Vergabe von Impfterminen: „Manchmal wildes Gewurschtel“

Impfstoff fehlt: Priogruppe 3 nicht durchgeimpft, wenn Priorisierung entfällt

Impfung Corona
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Die Impfbereitschaft ist groß. Doch der Impfstoff fehlt besonders in Arztpraxen weiterhin, vor allem für Erstimpfungen.

Besonders für Erstimpfungen fehlt weiterhin der Impfstoff, wie der Sprecher des Hammer Ärzteverein beklagt. Er geht nicht davon aus, dass alle Impfwilligen in der Priogruppe 3 ihre Impfungen erhalten haben, bevor die Priorisierung entfällt. 

Hamm - In einer Woche - am 7. Juni - wird die Impfpriorisierung aufgehoben. Der Sprecher des Ärztevereins Dr. Matthias Bohle in Hamm geht aber nicht davon aus, dass bis dahin alle Mitglieder der Priorisierungsgruppe 3 eine Impfung erhalten, die gerne eine hätten.

StadtHamm
Einwohner180.793 (Stand: 31.12.2020)
Erstimpfungen78.650 (Stand: 28. Mai 2021)
Zweitimpfungen29.936 (Stand: 28. Mai 2021)

Impfpriorisierung: Einige Mitglieder aus Gruppe 3 bemühen sich vergeblich um Impftermin

Der Redaktion sind mehrere Fälle bekannt, in denen Menschen von Berufs wegen oder aufgrund von Vorerkrankungen bevorzugt geimpft werden sollten. Sie haben sich bislang vergeblich um Impftermine bemüht. „Bei denen, die einen schweren Verlauf haben könnten, hat man sicherlich viele erwischt, aber nicht alle“, sagt Bohle. Die Vergabe der Impftermine sei mitunter ein „wildes Gewurschtel“, sagt er. Manche hätten das Glück, zur richtigen Zeit die richtige Praxis kontaktiert zu haben - andere nicht.

Hauptproblem sei der fehlende Impfstoff, insbesondere Biontech. Vor einigen Wochen hatte die Impfkampagne Fahrt aufgenommen, Tausende erhielten ihre Erstimpfungen. Nun stehen die Zweitimpfungen an. Die Arztpraxen haben in den vergangenen Wochen oft nur Impfstoff für die zweite Spritze erhalten, nicht für neue Erstimpfungen. Schon vor einigen Tagen twitterte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), dass mehr Zweit- als Erstimpfungen gesetzt wurden.

Dr. Matthias Bohle ärgert sich über die Corona-Impfsituation. Es fehle an Impfstoff, zudem kritisierte er bereits die Bürokratie.

Impfstoff fehlt: Probleme vor allem bei Patienten, die Biontech bekommen sollen oder wollen

Insbesondere die Erstimpfung von Patienten, die nur Impfstoff von Biontech erhalten wollten oder bekommen sollten, war schwer: „Wir haben sehr häufig weniger oder gar kein Biontech für Erstimpfungen erhalten.“ Derzeit wird auch nur wenig AstraZeneca für neue Erstimpfungen vergeben. Bohle hatte schon früher die Verteilung von Impfstoff kritisiert.

Bohle schätzt, dass er inzwischen etwa 550 Erst- und 350 Zweitimpfungen gegeben hat – viel für eine einzelne Praxis. Seine Hausarztpraxis in der Stadtmitte hat den Schwerpunkt Diabetologie, ein großer Teil seiner weit mehr als 2000 Patienten gehöre aufgrund von Vorerkrankungen einer der Priorisierungsgruppen an. So ist es in seiner Praxis bisher nicht gelungen, alle auf der Warteliste zu impfen.

Wird die Priorisierung aufgehoben, will er dennoch erst einmal die impfen, deren Impfung er aus ärztlicher Sicht für besonders dringend hält. Neue Erstimpfungen werde es bei ihm aber voraussichtlich erst wieder Mitte Juni geben, schätzt er. „Dann wird es allerdings ruckhaft weitergehen.“

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