Überbrückung vom Staat?

Lockdown in der Gastronomie: Hilfen kommen nur schleppend an

Stühle hoch: Die Gastronomie ist geschlossen
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Corona-Lockdown in Deutschland: Die Gastronomie leidet.

Die Gastro liegt am Boden - der Lockdown trifft die Wirte besonders hart. Immerhin hat die Bundesregierung Hilfe angekündigt. Doch die kommen nur zögerlich und mit einer klaren Voraussetzung.

Hamm – Viele Steuerberater in Hamm haben im Moment alle Hände voll zu tun – besonders, wenn Gastronomen zu ihrer Klientel zählen. Denn was schnell und unbürokratisch Restaurants und Kneipen über Wasser halten soll, ist nicht ganz so einfach und unkompliziert zu bekommen, wie die das Politik verspricht. Die sogenannten November- und Dezemberhilfen müssen die Betroffenen nämlich über ihre Steuerberater beantragen, so soll ein Missbrauch verhindert werden. (News zum Coronavirus in Hamm)

Lockdown und seine Folgen: So kommen die Gatronomen an die Überbrückungshilfen

„Die Steuerberater gehen teilweise auf dem Zahnfleisch“, sagt Karsten Plass, Chef des „Pirates“ auf der Meile. Er verweist darauf, dass das ursprünglich geplante Hilfspaket II eigentlich die Monate von September bis November 2020 umfassen sollte. Dann war nur noch von November- und Dezemberhilfen die Rede. „Die Novemberhilfe ist dann in der vergangenen Woche gekommen“, berichtet der Gastronom. Die Dezemberhilfe sei aber noch nicht in Sicht. Seine Erfahrung: „Gewerbesteuernachzahlungen werden aber mit der Drohung einer möglichen Zwangsvollstreckung zugestellt.“

Überbrückung im Lockdown: Steuerberater sind gefragt

Übrigens, der Steuerberater, der für die Antragstellung Bedingung ist, muss vom Antragsteller natürlich auch bezahlt werden. Plass findet das Verfahren intransparent: „Es zieht sich alles.“

Karsten Plass und eine "Pirates"-Mitarbeiterin warten auf Gäste.

Diese Erfahrung teilt auch Jens Wilshaus vom Brauhof Wilshaus in Braam-Ostwennemar. Von der Novemberhilfe ist bisher nur eine Abschlagszahlung gekommen. „Das hilft nur bedingt“, so Wilshaus. Die oft genannten 75 Prozent, orientiert an den Vorjahreseinnahmen 2019, täuschen auch – denn es werden Abzüge gemacht, etwa bei Personalkosten.

Miete, Strom und Versicherungen laufen im Lockdown weiter

„Und über Januar und Februar reden wir gar nicht“, stellt Ben Boehm fest, dessen „Serafinas Bar“ an der Werler Straße eine reine Getränkegastronomie ist. Für ihn waren die eingeschränkten Öffnungszeiten bis 21 Uhr vor dem Lockdown schon verheerend. „Wer geht denn um 17 Uhr los, um ein Bier zu trinken?“ so Boehm, der auch als Lady Serafina vom Lockdown betroffen ist. Er konnte die Novemberhilfen erst Ende Dezember beantragen. Miete, Strom und Versicherungen, liefen und laufen derzeit weiter, so Boehm. Die Hoffnung, dass es nach den Versprechen der Politik alles etwas schneller gehe, habe sich verflüchtigt. Zwar hat er inzwischen die beantragten Novemberhilfen komplett erhalten, für den Dezember gab es aber bisher nur einen Abschlag. „Man weiß auch nie, wann was überhaupt kommt, das ist schon sehr belastend.“

Stichwort Überbrückungshilfen

Das steckt hinter den sogenannten November- und Dezemberhilfen: Die Überbrückungshilfe soll Unternehmen, Soloselbstständige sowie Freiberufler, die von den Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung besonders stark betroffen sind, unterstützen. Es handelt sich um Zuschüsse, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Zu den Details der Novemberhilfen gehört auch, dass die Höhe der Novemberhilfe 75 Prozent des Umsatzes aus dem November 2019 betragen soll. Bei Unternehmen, die erst nach dem 1. November 2019 gegründet worden sind, kann als Vergleichsumsatz der durchschnittliche Wochenumsatz im Oktober 2020 oder der durchschnittliche Wochenumsatz seit Gründung gewählt werden.

Boehm trifft noch besonders, dass er im November 2020 eine Partykneipe auf der Meile eröffnen wollte. Die Neueröffnung mit allen Kosten fiel dem Lockdown zum Opfer. Boehm: „Dafür sehe ich keinen Cent.“ Denn einen Vergleich mit dem November 2019 kann da natürlich nicht gezogen werden.

Etwas, was Boehm auch deutlich macht: „Gerade Gastronomen und Friseure haben viel in Schutzmaßnahmen investiert.“ Geholfen hat diesen Gruppen das letztlich nicht.

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