Das Handwerk sucht händeringend Azubis

In Aktion an der Maschine: Inhaber und Betriebsleiter Konstantin Isaak schaut bei den Azubis Nicolas Lorenz (links) und Felix Bert genau hin.
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In Aktion an der Maschine: Inhaber und Betriebsleiter Konstantin Isaak schaut bei den Azubis Nicolas Lorenz (links) und Felix Bert genau hin.

Die Corona-Krise hat auch den Ausbildungsmarkt im Handwerk fest im Griff. Trotz gefüllter Auftragsbücher sind viele Lehrstellen noch unbesetzt. „Große Teile der Schulabgänger haben den Weg in die Duale Ausbildung noch nicht gefunden“, resümierte Detlef Schönberger, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe jetzt bei der Vorstellung der Zahlen zur Ausbildung im Handwerk.

Hamm – Die Handwerksbetriebe in Hamm müssen einen Rückgang von 19 Prozent bei den Neuverträgen verkraften. Diese Zahlen stellten Schönberger und Thomas Helm, Geschäftsführer der Arbeitsagentur Hamm, in der Schreinerei Isaak-Einrichtungen vor. Ausbildungen zum Kfz-Mechatroniker, zum Elektroniker und zum Tischler wurden nur wenig nachgefragt; Zimmerer, Fliesenleger und auch Friseure konnten jedoch Erfolge bei der jungen Generation verbuchen.

Noch vor einem Jahr sah die Lage ganz anders aus: Die Zahl der Neuverträge wuchs damals um 7,7 Prozent auf 291 Ausbildungsverträge. Aktuell konnten 236 Verträge geschlossen werden.

Angesichts der unsicheren Situation haben sich viele Jugendliche augenscheinlich für ein Berufskolleg – manchmal auch als Notlösung – entschieden. Beratungen, Praktika und Ausbildungsbörsen konnten während der Pandemie nicht stattfinden: Für die Arbeitsmarktexperten bei der Handwerkskammer und der Arbeitsagentur sind das auch Gründe, warum so viele junge Menschen noch keine Ausbildungsstelle angetreten haben. „Uns ist es nicht gelungen, junge Menschen für eine Ausbildung zu begeistern“, merkte Helm selbstkritisch an. Es müsse besser gelingen, Betriebe und junge Menschen zusammenzuführen. Dazu sollen Beratungsangebote intensiviert werden.

Dabei habe nach Angaben der Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe kaum eine andere Branche in dem Corona-Jahr ein derart hohes Maß an wirtschaftlicher Stabilität gezeigt wie das Handwerk. Schönberger: „Die Unternehmen suchen weiterhin mit Nachdruck engagierte Fachkräfte und stellen trotz Corona nahezu ungebremst Ausbildungsstellen zur Verfügung.“

Das gelte sogar für das Friseur-Handwerk, obwohl die Salons im Frühjahr sechs Wochen lang schließen mussten. Nun müsse alles versucht werden, um junge Menschen für das Handwerk zu begeistern. Die aktive Nachfrage von Schulabgängern, deren Eltern und Familien sei im Sommer vielfach zum Erliegen gekommen. Schönbeger: „Es macht den Eindruck, dass viele Jugendliche quasi in eine Corona-Starre verfallen sind“.

An offenen Ausbildungsstellen mangelt es nicht. Auf die Notlösung eines schulischen Bildungsgangs könne nach Ansicht der Kreishandwerkerschaft somit auch in Corona-Zeiten verzichtet werden. „Und der Karriereweg ist ebenfalls ganz sicher: Ausbildung, Gesellenprüfung, Fortbildung, Meisterprüfung und man befindet sich auf dem gleichen Qualitätsniveau wie ein Hochschulabsolvent“, so der Hauptgeschäftsführer.

Allein im Ausbildungsportal der Keishandwerkerschaft www.kh-hl.de/ausbildungsboerse) sind derzeit 108 freie Praktikums- und Ausbildungsstellen in den Kreisen Soest und Unna sowie in Hamm direkt zu vergeben.

Information und Vermittlung über den Ausbildungscoach der Kreishandwerkerschaft, Dieter Stemann, Telefon 0173/5284 269, E-Mail stemann@kh-hl.de.

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