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Schnelltest-Wirrwarr: Hammer Testzentren setzen Betrieb aus

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Von: Gisbert Sander

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Abstrich bei Aktivita an der Hafenstraße.
Abstrich bei Aktivita an der Hafenstraße. Mit Aushängen sollen die Besucher über die neuen Regeln aufgeklärt werden. © Reiner Mroß

Große Verunsicherung, auch Verärgerung lösen die ab sofort verbindlich geltenden Regeln zu Corona-Tests in öffentlichen Testzentren auch in Hamm aus.

Hamm – Die Bürgertests sind nach der Verordnung von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach nicht mehr generell kostenfrei, zugleich gibt es eine Vielzahl von Ausnahmen, die von der 3-Euro-Zuzahlung ausgenommen sind. Und es gibt Bürger, die gar nicht mehr zu Tests zugelassen sind und gegebenenfalls die kompletten Kosten übernehmen müssten. Eine Vielzahl von Ausnahmen wurde in „vulnerablen Gruppen“ zusammengefasst.

Zu diesem Wirrwarr kommt ein erheblicher zusätzlicher bürokratischer Aufwand, denn die Betreiber der Testzentren müssen nicht nur das Geld kassieren – übrigens in bar – und gegebenfalls Quittungen ausstellen, sondern gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, mit der die Testungen abgerechnet werden, schriftlich nachweisen, warum jemand von der Zuzahlung befreit war.

Schnelltest-Wirrwarr in Hamm: verlässliche Vorgaben fehlen

Einige Betreiber von Hammer Testzentren haben als Konsequenz ihren Betrieb – zumindest vorerst – eingestellt. Dazu gehört Reinhard Kahlisch von der Maxi-Center-Apotheke: „Der Arbeitsaufwand ist deutlich höher. Das ist mit dem Personal, das wir haben, nicht zu stemmen.“

Auch an der Radbodstraße 4, bei der Akademie für Notfallmedizin, werden erst einmal keine Tests mehr durchgeführt. „Wir lassen den Betrieb ruhen, bis es verlässliche Vorgaben gibt“, sagt Nicole Duncan: „Es gibt so viele Ausnahmen, und wir möchten alles richtig machen.“ Sie erwartet verlässliche Angaben dazu, wie die Ausnahmen dokumentiert werden sollen.

Im Ärztezentrum Hamm-Norden soll es am Freitag, vielleicht sogar noch am Montag so weiterlaufen wie bisher. „Wir erhalten unsere Vorgaben von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL), und die hat noch keine Daten“, sagt Praxismanagerin Andrea Stratmann: „Wir stehen vor unvollendeten Tatsachen.“

Schnelltest-Wirrwarr in Hamm: Rätselraten bei Johannpeter

Die Sache mit den Ausnahmen beschäftigt auch Thomas und Marcel Johannpeter, die mehrere Testzentren in Hamm betreiben. „Diese Verordnung ist schon speziell“, sagt Thomas Johannpeter mit einer Portion Ironie. Nachdem Vater und Sohn viel Zeit darin investiert haben, sich das Thema zu erarbeiten, wollen sie ab Freitag an den Eingängen zu ihren Testzentren Plakate aufhängen, auf denen steht, wer bezahlen muss und wer nicht. Weil das vermutlich nicht ausreichen werde, sollen Mitarbeiter abgestellt werden, um den Kunden die Vorgaben zu erklären. „Wenn du nämlich nicht im Thema bist, verstehst du es gar nicht“, sagt Thomas Johannpeter.

Besonders unverständlich für ihn: „Über 60-Jährige gehören zur sogenannten vulnerablen Gruppe. Wenn also jemand beispielsweise mit einem über 60-Jährigen zusammenarbeitet, müsste er sich testen lassen dürfen. Nur: Wie will man das nachweisen?“ Auch die Nachweise gegenüber der KVWL dürften sich zu einem Bürokratie-Monster entwickeln, weil jeder Kunde ein Formular unterschreiben muss, aus welchem Grund er zum Test (mit Zuzahlung) zugelassen oder von der Zuzahlung befreit ist. „Aber wie verhält es sich da mit dem Datenschutz?“, fragt sich Johannpeter.

Schnelltest-Wirrwarr in Hamm: Mehraufwand im Krankenhaus

Deutlichen Mehraufwand bedeutet jetzt ein Krankenhausbesuch für die Bürger, denn als Zugangsvoraussetzung für Besucher gilt ein negativer Coronatest, der nicht älter als 24 Stunden ist. Der bleibt zwar kostenfrei – aber nur, wenn man sich zuerst im Krankenhaus eine entsprechende Bescheinigung abgeholt hat.

Wochen-Statistik der Schnelltests

Kurz bevor die neuen Regelungen rund um Schnelltests in NRW in Kraft getreten ist, haben noch einmal deutlich mehr Hammer von der Möglichkeit einer kostenlosen Testung Gebrauch gemacht.

14.341 Tests (ohne Freitestungen) wurden in der vergangenen Woche durchgeführt. Das waren 2091 mehr als in der Woche davor. 2349 der Tests hatten ein positives Ergebnis. Die Positivquote lag mit 16,38 Prozent noch einmal höher als in der Woche davor (13,98 Prozent).

Wie viele der positiven Ergebnisse auf fehlgeschlagene Freitestungen zurückgingen, ist laut städtischem Pressesprecher Lukas Huster nicht bekannt. Nach Einschätzung der Stadt kann das Virus bei Infizierten aktuell in vielen Fällen auch noch nach den eigentlich maximal zehn Tagen Quarantäne nachgewiesen werden.

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