60 Euro weniger als im Vorjahr

Elterngeld: Hammer Mütter und Väter erhalten weniger Geld - liegt‘s an Corona?

Ein Vater küsst sein Kind auf die Stirn
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Hammer Väter haben mehr Elterngeld beantragt als je zuvor.

Die Hammer Mütter und Väter haben 2020 weniger Elterngeld bekommen als in den Vorjahren. Die Coronakrise könnte ein Grund dafür sein.

Hamm – Obwohl 2020 mehr Anträge auf Elterngeld gestellt wurden, sanken die Ausgaben: Die Eltern in Hamm erhielten im Coronajahr durchschnittlich weniger Geld als in den Vorjahren.

Dafür verbringen die Hammer Väter offenbar mehr Zeit mit ihrem Nachwuchs denn je. Jeder vierte Antrag auf Elterngeld entfiel 2020 auf einen Mann. Das teilt die Pressestelle der Stadt Hamm mit. Insgesamt wurden 2096 Anträge auf Elterngeld gestellt, elf mehr als 2019.

Hammer Väter stellen mehr Anträge auf Elterngeld

Die Väterquote ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Die Stadt Hamm zahlt Elterngeld seit 2008 aus, es löste das Erziehungsgeld ab. Da nur drei Prozent der Anträge auf Erziehungsgeld von Männern gestellt wurden, wertete man es in Hamm 2009 als Erfolg, dass zur Einführung immerhin elf Prozent der Elterngeld-Anträge auf Väter entfielen. Zwölf Jahre später sind die Zahlen deutlich höher. 26 Prozent der Elterngeld-Anträge gingen auf das Konto der Väter.

Doch eine gleiche Aufteilung der Kindererziehungs- und Erwerbsarbeit gab es in den Hammer Familien auch 2020 nicht. Das zeigt sich daran, dass Mütter drei Viertel (1552) der Elterngeld-Anträge stellten – und dass sie diese Leistung im Durchschnitt viel länger beantragten als Männer.

Hammer Väter: Vier von fünf beantragen nur zwei Monate Elterngeld

So wollten 78 Prozent der Väter für zwei Monate Elterngeld haben – danach werden die meisten in den Job zurückgekehrt sein. Für einen so kurzen Elterngeld-Bezug entscheidet sich nur ein Prozent der Mütter. Dass beide Elternteile mindestens zwei Monate Elterngeld beantragen, ist die Voraussetzung dafür, dass die Leistung für den vollen Zeitraum ausgezahlt wird.

Das sind Elterngeld und Elternzeit

Elternzeit ist eine unbezahlte Auszeit vom Berufsleben, die Väter und Mütter beantragen können. Voraussetzungen dafür: Sie müssen in einem Arbeitsverhältnis stehen und ihr Kind selbst betreuen. Arbeitnehmer können bis zu drei Jahre Elternzeit pro Kind bei ihrem Arbeitgeber beantragen. In der Elternzeit dürfen sie bis zu 30 Stunden pro Woche arbeiten. Die Elternzeit kann bis zum achten Lebensjahr des Kindes genommen werden. Wie viel und wie lange Elternzeit genommen wird, wird nicht zentral erfasst.

Während einer Elternzeit kann Elterngeld beantragt werden. Die Höhe hängt vom Einkommen vor der Geburt ab: Normalerweise werden 65 Prozent des Netto-Einkommens gezahlt, allerdings höchstens 1 800 Euro pro Monat. Bei Geringverdienern können bis zu 67 Prozent gezahlt werden. Um für 14 Monate Elterngeld zu bekommen, muss jeder Elternteil mindestens zwei Monate Elterngeld beantragen. Geschieht das nicht, wird nur für zwölf Monate Elterngeld gezahlt. Für Eltern ohne Einkommen gibt es den Sockelbetrag von 300 Euro.

Arbeiten die Eltern in Teilzeit, können sie für einen längeren Zeitraum Elterngeld beantragen – dann verringert sich die Höhe. Weitere Infos gibt es auf dieser Seite des Bundesfamilienministeriums und bei der Stadt Hamm.

Beitrag zur Gleichberechtigung? Nur wenig Eltern erhalten Partnerschaftsbonus

Einen Beitrag zur Gleichberechtigung sollte eigentlich der Partnerschaftsbonus bringen, der 2015 eingeführt wurde. Gezahlt wird er, wenn beide Elternteile parallel über vier Monate zwischen 25 und 30 Stunden pro Woche arbeiten. Doch die Partnerschaftsmonate gehen offensichtlich an der Lebenswirklichkeit der Hammer Eltern vorbei. Sie wurden 2020 nur 13 Mal ausgezahlt.

Immerhin: Der Bundesrat hat Mitte Februar einer Gesetzesänderung zugestimmt. Partnerschaftsmonate sollen künftig auch gezahlt werden, wenn Eltern zwischen 24 und 32 Stunden pro Woche arbeiten.

Coronajahr 2020: Eltern erhalten weniger Elterngeld

Im Vergleich zu 2018 und 2019 mussten sich die Hammer Eltern im Coronajahr 2020 mit weniger Elterngeld zufriedengeben. Die durchschnittliche Höhe des Elterngelds lag bei 5837 Euro, das sind 60 Euro weniger als 2019 und sogar 87 Euro weniger als 2018.

Ein Grund dafür könnte die Coronakrise sein: Die Höhe des Elterngeldes hängt vom Einkommen vor der Geburt ab. Wurde ein Kind Ende 2020 geboren und die Eltern verdienten beispielsweise aufgrund der Coronakrise weniger, verringerte sich auch die Höhe des Elterngeldes.

Elterngeld: Ausgaben sind gesunken

Die Ausgaben für das Elterngeld sind auch erstmals leicht gesunken. Sie lagen 2020 bei 12,2 Millionen Euro (Vorjahre: jeweils 12,3 Millionen Euro). Die Stadt Hamm bekommt diese Ausgaben vom Bund erstattet.

Immerhin: 2020 gab es weniger Eltern ohne eigenes Einkommen als in den Vorjahren. Verdient ein Elternteil nichts, bekommt es nur den Mindestsatz von 300 Euro Elterngeld. 2019 ging der Mindestsatz an 33 Prozent der Elterngeld-Bezieher, 2020 war das nur bei 28 Prozent der Fall.

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