Dienstleister besonders betroffen

Material knapp, Preise teuer: Der massive Corona-Effekt im Handwerk

Holz und Co. werden zur Mangelware – das stellt auch das Handwerk vor neue Herausforderungen.
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Holz und Co. werden zur Mangelware – das stellt auch das Handwerk vor neue Herausforderungen.

Corona drückt bei vielen Handwerkern nicht nur auf die Stimmung. Material ist knapp und teuer, Aufträge können nicht immer erledigt werden. Alles zur aktuellen Lage.

Hamm – Die anhaltende Covid-19-Pandemie prägt die Stimmung im Handwerk - auch in Hamm: Nur noch 81 Prozent sind mit ihrer aktuellen Geschäftslage zufrieden. Das ist das Fazit einer Frühjahrsumfrage, die die Handwerkskammer zu Dortmund bei ihren Mitgliedsbetrieben durchgeführt hatte und nun vorgestellt hat. Einstellen müssen sich Kunden auf steigende Preise. (News zum Coronavirus in Hamm)

StadtHamm
BundeslandNordrhein-Westfalen
Einwohner179.111 (2019)

Friseure und Kosmetiker leiden besonders

Bei den personenbezogenen Dienstleistungen – hier sind Friseure und Kosmetiker gemeint – hat die Pandemie mit Abstand die deutlichsten Spuren hinterlassen: Nur noch 48 Prozent der Betriebe geben an, mit ihrer derzeitigen Geschäftslage zufrieden zu sein. Für teure Infektionsmaßnahmen in den Geschäften müssten sie ihre Preise anheben um über die Runden zu kommen, so Kammerpräsident Berthold Schröder.

Weniger von der Corona-Krise als viel mehr vom akuten Problem des Baustoffmangels sind die Bau- und Ausbauhandwerke betroffen. Schröder: „Bis Herbst 2020 ging es dem Gewerbe gut. Doch das ändert sich gerade.“

Kurzarbeit wegen Materialknappheit?

Ob Holz, Dämmstoffe, Plastikrohre oder Stahl: Vielen Betrieben geht in diesen Tagen das Material aus oder ist extrem teuer geworden. „Angesichts der massiven Verknappung von Materialien rechnen immer mehr Betriebe in der Region damit, Aufträge nicht wie geplant abarbeiten zu können und deshalb möglicherweise sogar Kurzarbeit anmelden zu müssen. Das würde die Konjunktur im Bausektor massiv ausbremsen.“

Schröder sieht kein Ende dieser Materialknappheit und so müssten sich viele Kunden auf höhere Preise einstellen. Er rät den Handwerksbetrieben in den Verträgen Preisgleitklausel einzuarbeiten und sich so das Recht einzuräumen, bei Erhöhung der Selbstkosten den Preis der Leistung anzupassen. Das setzte allerdings eine lückenlose Transparenz voraus, so Schröder. Dass es für Kunden schwierig sei, entsprechend zu kalkulieren, räumte er ein. Schröder: „Ich rate allen, das Gespräch zu suchen.“

Umsätze, Aufträge, Investitionen rückläufig

Umsätze, Aufträge oder auch Investitionen waren in den vergangenen sechs Monaten bei der Mehrzahl der Handwerks-Unternehmen im Kammerbezirk rückläufig. Gleichwohl blicken die Betriebe in der Region etwas zuversichtlicher nach vorn: Für das kommende halbe Jahr rechnen 85 Prozent mit einer guten Geschäftsentwicklung.

Ungebrochen groß sei die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen im Kammerbezirk. „Zwei Drittel der befragten Betriebe bilden aus“, sagt HWK-Geschäftsführerin Olesja Mouelhi-Ort. Nur in jedem zehnten Betrieb würden die Ausbildungsaktivitäten wegen Corona verringert. Aus der Umfrage geht hervor, dass Frauen als potenzielle Nachwuchskräfte immer stärker umworben werden.

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