OB optimistisch

Trotz düsterer April-Bilanz: Herter sieht 3. Corona-Welle in Hamm als gebrochen an

Oberbürgermeister Marc Herter (SPD) stellte am Montag die Corona-Bilanz der Stadt Hamm für den Monat April vor. Und zeigte sich trotz der hohen Infektionszahlen optimistisch mit Blick auf die weitere Entwicklung.
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Oberbürgermeister Marc Herter (SPD) stellte am Montag die Corona-Bilanz der Stadt Hamm für den Monat April vor. Und zeigte sich trotz der hohen Infektionszahlen optimistisch mit Blick auf die weitere Entwicklung.

Im April sind die Corona-Infektionszahlen in Hamm förmlich explodiert. Trotzdem ist Oberbürgermeister Marc Herter optimistisch, dass die dritte Welle gebrochen ist. Die Gründe.

Hamm - Bei den akut Infizierten gab es im April beinahe eine Verdreifachung von 373 auf 1087 zum Monatsende. Auch aktuell ist Hamm Hotspot in ganz NRW mit der höchsten Inzidenz von zuletzt fast 300 (hier klicken für die aktuellen Zahlen!). OB Marc Herter sagt allerdings: „Die Spitze ist gebrochen. Ich bin sehr zuversichtlich, den Scheitelpunkt erreicht zu haben.“ Wie passt das alles zusammen? (News zum Coronavirus in Hamm)

StadtHamm
BundeslandNordrhein-Westfalen
Einwohner179.111 (2019)

Corona in Hamm: Eindämmungsmaßnahmen beginnen zu wirken

Seit rund zwei Wochen gelten in Hamm nun die erweiterten Corona-Maßnahmen. „Die brauchten ein paar Tage um zu wirken“, erklärte Herter am Montag. „Wir sehen - und das ist erfreulich - seit Mitte der vergangenen Woche einen Rückgang des allgemeinen Infektionsgeschehen.“

Die Infektionen „draußen“, also durch Kontakte im öffentlichen Raum, gingen deutlich zurück. In komplett unter Quarantäne gestellten Familien gebe es aber noch Potenziale, weil Kinder und Eltern sich als Träger der britischen Variante ungleich leichter in einer gemeinsamen Isolation ansteckten als noch in der ersten und zweiten Welle. Der eigentliche Rückgang werde aktuell zusätzlich vom Ausbruchsgeschehen in der ZUE überlagert.

Corona Monatsstatistik Hamm April 2021

Corona Monatsstatistik Hamm April 2021
Corona Monatsstatistik Hamm April 2021
Corona Monatsstatistik Hamm April 2021
Corona Monatsstatistik Hamm April 2021
Corona Monatsstatistik Hamm April 2021

„Deshalb werden uns diese Zahlen noch einen Moment beschäftigen. Ich bin aber vorsichtig optimistisch“, so Herter. Er gehe von einem Nachhall von rund zwei Wochen mit stetig abnehmenden Infektionszahlen aus den beiden Gruppen aus.

Corona in Hamm: April „deutlicher Rückschlag“ für Herter

Bis Hamm allerdings wieder bei den Werten von Anfang April ist, dürfte es länger als die zweieinhalb Wochen dauern, in denen die Zahlen so massiv angestiegen sind. Das glaubt auch Herter. „Der April hat einen deutlichen Rückschlag in der Bekämpfung der Pandemie für Hamm gebracht, die entscheidenden Zahlen sind deutlich angestiegen“, blickte der OB bei der Vorstellung der Monatsstatistik zurück.

Hamm habe die dritte Welle nach Ostern mit einer deutlichen Verzögerung erreicht als andere Städte und Gemeinden - „aber nicht minder heftig getroffen“, betonte Herter. „Da gibt es nichts drumherum zu deuten.“

Im ersten Quartal hätte sich Hamm vor allem durch die Mühe und viel Einsatz der Bürger vom Hotspot ins untere Mittelfeld im Vergleich der Städte und Gemeinden hinuntergearbeitet. Zwischenzeitlich war die Stadt eine von sechs Kommunen, die konstant eine Inzidenz von unter 100 aufwiesen - und wurde deshalb auch als Modellkommune ausgewählt.

