Das Gesicht einer Insel: Armin Corbe ist „Mister Wangerooge“

Armin Corbe hat auf Wangerooge viele Hammer betreut.
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Armin Corbe hat auf Wangerooge viele Hammer betreut.

Man sagt, bei den Deutschen habe jeder eine heimliche Liebe an der See – eine bestimmte Ferieninsel, auf die er immer wieder zurückkehre. Für viele Hammer ist das die Nordseeinsel Wangerooge, die östlichste der sieben bewohnten Ostfriesischen Inseln.

Hamm/Wangerooge – Ausgangspunkt dieser maritimen Leidenschaft vieler Hammer ist oft das Schullandheim Haus am Meer, das heute vor allem von Schülern des Märkischen und des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums angesteuert wird. Aber auch einige andere Schulen sind mittlerweile mit im Boot, um eine ökonomische Auslastung der Einrichtung zu gewährleisten. Dennoch bleibt viel Raum für Hochzeiten, Schulabschluss-Jubiläen und die zahlreichen Familien- und Ferienfreizeiten und die gefragten Ehemaligen-Törns.

Unabhängig von Berufsstand und Alter stürzt man sich für wenige Tage in Mehrbettzimmer und Gemeinschaftsduschen und begibt sich auf Muschelsuche. Versackte man früher mit und bei Petrus, dem inzwischen betagten Falkner und Wirt des Lokals „Harle Hörn”, so landet man heute im Café Treibsand, wo man auch gleich die Fußballübertragung mitnimmt.

Mitten drin ist bis heute oft Armin Corbe – aufgewachsen in dem idyllischen und nahe Aachen gelegenen Eifelörtchen Paustenbach, wo die Tante eine Gastwirtschaft betrieb, verschlug es ihn als Religionspädagogen ans Freiherr-vom-Stein. Und dort schickte man ihn 1984 erstmals auf das Eiland im Wattenmeer.

Söhnchen Marian war damals gerade ein halbes Jahr alt, Ehefrau Ulla ein wenig skeptisch und Corbe alles andere als begeistert vom schulischen Exil: „Bis heute bin ich wahrlich kein Sonnenkönig. Gott, was hab’ ich den Sand gehasst”, erinnert sich Corbe und lacht herzlich, wenn er bedenkt, welche Folgen der Ausflug zeitigte. In Spitzenzeiten ging es für den Pädagogen rund vier Mal im Jahr auf die Insel. Die dort bei einem kühlen Jever ausgetragenen Doppelkopf-Turniere unter Corbes Regie sind ebenso Legende wie die von ihm angezettelten Boßelturniere, die die Teilnehmer auch bei Wind und Wetter über die Insel treiben.

Das ist doch herrlich auf diesen Wangerooge-Fahrten: Da packen Erwachsene abends jede Menge Gesellschaftsspiele aus, bauen gigantische Jenga-Türme, spielen einfach und haben Spaß. Wo gibt es das sonst?

Armin Corbe, „Mr. Wangerooge“

Spätestens auf den Fahrten nach Ende der Schulzeit wird aus „Herrn Corbe” „der Armin”. Und der begegnet den Menschen gern auf Augenhöhe – das prägt nicht zuletzt auch sein starkes Engagement für soziale Belange und im Pastoralverbund Hamm-Osten-Mitte. Ihn interessiert nicht nur, was aus seinen Schülern wird, sondern grundsätzlich erst einmal jeder Mensch mit allem, was er mitbringt – und natürlich, ob er ein potenzieller Doko-Sparringspartner sein könnte. „Das ist doch herrlich auf diesen Wangerooge-Fahrten: Da packen Erwachsene abends jede Menge Gesellschaftsspiele aus, bauen gigantische Jenga-Türme, spielen einfach und haben Spaß. Wo gibt es das sonst?”, fragt Corbe, wohlwissend, dass die Atmosphäre einzigartig ist.

Wangerooge-Gesicht Armin Corbe: Bis zu vier Törns pro Jahr

Die Besetzungen der Törns können wechseln, die Chemie stimmt. „Wobei, da gibt es so einen Tisch 1 beim Januar-Törn. Nun ja – da sitzen doch immer die üblichen Verdächtigen”, schmunzelt Corbe über die Besetzung der Pole-Position, von der aus unter anderem die Stereo-Anlage des Gemeinschaftsraumes bedient wird. „Und die langen Korridore des Schullandheims – das sind gerade für die Jüngsten einfach großartige Rennbahnen”, schwärmt Corbe, und strahlt.

Wenn man bedenkt, dass es die meisten Schüler unter günstigen Bedingungen auf maximal drei W’ooge-Törns während ihrer gesamten Schullaufbahn bringen, legt Armin Corbe mit bis zu vier Törns pro Jahr eine beeindruckende Schlagzahl vor.

Manchmal stürmisch, aber immer sehr beliebt: Wangerooge wird von vielen Hammern regelmäßig angesteuert.

Wangerooge-Gesicht Armin Corbe: Zum Kennenlernen der Beste

Das änderte sich auch nicht, als Corbe vor zehn Jahren den Lehrer-Job an den Nagel hängte: Gesicht der Insel und Herz und Seele der Törns ist er für viele geblieben. Der Karnevals-Törn, Familien-Freizeiten und natürlich der Hammer Törn am letzten Januar-Wochenende sind Fahrten, die er weiterhin begleitet. Allerdings hat er im Laufe der Zeit seine Nachfolge geregelt und Verantwortung an die nachrückenden Generationen übergeben. Zu den jüngeren Organisatoren zählt unter anderem Simone Reinermann, einst selbst Schülerin bei Corbe und heute Lehrerin am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium.

Einen seiner letzten Törns auf die Insel hat Corbe auf Wunsch der Handwerkerschützen Norddinker im Februar 2020 selbst organisiert. Wer die Insel kennenlernen möchte, kann keinen Besseren finden: Bis in die alten Bunker-Anlagen hinein ist Corbe den Geheimnissen der Insel stets auf der Spur, hat in seiner geselligen und fröhlichen Art viele Kontakte geknüpft, die auch seinen Mitreisenden dienlich sind.

Wangerooge-Gesicht Armin Corbe: Und jetzt die Angst vor Corona

Seit dem ersten Lockdown hat er keine W’ooge-Fähre mehr bestiegen. Die Angst auf den Inseln ist groß, da die notwendige medizinische Versorgung im Falle eines Corona-Ausbruchs nur auf dem Festland gewährleistet werden kann. Die jüngsten Eindrücke von der Insel haben Armin Corbe mit Sorge erfüllt: Die Abbruchkanten sind massiv und das Meer versucht, sich die Insel zurückzuholen. Beeindruckende Bauunternehmungen sind erforderlich geworden, um der Bedrohung beizukommen.

„Ob der Strand am Haus am Meer demnächst noch der sein wird, den wir kennen und lieben, bleibt abzuwarten”, sagt Corbe, während er nachdenklich auf die Videos starrt, die er bei seinem letzten Besuch auf der Insel gedreht hat. Nicht mehr lange und er kann sein 40-jähriges W’ooge-Jubiläum feiern. Und die Erfahrung lehrt ihn, dass die Insel schon manche Sturmflut und manches Unwetter überstanden hat. Im Zweifel hat es Corbe aus der ersten Reihe erlebt: Als Törn-Verantwortlicher, der mit seiner Mannschaft auf besseres Wetter warten musste, während die Vorräte im Haus am Meer schwanden und vom Festland vorerst kein Nachschub mehr zu erwarten war. Noch im Januar 2019 zwang ihn die Natur zu einigen Tagen Zusatz-Urlaub im Haus am Meer.

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