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Impfpflicht in der Pflege kommt in wenigen Wochen - fehlen in Hamm bald Pflegekräfte?

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Von: Sarah Hanke

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Pflegekräfte und Patienten kommen sich sehr nah - das ist ein Grund für die Impfpflicht für Pflegekräfte.
Pflegekräfte und Patienten kommen sich sehr nah - das ist ein Grund für die Impfpflicht für Pflegekräfte. © Rother

Die Gesundheitsämter können ungeimpften Mitarbeitern ab Mitte März den Zutritt zum Arbeitsort untersagen: Schließlich gilt ab dann eine Impfpflicht in Krankenhäusern, Seniorenheimen und bei Pflegediensten. Fehlen in Hamm deshalb bald Pflegekräfte?

Hamm – Sie gehörten zu den Ersten, die geimpft wurden. Viele haben inzwischen ihre Booster-Impfung bekommen. Andere haben hingegen keine Impfung erhalten – und wollen sie auch nicht. Die Beschäftigten im Pflege- und Gesundheitswesen müssen auch in Hamm ab dem 15. März 2022 verpflichtend eine vollständige Corona-Impfung nachweisen. Dann gilt für sie die einrichtungsbezogene Impfpflicht. Welche Konsequenzen hat es, wenn die Nachweise nicht fristgerecht vorliegen? (News zum Coronavirus in Hamm)

StadtHamm
Einwohner179.916 (Stand: 31.12.2020)
BundeslandNRW
OberbürgermeisterMarc Herter

Impfpflicht im Pflegeheim: Wer nicht geimpft ist, muss in anderen Bereichen arbeiten - oder gehen

Fünf von insgesamt 200 Beschäftigten seien bei der ambulanten und teilstationären Pflege der Caritas Hamm ungeimpft. „Dann können wir die Mitarbeiter in den vulnerablen Bevölkerungsgruppen nicht mehr einsetzen“, sagt Fachbereichsleiterin Anke Wagener. Die Ungeimpften würden ohne Lohnfortzahlung freigestellt. Die Caritas sei zwar angehalten, die Mitarbeiter in alternativen Bereichen einzusetzen – das sei aber kaum möglich. Wem keine alternative Stelle angeboten werden kann, drohe letztlich die Kündigung.

Sie wollen sich nicht impfen lassen – aus Überzeugung.

Anke Wagener, Leiterin Fachbereich ambulante und teilstationäre Pflege bei der Caritas, über ungeimpfte Mitarbeiter

Gesundheitliche Gründe, die gegen eine Impfung sprechen würden, liegen laut Wagener in den fünf Fällen nicht vor: „Sie wollen sich nicht impfen lassen – aus Überzeugung.“ Die wenigen ungeimpften Mitarbeiter arbeiten in der Pflege, in der Hauswirtschaft und liefern „Essen auf Rädern“ aus. Sie seien über die Corona-Impfung sowie über die einrichtungsbezogene Impfpflicht aufgeklärt worden. Ihre Entscheidung änderte das nicht.

Bereiche mit vielen Ungeimpften: Steht Personal-Engpass bevor?

Wenn fünf Mitarbeiter fehlen, sei die Situation noch nicht allzu dramatisch, heißt es von Wagener. Sie kann sich aber vorstellen, dass es in anderen Bereichen mit vielen Ungeimpften zu einem Personal-Engpass kommen könnte. Dazu kommt der Fachkräfte-Mangel, der in der Pflege ohnehin ein großes Problem ist. Wagener geht davon aus, dass offene Stellen nur schwer wiederzubesetzen sind.

Für nicht praktikabel hält sie es, Auszubildende gemeinsam mit den ungeimpften Mitarbeitern zu den Pflegebedürftigen fahren lassen. „Im Auto lässt sich ja schlecht Abstand halten“, sagt Wagener.

Impfpflicht in den Altenheimen: Besucher sind nicht zur Impfung verpflichtet, Personal schon

Auch in den drei Altenheimen der Caritas St. Vinzenz-Vorsterhausen (Hamm-Mitte), St. Josef (Herringen) und St. Bonifatius (Herringen) sind die meisten Beschäftigten vollständig geimpft. Paul Sprünken ist Fachbereichsleiter der Stationären Pflege der Caritas Hamm. Er kritisiert, dass die einrichtungsbezogene Impfpflicht vor der allgemeinen Impfpflicht kommt. So sei es schwer, bei der Belegschaft für Akzeptanz und Verständnis für die Impfpflicht zu werben.

Während Mitarbeiter vollständig geboostert und negativ getestet sein müssen, müssen Besucher lediglich einen negativen Test mitbringen. „Selbst der Handwerker, der die Heizung reparieren oder ein Zimmer streichen will, braucht einen Impfnachweis.“ Es wundert ihn, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird – und man Mitarbeitern in der Pflege anderes abverlangt als den Besuchern.

Das bedeutet die Impfpflicht in Krankenhäusern: Acht bis zehn Prozent nicht geimpft

Von den insgesamt 4000 Mitarbeitern der Hammer Krankenhäuser St.-Barbara-Klinik, St.-Marien-Hospital und Evangelisches Krankenhaus sei nur noch ein Bruchteil ungeimpft. „Zwischen acht und zehn Prozent unserer Belegschaft ist noch nicht oder noch nicht vollständig immunisiert“, sagt die Sprecherin des EVK, Susanne Grobosch. Die meisten Mitarbeiter würden die Einführung der berufsbezogenen Impfpflicht begrüßen. Sie schaffe die Voraussetzung dafür, ihrer Verantwortung gegenüber den Pflegebedürftigen gerecht zu werden. Schon bei den Impftagen Anfang 2021 hätten sich die meisten Mitarbeiter für eine Impfung entschieden.

Wir hoffen nicht, dass dies in einzelnen Bereichen zu eingeschränkten Leistungen führen wird.

Susanne Grobosch, Sprecherin Evangelisches Krankenhaus Hamm

In persönlichen Gesprächen mit ungeimpften Mitarbeitern versuche man derzeit, Bedenken aus dem Weg zu räumen. „Sollte dies dann nicht erfolgreich sein, müssen wir das bedauerlicherweise so hinnehmen“, sagt Grobosch. Welche Auswirkungen dies auf den klinischen Betrieb haben wird, sei nicht endgültig abzusehen. „Wir hoffen nicht, dass dies in einzelnen Bereichen zu eingeschränkten Leistungen führen wird.“

Impfpflicht in Arztpraxen: Die meisten Mitarbeiterinnen sind geimpft

Eine vergleichbar hohe Impfquote dürfte es laut dem Hammer Ärztesprecher Dr. Matthias Bohle in den Hausarztpraxen geben. „Im hausärztlichen Bereich gibt es ja meistens langjährige Konstellationen“, sagt er. Viele Mitarbeiter blieben einer Praxis über viele Jahre treu, teils bis zum Ruhestand. Daher gebe es eine hohe Loyalität. „Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass die Mitarbeiter die Haltung des Praxis-Chefs teilen“, so Bohle.

Er sei sehr dankbar dafür, dass sich alle Mitarbeiter seiner eigenen Praxis ohne Diskussion hätten impfen lassen.

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