Corona-Team

Stadtmitarbeiter an Belastungsgrenze: Viele Konflikte und schwierige Fragen an Corona-Hotline

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Etliche Mitarbeiter des Bürgeramts, die Kontakt mit teils schwierigen Kunden gewohnt sind, waren zeitweise Teil des Corona-Teams.

Hamm - Die Mitarbeiter der Stadtverwaltung stehen seit Monaten besonders unter Druck. Sie müssen auf lokaler Ebene die Corona-Pandemie managen.

Seit März arbeiten viele Mitarbeiter der Stadtverwaltung wegen der Auswirkungen des Coronavirus an der Belastungsgrenze. Das schlage sich noch nicht in einem erhöhten Krankenstand nieder, betont Personalchef Bernd Maßmann. Die Herausforderungen seien allerdings immens.

Aufgefangen wurde die Arbeitslast nicht nur von Mitarbeitern des Gesundheitsamts, sondern auch von Kräften anderer Abteilungen. Bis zu 250 Stadtmitarbeiter waren zeitweise Teil des Corona-Teams – also etwa 10 Prozent aller Stadtmitarbeiter. Mittlerweile sei es aber immer schwieriger, Beschäftigte aus anderen Ämtern abzuziehen, weil alle nach dem Ende des Lockdowns der Verwaltung wieder ihren eigentlichen Aufgaben nachgehen müssen.

Stadt stellt Teilzeitkräfte und Ärzte ein

Deshalb stellt die Stadt aktuell 12 bis 15 Teilzeitkräfte ein, die für Entlastung sorgen sollen. Darüber hinaus wurden beim Robert-Koch-Institut (RKI) elf sogenannte Containment-Scouts für Hygienekontrollen akquiriert. Im Laufe der Pandemie wurden auch zwei Ärzte neu für das Gesundheitsamt eingesetzt. „Mehr sind derzeit leider nicht zu bekommen“, erklärt Maßmann.

„Wir suchen weiter medizinische Fachangestellte. Bei einigen Aufgaben ist so viel Spezialistenwissen nötig, die kann kein Verwaltungsbeamter machen. Unsere geschulten Mitarbeiter haben deshalb in der Vergangenheit auch mal ganze Wochenenden durchgearbeitet.“

Quarantäne: Konfliktreiche Gespräche

Auch abseits medizinischer Fachfragen sei nicht jeder Mitarbeiter für jede Aufgabe geeignet, erklärt Maßmann. Zur Hochzeit des Lockdowns sei praktisch täglich ein neuer Erlass mit Corona-Regeln verabschiedet worden. Und der musste in kürzester Zeit umgesetzt und kommuniziert werden. „An der Hotline wollen wir ja auch richtig über die schwierigen Sachverhalte informieren. Da gab es sehr viele Detailfragen. Und wenn man bedenkt, dass es bei diesem Virus auch um Leben und Tod gehen kann, ist da ein gewisser Druck“, so Maßmann.

Und: Oftmals seien die Gespräche – insbesondere mit Bürgern, die unter Quarantäne zu stellen sind – konfliktreich. „Wie sich jeder vorstellen kann, hört man nicht gerne, dass man zuhause bleiben muss, obwohl man andere Pläne hat.“

Empfehlung des RKI schlicht nicht umsetzbar

Was die Arbeit zuletzt erleichtert hat: Mittlerweile können die hinzugezogenen Mitarbeiter vom eigenen Arbeitsplatz oder dem Homeoffice aus das Corona-Team unterstützten und müssen nicht ins Gesundheitsamt wechseln. „Das ist flexibler und für alle akzeptabler.“

Für illusorisch hält Maßmann unterdessen die Richtlinie des RKI, fünf Verwaltungsmitarbeiter für je 20.000 Einwohner bei der Corona-Rückverfolgung einzusetzen. „Wir müssten dann 45 Leute einstellen. Wenn die Infektionszahlen wieder rückläufig sind, säßen die nur herum. Das wäre auch wirtschaftlich gar nicht machbar.“

Fragen von Institutionen, Krankenhäusern oder Ärzten beantworten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitsamtes unter Tel. 02381 17-6444 (Montag bis Freitag 8 bis 17 Uhr).

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