Anstieg fast ausschließlich in zweiter Monatshälfte

Innerhalb von zweieinhalb Wochen stiegen die Infektionszahlen dann rasant. „Unauffällig“ sei die Entwicklung bis zur Monatsmitte gewesen, erklärte Herter. Und das legen auch die Zahlen nahe:

  • Bei den Neuinfektionen lagen die Tageswerte bis einschließlich 13. April bis auf eine Ausnahme (11.4.: 33) seit Anfang April durchgängig unter 30. Danach an jedem Tag bis auf den 15. April (22) deutlich über 30. Mit 97 (26.4.) und 90 (29.4.) gab es auch zwei hohe Ausreißer nach oben.
  • Der Inzidenzwert sank zunächst von 107,8 am 31. März auf 78,4 (7.4.), um dann innerhalb kurzer Zeit auf 297,9 zu steigen (30.4.).
  • Im Krankenhaus lagen Ende März 25 Corona-Patienten, zwischenzeitlich waren es sogar nur 20 (8.4.). Der Höchststand im April wurde mit 51 am 28.4. erreicht, Ende des Monats lag die Zahl mit 48 noch immer fast doppelt so hoch wie 30 Tage zuvor.
  • Auch auf den Intensivstationen gab es eine Verdopplung innerhalb eines Monats von 5 auf 10 Patienten. Der Höchststand waren am 21.4. 13 Intensivpatienten aus Hamm.

Eine wenigstens in geringem Maße erfreuliche Entwicklung habe es aber bei den Todesfälle gegeben, betonte Herter. 16 Infizierte starben im April. Und das waren nicht nennenswert mehr als im März (11) und Februar (13). Im Januar (25) und Dezember (59) hatten diese Werte noch deutlich höher gelegen. Hier mache sich der „Impf-Effekt“ bemerkbar, so Herter.

Herter führt Ansteckungen auf asymptomatische Superspreader zurück

Woran letztlich der signifikante Anstieg in der zweiten Aprilhälfte gelegen habe, lasse sich in der Rückschau nur bedingt beurteilen, erklärte Herter. An vermehrten Schnelltests liege der Sprung wohl nicht, in Hamm werde nicht mehr zusätzlich getestet als anderswo.

Vielmehr müsse es in einem insgesamt undurchsichtigen Infektionsgeschehen zahlreiche Infizierte ohne nennenswerte Symptome gegeben haben, die etliche Menschen angesteckt hätten - quasi zu „Superspreadern“ wurden.

Herter betonte außerdem, dass einzelne Stadtteile nach wie vor nicht als Hotspots auszumachen seien. Aber: Überall dort in Hamm, wo viele Menschen auf engem Raum leben - also in Hochhaussiedlungen und in prekären Wohnlagen - seien die Infektionszahlen höher als in Quartieren mit Einzelhaus-Bebauung und großen Gärten.

Keine Ausbrüche in Moscheen und Freikirchen

An den Orten, an denen sich die Menschen nicht so gut aus dem Weg gehen könnten, habe es das Virus logischerweise einfacher, den nächsten Wirt zu finden. Weil mehr Menschen mit Migrationshintergrund in sozial-schwächeren Quartieren lebten, sei aktuell auch der Anteil dieser Bürger innerhalb der Gruppe der Infizierten etwas höher. Ausbrüche in Moscheen und Freikirchen gebe es aber keine, ergänzte Herter.

Sozialarbeiter sowie die Kräfte der Jugend-, Stadtteil- und Integrationsarbeit seien aktuell in Vierteln mit besonders vielen Fällen im Dauereinsatz. „Noch mehr Papier - und sei es fremdsprachlich bedruckt - hilft nicht. Nur die persönliche Ansprache führt dazu, dass jeder die Regeln mitbekommt“, so Herter.

Die Stadt Hamm steht in Gesprächen mit dem Landesgesundheitsministerium, um in Großwohnsiedlungen zusätzlich Schwerpunktimpfungen durchzuführen. Es gehe um eine ähnliche Dimension wie in Köln, sagte Marc Herter am Montag.

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