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Etliche Corona-Testzentren in Hamm zu - Betreiber ziehen „Reißleine“

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Von: Gisbert Sander, Markus Hanneken

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Kostenlose Schnelltests für alle sind Geschichte. Seit gestern gilt eine neue Verordnung. Testzentrumsbetreiber im Landkreis rechnen deshalb mit weniger Andrang – bleiben jedoch geöffnet.
Kostenlose Schnelltests für alle sind auch in Hamm Geschichte. Das sorgt für große Probleme. © sina schuldt/dpa

[Update 16.30 Uhr] In Hamm wurden am heutigen Freitag die meisten Corona-Testzentren gar nicht erst geöffnet. Das hat auch Auswirkungen auf die Krankenhäuser.

Hamm - Nach Angaben von Stadtsprecher Tom Herberg sind in Hamm am heutigen Freitag die meisten der 23 Corona-Teststellen geschlossen. Es herrsche „absolutes Chaos“. Deswegen und auch wegen der vielen Menschen unklaren Test-Voraussetzungen sei auch die Corona-Hotline der Stadt überlastet. Herberg rechnet frühestens Anfang kommender Woche wieder mit einer Art von Normalität in diesem Bereich. Heißt: Auch Wochenende dürfte sich die Lage nicht entspannen.

Ein besonderes Dilemma trifft damit die Krankenhäuser, aber auch Senioren- und Pflegeheime: Besucher müssen nämlich in der Regel einen maximal 24 Stunden alten negativen Test vorlegen, sonst kommen sie nicht rein. Die Krankenhäuser testen nicht selbst.

Schon am Donnerstag hatten sich die Probleme zumindest abgezeichnet, wie eine Rundfrage des WA ergab.

Fehlende Grundlagen für seriöse Abrechnung

Ursache für den rigorosen Schritt ist der „Brandbrief“ der Kassenärztlichen Bundesvereinigung an Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach. „Nach sehr sorgfältiger Prüfung der neuen Test-Verordnung müssen wir Ihnen vor dem Hintergrund der schon jetzt bestehenden, eklatanten Betrugsproblematik mitteilen, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen Bürgertestungen zukünftig nicht mehr abrechnen und auszahlen können“, heißt es darin.

Das bedeutet für die Betreiber von Teststellen, dass sie demnach kein Geld mehr erhalten, wenn sie Tests durchführen. Die Alternative, von den Kunden den vollen Betrag – laut Mühlenkreiskliniken, die ein Testzentrum an den Zentralhallen betreiben, aktuell 8,80 Euro – zu kassieren, kommt offenbar für viele Betreiber nicht in Betracht.

Auf Bundesebene laufen inzwischen Gespräche zwischen Gesundheitsministerium und der Bundesvereinigung. Die KVWL hat sich im Gespräch mit wa.de zu den Abrechnungen der Bürgertests in NRW geäußert und versichert, man werde „natürlich“ dem gesetzlichen Auftrag nachkommen.

Nur wenige Teststellen in Hamm noch geöffnet

Geschlossen sind in Hamm zum Beispiel die Testzentren Walaschweski in Bockum-Hövel, Fast-Dienstleistungen am Heessener Marktplatz und alle vier Stationen von Thomas und Marcel Johannpeter. „Wir haben uns zu dem Schritt entschlossen, weil unser Vertragspartner nicht mehr da ist“, sagt Thomas Johannpeter: „Uns fehlt die Grundlage, um mit jemandem die Kosten abzurechnen.“ Und die Mitarbeiter? „Die stehen auf Abruf bereit. Wenn sich die Situation klären sollte, sind wir natürlich sofort wieder dabei.“

Ein „volles Haus“ hat indes das Ärztezentrum Hamm-Norden. „Wir machen weiter, weil es notwendig ist“, sagt Dr. Heinrich Miks – selbst auf die Gefahr hin, dass er auf einem Teil der Kosten sitzen bleibe: Damit lebe er als Arzt seit Jahren. Laut Miks’ sorgt die neue Testverordnung dafür, dass die Bürger selbst entscheiden, ob sie verantwortungsbewusst handeln und sie bereit sind, beispielsweise vor dem Besuch einer Innenraum-Veranstaltung, 3 Euro Eigenanteil für einen Corona-Test zu bezahlen. „Jetzt werden Patienten wie mündige Bürger behandelt“, sagt Miks.

Freiteststelle an Zentralhallen am Wochenende offen

Besonders lange Schlangen am Freitag vor der Teststelle an den Zentralhallen.
Besonders lange Schlangen am Freitag vor der Teststelle an den Zentralhallen. © Andreas Rother

Geöffnet bleibt – auch am Wochenende – die PCR- und Freiteststelle auf dem Ökonomierat-Peitzmeier-Platz, also auf dem Parkplatz an den Zentralhallen. Sie wird von den Mühlenkreiskliniken betrieben, deren Unternehmenssprecher Christian Busse fest davon ausgeht, dass die Betreiber nicht auf den Kosten sitzenbleiben werden: „Diese Leistung ist politisch und gesellschaftlich gewollt und muss auch bezahlt werden.“ Auch die Phönix-Apotheke auf der Südstraße bot den Service am Freitag weiter an.

Eine vollständige und aktuelle Übersicht konnte die Pressestelle der Stadt am Freitag nicht leisten; die Betreiber müssen die Unterbrechung des Betriebs nicht anzeigen. Bei Bedarf rufen Sie zuvor in Ihrer Teststelle an. (Hier klicken für die allgemeine Karte der Stadt.)

Teststellen geschlossen: Stadt bittet um Verständnis

Stadtsprecher Tom Herberg bittet um Verständnis für die augenblickliche Situation: „Uns sind die Hände gebunden. Wir haben keine Informationen, wie der Bund weitermachen will“, sagte Herberg am Freitagmittag. Selbst wenn am Freitag vom Bund noch neue Grundlagen kämen, sei das wohl zu kurzfristig, um zu reagieren. Das werde dann frühestens am Montag geschehen können...

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