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Einrichtungsbezogene Impfpflicht: So ist der Stand in Hamm

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Von: Cedric Sporkert

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Eine Pflegerin spricht mit der Bewohnerin eines Pflegeheimes.
Nah dran: Eng mit den Bewohnern arbeiten dürften in Hammer Heimen ohnehin zumeist nur geimpfte Pflegekräfte. (Symbolbild) © Sebastian Willnow/dpa

Die zur Einführung vor drei Monaten noch hitzig diskutierte einrichtungsbezogene Impfpflicht für Pflegekräfte und Mitarbeiter im Gesundheitswesen verkommt zum ziemlich zahnlosen Papiertiger. Die Zahlen für Hamm.

Hamm – In Hamm läuft noch immer ein aufwendiger Prozess aus Hunderten Verfahren, Anhörungen und Beratungsgesprächen, der viele Kräfte bindet. Arbeitsverbote für Ungeimpfte oder sonstige Sanktionen sind in Hamm aber nach wie vor nicht ausgesprochen worden. Das könnte auch so bleiben.

Die umfangreichen Prüfungen sollten nach einem Erlass des Landes eigentlich bis zum Mittwoch dieser Woche abgeschlossen sein. Das hat in Hamm nicht geklappt. Damit befindet sich die Stadt allerdings in bester Gesellschaft. Auch in Köln, Duisburg, Essen, Münster, Dortmund und Düsseldorf liefen teils noch Hunderte Verfahren, wie der WDR zuletzt berichtete.

„Wir haben alle Anforderungsbögen bezüglich der Nachweise verschickt und bis auf einen geringen Prozentsatz alle zurück erhalten“, erklärte Stadtsprecher Tom Herberg auf Nachfrage. Rund 400 Beschäftigte aus 90 Einrichtungen seien zunächst als ungeimpft gemeldet worden. Das sind noch einmal gut 40 mehr als vor einem Monat. Die Auswertung der Bögen soll bis Ende Juni abgeschlossen sein. Parallel liefen Anhörungen derer, die sich unwillig zeigten, sich doch noch impfen zu lassen, und Beratungsgespräche für Beschäftigte mit medizinischen Bedenken.

Einzelfallprüfungen ab Juli

Weil sich etliche der zunächst noch ungeimpften Mitarbeiter in den vergangenen Monaten mit Corona infiziert hätten oder sich doch noch impfen ließen, werden Herberg zufolge voraussichtlich 150 nicht geimpfte oder genesene Personen übrig bleiben, für die eigentlich die Impfpflicht gilt.

Ab Juli soll in diesen Fällen eine Einzelfallprüfung stattfinden. In diesem Rahmen sollen die jeweiligen Einrichtungen kontaktiert und gemeinsam erörtert werden, ob die betroffenen Mitarbeiter abkömmlich sind. „Sie könnten zum Beispiel in andere Abteilungen ohne Patientenkontakt versetzt werden“, erklärte Herberg. Möglich seien in Einzelfällen aber auch Betretungs- und Tätigkeitsverbote.

Ungeimpfte nicht am Patienten

Dass es soweit kommt, glaubt kaum ein Entscheider im Gesundheitssektor in Hamm. Allein schon, um die Versorgung der Älteren und Kranken nicht zu riskieren, würden letztlich wohl mildere Mittel gewählt. „Die Stadt wird uns sicher den schwarzen Peter zuschieben. Dann sind eben alle Mitarbeiter unverzichtbar und es passiert am Ende gar nichts“, sagte ein Fachmann im Gespräch mit dem WA. Die Hygienevorgaben und Sicherheitsvorkehrungen in den Kliniken und Heimen seien weiterhin hoch. Die wenigen ungeimpften Mitarbeiter würden sowieso nicht mehr am Patienten eingesetzt, erklärte ein anderer Entscheider.

Am Ende dürfte durch die einrichtungsbezogene Impfpflicht wohl vor allem viel Verwaltungsaufwand und Unmut verursacht worden sein. Theoretisch müsste ab Anfang Oktober sogar neu ausgewertet werden – dann gilt nur noch als vollständig geimpft, wer dreimal den Piks bekommen hat. Unwahrscheinlich, dass die Verfahren neu aufgerollt werden. Schließlich tritt die Impfpflicht zum 1. Januar 2023 ohnehin außer Kraft.

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