby entdeckt hatte. Und sie kann bestätigen, dass sich das Bild der Kleingärten gewandelt hat. „Wir sind offener geworden.“ Auch die Regeln seien nicht mehr ganz so streng wie früher.

Freizeit im Kleingarten: Für Pools und Trampoline gibt es Vorgaben

Ganz ohne geht es aber nicht. So muss mindestens ein Drittel der Fläche bewirtschaftet werden, müssen mindestens fünf kleine Obstbäume im Garten stehen. Die Hecken zum Nachbarn und zu den öffentlichen Wegen dürfen nicht zu hoch sein. „Wir sind eine öffentliche Anlage. Daher müssen die Gärten einsehbar sein.“ Immer öfter sieht man im „Heideblick“ Pools und Trampoline. Auch sie sind ein Zeichen dafür, was die Menschen in Herringen brauchen: Rückzugsorte im Grünen und einen sommerlichen Badespaß. Die Pools dürften allerdings maximal einen Durchmesser von 3,05 Metern haben, so Liesegang. Und Pools und große Trampoline nebeneinander gingen nicht. „Denn dann bleibt ja kein Platz mehr für Obst- und Gemüsebeete.“ Die Pächter könnten aber ihre Pools im Sommer aufstellen und dann im Herbst gegen ein Trampolin eintauschen, so Schriftführerin Claudia Bothe.

Doch auch die Regeln und die wie überall geltenden Ruhezeiten, die nun einmal sein müssen, schrecken die Menschen nicht ab. Wie Benjamin Bothe sagt, sind aktuell alle 62 Gärten vergeben. „Und wir haben eine Warteliste mit rund 30 Namen.“ Auch das sei eine Folge von Corona. Während des Lockdowns seien viele Menschen auf die eigenen vier Wände angewiesen gewesen, so das Ehepaar Bothe, das selbst an der Schachtstraße wohnt. „Auch wir haben dort keinen eigenen Garten. Wir sind daher froh, dass wir uns 2019 dazu entschieden haben, eine Parzelle anzumieten.“

Er darf nicht fehlen: der Gartenzwerg.

Mindestens 15 Stunden in der Woche, so schätzen sie, werden benötigt, um die Gärten in Schuss zu halten. „Es ist ein zeitintensives Hobby.“ Zudem müsse jeder Pächter seine Pflichtstunden ableisten, beispielsweise bei der Pflege der öffentlichen Wege und des Kinderspielplatzes. Das sage man potenziellen Pächtern auch immer wieder. Man habe auch schon welche abgelehnt. „Wichtig ist für uns, dass sie dahinter stehen und sich in die Gemeinschaft einbringen.“ Nach der Arbeit könne man dann im Garten chillen, sich ausruhen und grillen. „Oder mit dem Nachbarn dummes Zeug reden und ein Likörchen trinken“, schätzt auch Benjamin Bothe das Gemeinschaftsgefühl in der Anlage, in der, wie Liesegang ergänzt, kein Rassismus geduldet wird und in der es auch noch einige Pächter der ersten Stunde der vor 46 Jahren gegründeten Anlage gibt. Alle seien per du.

Freizeit im Kleingarten: Noch nicht so viele Kinderstimmen

Doch trotz des Image-Wandels: Es kommt vor, dass Gärten aufgegeben werden – aus Krankheitsgründen, weil die Leute weggezogen sind oder sie „die Arbeit unterschätzt haben“. Einen langen Leerstand gebe es aufgrund der Nachfrage aktuell aber nicht, so Claudia Bothe, die sich freuen würde, bald noch mehr Kinderstimmen in der Anlage zu hören. Denn ihre Zahl sei noch überschaubar.

Was sie und ihre Mitstreiter aber besonders freut: Direkt am Naherholungsgebiet Sundern gelegen, ist die Kleingartenanlage „Zum Heideblick“ eine beliebter Ausflugsort. Immer wieder gingen Menschen durch die Anlage, um einen Blick in die Gärten zu werfen oder die eine oder andere Anregung für den eigenen Garten zu bekommen – und wenn es nur der Gartenzwerg ist.

