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Und dann verlassen 18 Leute den Supermarkt ... Was in Hamm so erzählt wird

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Von: Svenja Jesse

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Angeblich wurde in Hamm eine Lautsprecher-Durchsage gemacht: Eine Person in Quarantäne befinde sich im Laden.
Angeblich wurde in Hamm eine Lautsprecher-Durchsage gemacht: Eine Person in Quarantäne befinde sich im Laden. © Henning Kaiser/dpa (Symbolbild)

In Hamm macht eine urbane Legende über angebliche Quarantäne-Verstöße die Runde. Es geht um einen Supermarkt. Oder um mehrere. Auf jeden Fall ist es rätselhaft.

Hamm – In Hamm kursiert eine kuriose Supermarkt-Geschichte: Dabei wird von einer Bekannten berichtet, die beim Einkaufen einen Nachbarn oder Bekannten gesehen haben soll, von dem sie genau weiß, dass er positiv und in Quarantäne ist. Die Frau soll zur Marktleitung gegangen und dort Bescheid gesagt haben. Daraufhin soll es eine Durchsage gegeben haben: Jemand im Laden sei positiv, namentlich bekannt. Die Person solle das Geschäft umgehend verlassen – woraufhin gleich 18 Leute gehen. So weit die Erzählung.

Diese Geschichte kursiert in verschiedenen Versionen. Mal seien 18 Leute gegangen, mal acht. Mal habe sich das Ganze im Rewe zugetragen, mal im Kaufland und mal bei Ikea. Eine Hammer Physiotherapeutin erzählte unserer Redaktion, sie habe die Geschichte bereits in mehreren Versionen erzählt bekommen. Doch ist sie passiert?

Darauf gibt es keine Hinweise. Stattdessen finden sich Medienberichte aus verschiedenen Städten – bei denen keine Beweise für einen solchen Vorfall gefunden werden konnten.

Sprecher von Rewe und Kaufland in Hamm äußern sich

Auf WA-Anfrage meldeten sowohl Rewe als auch Kaufland, dass es einen solchen Vorfall in keiner ihrer Filialen gegeben habe, weder in Hamm noch anderswo. „Der von Ihnen geschilderte Sachverhalt ist tatsächlich ein klassischer und verbreiteter Fake im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Immer mal wieder wird diese ,urbane Legende’ mit Rewe-Märkten in Zusammenhang gebracht. Unsere Recherchen in den angeblich betroffenen Märkten haben in keinem einzigen Fall die Behauptungen über einen solchen Vorfall bestätigt“, teilte eine Rewe-Sprecherin mit.

Vielmehr scheint diese urbane Legende ihren Ursprung in einem Video des Comedians Sebastian Puffpaff haben. Dieser schildert in der Folge seiner Satire-Show „Noch nicht Schicht“ vom 26. April eben diese Situation. Ob er dabei aber der Urheber der Geschichte ist oder sie auch einfach nur erzählt bekommen hat, ist unklar.

Das sind urbane Legenden (urban legends)

Urbane Legenden sind Geschichten, die als wahre Begebenheiten immer weiter erzählt werden – aber eben nicht stimmen. Dabei passiert einem Bekannten oder Verwandten von jemanden etwas. Den tatsächlichen Betroffenen kennt niemand direkt.

Eine der bekanntesten „Urban Legends“ ist die Spinne in der Yucca-Palme, die so geht: Eine Frau bekommt eine Yucca-Palme geschenkt. Beim Gießen hört sie ein Quietschen aus dem Blumentopf. Das kommt ihr unheimlich vor. Sie ruft die Polizei. Kurze Zeit später kommen zwei Polizisten in Schutzanzügen und nehmen die Pflanze mit. Später sagten sie der Frau, dass sie Glück gehabt habe: In dem Topf der Yucca-Palme habe sich eine ganze Vogelspinnenfamilie eingenistet.

Diese Geschichte macht immer wieder die Runde. Einen Beleg dafür, dass sie tatsächlich irgendjemandem passiert ist, gibt es nicht. Dafür ist die Geschichte sogar Titel eines Buchs über urbane Legenden geworden.

Dunkelziffer deutlich höher als bekannte Zahlen

Übrigens gab es nach Angaben der Polizei im vergangenen Jahr 13 Quarantäneverstöße (2020 waren es 15). In den vergangenen vier Wochen nur einen. Die Dunkelziffer dürfte aber deutlich höher liegen. Wird man während der verordneten Quarantäne außerhalb seiner Wohnung erwischt, kostet das laut Bußgeldkatalog NRW 250 Euro Strafe. Ebenso ist es, wenn man sich mit jemandem trifft, der in Quarantäne ist.

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