Monatsbericht

Weniger Arbeitslose und Kurzarbeit im Oktober - kommender Lockdown kein Riesenproblem?

Die Agentur für Arbeit hat die monatlichen Arbeitslosenzahlen für Hamm bekannt gegeben.
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Die Agentur für Arbeit hat die monatlichen Arbeitslosenzahlen für Hamm bekannt gegeben.

Die Herbstbelebung auf dem Arbeitsmarkt in der Stadt Hamm hielt trotz der Herbstferien und der wieder steigenden Corona-Zahlen an. Wie sich der neue Lockdown auswirken wird, ist allerdings noch vollkommen unklar.

Hamm - Im Oktober gab es, teilweise auch begünstigt durch die sehr milde Witterung, eine noch bessere Entwicklung als im Vormonat. Das teilt die Bundesagentur für Arbeit mit. Die Zahl der Arbeitslosen sank um 272 oder 3,0 Prozent auf 8.807. Die Arbeitslosenquote sank damit um 0,3 Punkte auf 9,4 Prozent. Vor einem Jahr waren es allerdings nur 7,5 Prozent und 1.739 Arbeitslose weniger. 

„Man mag es kaum glauben, aber die Zahl der Arbeitslosen in der Stadt Hamm ist im Oktober stärker gesunken als vor einem Jahr, und da hatten wir schon eine kräftige Herbstbelebung. Leider sind wir durch Corona auf einem anderen Level als damals. Im Vorjahresvergleich ist die aktuelle Arbeitslosigkeit ein Viertel höher“, so Thomas Keyen, operativer Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Hamm.

Torpediert der Lockdown den Positiv-Trend?

Dass der neue Lockdown den positiven Trend wieder torpedieren wird, glaubt Keyen nicht. „Es ist kein Lockdown wie im Frühjahr, sondern ein sozialer Lockdown. Natürlich wird das aber die Branchen treffen, die viel von Aktivitäten im Privatleben profitieren wie die Veranstalter und Gastronomen. Wir hoffen, dass sie von Kurzarbeit Gebrauch machen“, sagt der Agentur-Geschäftsführer.

Dass die Arbeitslos-Meldungen sprunghaft ansteigen, sei nicht zu erwarten, weil die Maßnahmen klar auf den Monat November begrenzt seien, schätzt Keyen ein. „Wir werden deshalb wohl nicht sofort sehen, dass sich das auswirkt. Entscheidend wird sein, ob der Lockdown noch einmal verlängert wird.“

Arbeitslosenversicherung und Grundsicherung entwickelten sich im Oktober parallel: 2.650 Arbeitslose waren bei der Arbeitsagentur gemeldet (94 oder 3,4 Prozent weniger als im Vormonat), und 6.157 wurden durch das Kommunale Jobcenter betreut (178 oder 2,8 Prozent weniger). Der Vorjahresvergleich zeigte größere Unterschiede: Bei der Arbeitsagentur waren 1.010 oder 61,6 Prozent mehr Erwerbslose als im Oktober letzten Jahres gemeldet, beim Jobcenter dagegen nur 729 oder 13,4 Prozent. In der Stadt Hamm gibt es aktuell insgesamt 1.739 Arbeitslose mehr als vor einem Jahr. 

Arbeitsausfälle weiten sich nicht mehr aus

“Es haben sich ähnlich viele Menschen aus einer Erwerbstätigkeit arbeitslos gemeldet wie im September, aber noch deutlich mehr konnten wieder eine Arbeit aufnehmen. Erfreulich ist besonders, dass fast alle Personengruppen profitieren. Glücklicherweise gehen die Zahlen jetzt auch bei den unter 25-Jährigen zurück“. Und mit Blick auf die Betriebe stellt Keyen fest: „Bei der Kurzarbeit sind wir weiter Monat für Monat mit der Abrechnung des historisch hohen Bestandes beschäftigt, um den Unternehmen das Kurzarbeitergeld auszuzahlen. Zum Glück weiten sich die Arbeitsausfälle nicht mehr aus.“ 

Im Oktober kamen in Hamm nur noch zwölf geprüfte Kurzarbeitsanzeigen der Unternehmen für 362 potentiell betroffene Arbeitnehmer hinzu. Seit dem Beginn der Pandemie haben damit insgesamt 1.517 Unternehmen aus fast allen Branchen Arbeitsausfälle für rund 19.300 potentiell betroffene Arbeitnehmer angezeigt, rund doppelt so viele wie während der Wirtschafts- und Finanzkrise im gesamten Jahr 2009. 

Tatsächliche Bedarfe werden langsam ersichtlich

Erst nach Ablauf von mehreren Monaten zeigt sich die tatsächliche Inanspruchnahme von Kurzarbeit, da die Betriebe innerhalb dieses Zeitraums Kurzarbeit nachträglich abrechnen. Für Mai liegen inzwischen Hochrechnungen für die Stadt Hamm vor. Danach wurde für den zweiten vollständigen Monat nach Beginn der Coronaphase Kurzarbeitergeld an 779 Betriebe für rund 8.200 Arbeitnehmer tatsächlich ausgezahlt, etwas weniger als im April, dem Monat mit der stärksten Kurzarbeit-Zuwachsrate.

Nach einer Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt meldeten sich im Oktober 474 Personen neu arbeitslos, vier mehr als im September, aber 98 (17,1 Prozent) weniger als vor zwölf Monaten. Gleichzeitig meldeten sich in der Stadt Hamm 511 Personen in Beschäftigung ab, 38 (8,0 Prozent) mehr als im Vormonat und 65 oder 14,6 Prozent mehr als vor genau einem Jahr. 

Kräftenachfrage leicht rückläufig

Die Kräftenachfrage ist aktuell leicht rückläufig. Die Unternehmen meldeten im Oktober 340 neue Stellen, 46 oder 11,9 Prozent weniger als im September, zugleich aber 59 Stellen oder 21,0 Prozent mehr als vor zwölf Monaten. Der Bestand an insgesamt gemeldeten Arbeitsstellen sank marginal um acht Stellen (0,4 Prozent) auf 1.811. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren dies 145 Stellen oder 7,4 Prozent weniger. 

Schwerpunkte beim Kräftebedarf lagen im Vormonatsvergleich insbesondere bei der Zeitarbeit (161 neue Stellen), beim Handel (45) und im Gesundheitswesen (41). Mit deutlichem Abstand folgen das Verarbeitende Gewerbe (13) und das Baugewerbe (10). Laut Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Hamm hält die branchenübergreifende Zunahme der Unternehmensnachfrage nach Qualifizierung der eigenen Mitarbeiter weiter an.

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