Freizeit in Herringen: Lippepark und vieles mehr

Freizeitangebote in Herringen gibt es auch jenseits der Kleingärten - das zeigt die folgende Bestandsaufnahme.

Naherholung: Hier ist Herringen besonders gut aufgestellt. Ob Lippepark, Sundern, die Wege an Kanal und Lippe, die Bergehalden, das Naturschutzgebiet „Am Tibaum“ oder die Sandbochumer Heide: Möglichkeiten zum Radfahren, Joggen und Spazierengehen gibt es reichlich. Wenn es etwas zu kritisieren gibt, dann ist es die immer wieder vorkommende Verunreinigung einiger Bereiche durch Müll und Hundekot.

Gastronomie: Verschiedene Umfragen haben gezeigt, dass Herringen hier einen Nachholbedarf hat. Abends ausgehen und essen ist in Herringen schwierig. Zwar gibt es einige Dönerbuden und Pizzerien. Aber richtige Restaurants gibt es nur zwei: „Plaka“ und das „Gate to Asia“ in Sandbochum. Zwar bieten auch „Pinter’s Pinte“ und das „Haus Liedtke“ Speisen an, sie sehen sich aber mehr als Gaststätten. Was vielen Herringern ebenfalls fehlt, ist ein richtiges Café, wo man auch draußen sitzen kann. Viele setzen daher auf das CreativRevier Heinrich Robert, wo genau solche Möglichkeiten geschaffen werden sollen. Allerdings hat die Pandemie mögliche Ansiedlungen vorerst ausgebremst.

Sport und Spiel: Mit dem Hallenbad „Lagune“, dem Selbachpark im Nachbarbezirk Pelkum, dem Barfußpfad auf der „Kissinger Höhe“ sowie dem Mountainbikeparcours und der Fun-Sport-Anlage im Lippepark ist Herringen gut aufgestellt. Anders sieht dies bei Spielplätzen aus: Der Masterplan Freiraum weist für Herringen und Hamm-Mitte eine „starke Unterversorgung“ auf.

Veranstaltungen: Die Schützenfeste, das Lippeparkfest und das „Fest der Kulturen“ gehören zu den größten Veranstaltungen im Stadtbezirk – wenn nicht gerade Corona ist. Auch beliebt sind die Theaterabende des Theatervereins „Edelweiß“ im Bauhof. Und die Menschen können sich freuen: Mit dem „momentum“ der Gemeinde St. Peter und Paul, dem renovierten Gemeindehaus St. Victor und dem CreativRevier kommen drei Orte für – kulturelle – Veranstaltungen – hinzu. Vor allem auf Heinrich Robert soll es sie künftig regelmäßig geben.

Vereine: Sinkende Mitgliederzahlen sowie die fehlende Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, haben die Vereinslandschaft ausgedünnt. Gefragt sind weiterhin Schützen- und Sportvereine, die großen Sozialverbände und einige kirchliche Gruppen.

Sagen Sie uns hier Ihre Meinung:

Bitte schreiben Sie maximal 3 Sätze pro Frage. (Mindestens 50 Zeichen.)

Mit Ausfüllen und Abschicken dieses Formulars erkläre ich mich einverstanden, dass ich mit meinem Statement im Westfälischen Anzeiger namentlich genannt werde.

Das Thema kommentieren können Sie außer über das Formular auch unter dem passenden Post auf der WA-Facebookseite und per Mail an herringen@wa.de.

Mehr zum Thema lesen Sie in der Print-Ausgabe des Westfälischen Anzeigers vom 22. Juni. Der nächste Schwerpunkt unserer Serie „Was braucht Herringen?“ erscheint am 6. Juli im Print und Online. Dann geht es um das Thema Gesundheit.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare