Lage in Kliniken und Weg zur Immunität

Das Ende von Corona in Hamm - Chefarzt Dr. Böcker im Gespräch

Dr. Dirk Böcker, Chefarzt und Ärztlicher Direktor  am Marienhospital Hamm
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„Jeder, der sich aus dieser Gruppe für Astrazeneca entscheidet, ermöglicht es jüngeren Menschen, schneller mit Biontech geimpft zu werden“, sagt Prof. Dr. Dirk Böcker.

Ein Arzt macht Hoffnung: Auch wenn die Infektionszahlen in Hamm derzeit extrem hoch sind und die hiesigen Krankenhäuser die höchste Belastung erst für Mai erwarten, droht der Stadt nicht der ewige Stillstand.

Hamm - Im Gespräch mit dem WA erklärt Prof. Dr. Dirk Böcker, Chefarzt der Klinik für Kardiologie und Ärztlicher Direktor am St.-Marien-Hospital, unter anderem wie und wann die Pandemie enden aus seiner Sicht wird. (News zum Coronavirus in Hamm)

Das Ende von Corona in Hamm: Appell für Astrazeneca

Zunächst appelliert der Mediziner jedoch dringend an alle über 60-Jährigen, sich für eine Impfung mit Astrazeneca zu entscheiden. „Wer älter als 60 Jahre ist, geht keinerlei Risiko ein. Jeder, der sich aus dieser Gruppe für Astrazeneca entscheidet, ermöglicht es jüngeren Menschen, schneller mit Biontech geimpft zu werden“, so Böcker. So gesehen habe es jeder über 60-Jährige in der Hand, zum Impffortschritt in Hamm beizutragen und die von allen ersehnten Lockerungen der Corona-Auflagen möglich werden zu lassen.

Das Ende von Corona in Hamm: Belastung der Kliniken

Der Anteil an Corona-Infizierten, die im Krankenhaus behandelt werden müssen, sinkt derzeit leicht. Am Donnerstag waren es 44 Personen aus Hamm, die stationär behandelt wurden. Bei 1075 Infizierten entsprach das einer Quote von unter 5 Prozent. Allerdings wird nicht die Quote, sondern die absolute Zahl der Patienten insbesondere auf den Intensivstationen (elf) in den nächsten Wochen entscheidend sein. Wie Böcker erklärte, rechnen die Hammer Krankenhäuser im Mai mit dem Höhepunkt der Belegungszahlen.

Laut Divi-Intensivregister waren am Donnerstag 9 der aktuell 69 Intensivbetten in Hamm frei; 17,39 Prozent der Patienten dort waren mit Corona infiziert, was zunächst einmal keine dramatischen Werte sind. „Aber die Reserve ist nicht so groß wie man denkt“, sagt Böcker. Wenn ein bestimmter Patientenanteil mit Covid-Patienten überschritten werde, würden alle übrigen Intensivbetten in einem Haus nicht mehr mit Patienten ohne Corona belegt werden können. Das liege beispielsweise an den verbauten Lüftungsanlagen, also Faktoren, die sich kurzfristig nicht ändern ließen. In der Folge müssten dann Covid-Patienten an andere Häuser auch außerhalb Hamms verteilt werden. Eine solche Situation habe es hier bislang aber nicht gegeben.

Das Ende von Corona in Hamm: Inzidenzwerte?

Besser als Steuerungsgrößen wären aus Böckers Sicht „wahrscheinlich“ Inzidenzwerte der Altersgruppe 40 bis 60 oder 50 bis 60, denn diese Altersgruppe habe noch ein relevantes Risiko. Durch den Impffortschritt in den hohen Alterskassen sei bei diesen Menschen das Risiko schwerer Verläufe stark zurückgegangen. Es gelte der Grundsatz: Je jünger der Covid-Patient, desto geringer das Risiko.

Wenn sich nun aber Hunderte von über 40-Jährigen infizierten, werde es auch in dieser Gruppe nach dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit den einen oder anderen schweren Verlauf geben. Diese Patienten liegen dann deutlich länger auf einer Intensivstation als ein über 80-jähriger Pflegeheimbewohner. Die Infektionswelle sollte also in Hamm nicht zu lange anhalten. Schwere Verläufe stellten sich zudem erst mit dreiwöchiger Verzögerung ein.

Das Ende von Corona in Hamm: So lange dürfte es noch dauern

Ende des Jahres, vielleicht noch den kommenden Winter über, werde Corona noch eine tragende Rolle spielen. Im kommenden Jahr werde durch die Zahl der Geimpften und Genesenen eine Grundimmunität festzustellen sein. Diese werde sich in darauf folgenden Jahren weiter verfestigen. Der größte Teil der Menschen werde teilimmun sein. Böcker weiter: „Coronaviren mutieren nicht wirklich schnell.“

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