Daniel Dickmeis komponiert in Berlin Filmmusik

HAMM ▪ Er hat Klavier gespielt, später den Bass für sich entdeckt und dann doch Schlagzeug und Perkussion studiert. Als musikalisches Allround-Talent hat sich Daniel Dickmeis nicht auf ein Instrument festgelegt: Der ehemalige Musikschüler, der 1976 im Hammer Osten geboren wurde, ist heute als Komponist tätig – bevorzugt für Filme, Hörspiele und Bühnenstücke. Von Gisbert Sander.

Ganz klassisch hat Dickmeis seinen musikalischen Weg begonnen – mit sechs Jahren in der Musikalischen Früherziehung bei Christa Fuchs. „Nach den Stunden habe ich immer wieder mal auf dem Klavier geklimpert“, erinnert er sich. Da war es nur konsequent, dass sich Klavierunterricht anschloss – zunächst bei Christa Fuchs, später bei Alice Petermann. „Ich war schrecklich faul“, gesteht er heute, obwohl er den Unterricht bis zum 16. Lebensjahr „durchgehalten“ hat.

Damals seien die Haare des Hammonense-Schülers, der dort 1994 sein Abitur absolviert hat, ziemlich lang und die Lust aufs Klavier ziemlich klein gewesen. Das Schlagzeug, das sich Daniel Dickmeis' Bruder zu dem Zeitpunkt geliehen hatte, fand er schon viel „cooler“.

„Mit dem E-Bass habe ich schnell herausgefunden, dass man Musik nicht nur nachspielen, sondern sich auch selbst ausdenken kann“, erinnert sich der heute 34-Jährige. Dank einer „Partylaune“ kam es, dass er als Bassist der Band „The Flower Years“ engagiert wurde, aus denen sich später „The Polychrome Dogs“ entwickelten. Hier war er nicht nur für die tiefen Frequenzen zuständig, sondern schrieb auch auch den vielen Stücken mit. Den Bass spielte er übrigens von 1995 bis 2001 auch in der Band „Acoustic Connection“.

In der Musikschule legte Daniel Dickmeis mittlerweile weniger Elan in den Klavier- als in den Schlagzeugunterricht, in den er 1991 durch Zufall rutschte: Weil sein älterer Bruder einen zugesagten Unterrichtsplatz wegen Abitur-Stress' nicht wahrnehmen konnte, sprang Daniel Dickmeis ein. Ein Glücksfall: „Hätte ich hier nicht Andreas Seemer-Koeper als Lehrer gehabt, wäre ich nicht Musiker geworden.“

Hier habe er begonnen zu begreifen, wie Musik entsteht, welche „Zutaten“ dazugehören, wie spannend und umfassend die Beschäftigung mit ihr sein kann. „Und dass es schwierig es ist, als Musiker seinen Lebensunterhalt zu erwirtschaften“, ergänzt er.

Ab 1996 studierte Daniel Dickmeis an der Musikhochschule Dortmund nicht E-Bass, sondern – wegen der größeren Möglichkeiten –  Schlagwerk und Pauke. Letztere hatte er bereits 1995 bei der Konzertarbeitswoche der Musikschule im österreichischen Aigen kennengelernt – ohne jemals zuvor die Pauke gespielt zu haben.

Und dann sei ausgerechnet Beethovens Violinkonzert gespielt worden, das mit einem Paukensolo beginnt; das Orchester setzt erst mit dem fünften Paukenschlag ein. „Wenn ich das jetzt verdaddel, ist der ganze erste Satz dahin“, erinnert sich Daniel Dickmeis nachhaltig an das Lampenfieber beim Abschlusskonzert – dem stärksten Lampenfieber, das er je gehabt habe. Übrigens hat er‘s nicht „verdaddelt“.

Genau so wenig wie das Studium, das er 2003 mit dem Diplom abschloss. Da hatte er schon die erste Filmmusik komponiert: 1998 für „Timpe Te“, ein 15-minütiges mythisches Märchen mit mechanisch gesteuerten, lebensgroßen Puppen in surrealen Kulissen.

Von 2003 bis 2005 lebte er in Bremerhaven wegen eines Praktikums als Schlagzeuger im dortigen Stadttheater. Anschließend folgte die Entscheidung, nur noch Filmmusik zu komponieren und nach Berlin zu ziehen. Hier schloss er 2009 das Studium der Filmmusik-Komposition an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam-Babelsberg ebenfalls mit dem Diplom ab. Seitdem lebt er als freischaffender Komponist in Berlin.

Die Hauptstadt bietet Daniel Dickmeis genügend „Anlaufstellen“ und Kontakte. Außerdem sei dies die „spannendste“ Stadt in Deutschland: „Hier kann man Ausprobieren, Suchen, Abwegiges testen. Für alles finden sich Möglichkeiten und Menschen, mit denen man diese Ideen umsetzen kann.“

Jüngst hat Daniel Dickmeis ein Stipendium vom Kulturministerium Brandenburg erhalten, das ihn in die Lage versetzte, bis Ende 2010 ein dreisätziges Stück für großes Blechbläserensemble zu komponieren. Eine freie Komposition neben den Auftragsarbeiten für Filme gibt ihm zudem die Möglichkeit, einen eigenen künstlerischen Rahmen aufzuspannen, in dem die Musik in den Mittelpunkt rückt. Aktuelle Filmprojekte sind sind „Giftchen“, ein abendfüllender halbdokumentarischer Film über Alkohol, und „Visitors“, ein Animationskurzfilm.

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