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Neu aufgestellt: Gesundheitsamt will nie mehr kalt erwischt werden

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Von: Cedric Sporkert

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Gesundheitsamt der Stadt Hamm: Stephan Küching ist neuer Chef.
„Verläufe ohne Symptome gibt es derzeit so gut wie gar nicht“, sagt Stephan Küching, der neue Leiter des städtischen Gesundheitsamts. © Stadt Hamm

Nach hammerharten zweieinhalb Corona-Jahren gibt sich das Gesundheitsamt der Stadt Hamm eine neue Struktur. Das wichtigste Ziel: bitte nie mehr so kalt erwischen lassen.

Hamm – Die Pandemie hat die öffentliche Gesundheitsverwaltung kalt erwischt. Eine viel zu niedrige Personaldecke, kaum Vernetzung und Kommunikation teils noch per Fax sorgten in etlichen Behörden für eine regelrechte Kapitulation vor dem Virus. In Hamm hätte das Gesundheitsamt Kontaktverfolgung, Infiziertenbetreuung und Impfkampagne ebenfalls nicht alleine bewältigen können.

In der ausgegliederten Corona-Einheit arbeiteten zwischenzeitlich mehrere Hundert Menschen – aus der gesamten Verwaltung. Mit dem Antritt des neuen Gesundheitsamtsleiter Stephan Küching übernimmt der öffentliche Gesundheitsdienst nun wieder hauptverantwortlich das Pandemiemanagement und bekommt modernere Strukturen.

Zur Person

Stephan Küching (41) arbeitet seit Oktober 2008 bei der Stadt Hamm. Der Jurist war bis zum Beginn der Pandemie im Rechnungsprüfungsamt beschäftigt. Seit Juni 2020 ist er in der Corona-Einsatzleitung und seit dem 1. Juni 2022 Leiter des Gesundheitsamtes.

Corona

Dafür werden der zu Beginn der Pandemie gegründete Krisenstab und die Corona-Einsatzleitung aufgelöst. Die 48 Mitarbeiter, die sich aktuell noch mit der Pandemiebekämpfung beschäftigen, werden dem Gesundheitsamt zugeschlagen, wo darüber hinaus 51 Personen arbeiten. „Wir waren auch mal bei einer Quote von 1:4. Jetzt sind wir bei nahezu 1:1 angekommen“, erklärt Küching. „Mittlerweile geht es darum, das Pandemiegeschehen zu begleiten und die kritischen Einrichtungen wie Krankenhäuser und Seniorenheime im Auge zu behalten.“

Die Durchsetzung der Einrichtungsbezogenen Impfpflicht binde zwar viele Kräfte, an der Corona-Hotline liefen inzwischen aber deutlich weniger Anrufe auf, weil sich die Rechtslage seit Monaten nicht wesentlich geändert habe. Dadurch sei mehr Zeit für die Betreuung der symptomatischen Infizierten. Und krank werde aktuell so gut wie jeder, der sich mit den neuen Omikron-Varianten BA.4 und BA.5 anstecke – was der überwiegende Teil der Hammer Neuinfizierten sein dürfte.

Herausforderungen

„Verläufe ohne Symptome gibt es derzeit so gut wie gar nicht“, erklärt Küching. Es treffe aktuell vor allem diejenigen, die in den vergangenen zwei Jahren besonders vorsichtig gewesen seien und nun wieder öfter in größeren Gruppen zusammenkämen – etwa auf Schützenfesten, großen Geburtstagen, Festivals oder Urlaubsreisen. Und dann häufig auch die Maske wegließen.

Vor welchen Herausforderungen das Gesundheitsamt im Herbst stehen wird, sei schwer zu prognostizieren. Aber eine weitere Impfwelle sei wahrscheinlich. Mit Blick auf das Personal ist ein atmendes System geplant, in das je nach Anforderungen flexibel Kräfte eingebunden werden können. „Corona ist nicht vorbei“, betont die zuständige Dezernentin Dr. Britta Obszerninks. „Dann gibt es ja auch noch die Affenpocken, die jetzt aufkommen. Wir werden immer mehr damit leben und strukturell arbeiten müssen.“

Neuorganisation

Für Letzteres wird das Gesundheitsamt nun fit gemacht. Nach dem Abschied der ehemaligen Leiterin Dr. Frieda Dockx-Reinken hat Küching den Organisationsbereich übernommen, in dem viel Planung und Verwaltung stattfinden wird. Für einen zweiten, den klassischen medizinischen Bereich werde noch ein Leiter gesucht. Die Ausschreibung der Stelle erfolge in Kürze.

Abseits von Corona soll der Fokus künftig mehr auf Präventionsarbeit liegen. „Die Menschen sollten nicht erst kommen, wenn sie schon gesundheitliche Probleme haben“, erklärt Obszerninks. Service-Angebote sollen geschaffen oder ausgebaut werden – etwa zu gesunder Ernährung. Digitales Arbeiten und digitale Kommunikation vor allem mit Jüngeren endgültig Einzug halten. Mehr Personal sei zuletzt bereits eingestellt worden, weitere Kräfte sollen aber folgen.

„Das Schattendasein, das der öffentliche Gesundheitsdienst vor Corona leider gefristet hat, ist hoffentlich nachhaltig beendet. Man hat gesehen, was er im Notfall leisten muss und was dafür nötig ist“, betont Oberbürgermeister Marc Herter.

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