Hammerin hilft während der Corona-Krise in Kenia

Ilonka Remmert besuchte am letzten Schultag die Bongwe-School in Ukunda. Corona hat – wenn auch noch nicht in den Ausmaßen wie in Deutschland – auch Kenia erreicht.
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Ilonka Remmert besuchte am letzten Schultag die Bongwe-School in Ukunda. Corona hat – wenn auch noch nicht in den Ausmaßen wie in Deutschland – auch Kenia erreicht.

Es sollte wie immer eine Mischung aus Urlaub und ehrenamtlicher Arbeit sein, als Ilonka Remmert aus Rhynern nach Ukunda in Kenia aufbrach. Doch ihr Aufenthalt in Afrika wird mittlerweile auch von der Corona-Pandemie beeinflusst. Das Thema ist dort auch in der Gesellschaft angekommen, der Umgang damit aber (noch) anders.

Ukunda/Hamm – Es schien, als sei Ilonka Remmert, die Vorsitzende des Rhyneraner Hilfsvereins „Pro Ukunda“ gerade noch rechtzeitig vor den Auswirkungen der Corona-Krise aus Deutschland in ihre zweite Heimat geflohen. Am Freitag, 13. März, landete sie in Kenia. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Einschränkungs- und Verbotswelle in Hamm gerade Fahrt aufgenommen. Fernab der Probleme daheim und noch gar nicht bewusst über die Ausmaße der Pandemie in Deutschland wollte sie voller Tatendrang die lange To-Do-Liste ihres Vereins abarbeiten.

Doch schon am Flughafen gab es die ersten Anzeichen, dass sich auch Kenia mit der neuen Weltkrankheit auseinandersetzt. So gab es unter allen Einreisenden eine eher umständliche Fiebermessaktion, wie Remmert berichtet. „Ein Arzt, ein Messgerät, etwa 300 Touristen – dazu 28 Grad in der Flughafenhalle. Das war wirklich nicht lustig“, beschreibt sie ihre Ankunft.

Drohende Schulschließung

Als sie dies überstanden hatte, wartete die nächste Überraschung. Denn die Bongwe-School, in die der Verein Pro Ukunda am meisten Geld, Arbeit und Herzblut steckt, bereitete sich auf die Schulschließung vor. Ähnlich wie in Europa reagierte auch Kenia auf Corona und es wurde für zunächst zehn Tage eine Schulschließung angeordnet. „Ich bin ganz fix hin, um einige Sachen, die ich mir vorgenommen hatte, noch schnell zu regeln. Eine Klasse habe ich für ein Foto noch erwischt, der Rest war bereits daheim“, so Remmert.

Im Hotel steht Desinfektionsmittel an der Rezeption.

Mit der Schließung der Schulen reagierte Kenia verhältnismäßig früh. Denn zu diesem Zeitpunkt gab es drei bekannte Krankheitsfälle in Nairobi, darunter kein Kenianer. Dennoch schließen zur Vorsicht die Schulen, Unis und andere Bildungseinrichtungen. Im Alltag schleichen sich erst nach und nach Veränderungen ein. In ihrem Hotel läuft alles wie immer, abgesehen von einer kleinen Flasche Desinfektionsmittel, die an der Rezeption steht.

Draußen gibt es dann doch erste Auffälligkeiten. Die Geschäfte haben zwar noch geöffnet, die Verkaufsstände werden aufgebaut, aber die Straßen werden langsam leerer, zumal der Staatspräsident via Fernsehen die Bevölkerung dazu aufgerufen hat, zu Hause zu bleiben. Aber noch gebe es keine Panik. „Man kann gar nicht glauben, dass es wirklich gefährlich sein könnte“, empfindet die Rhyneranerin.

Die Frage nach der Rückkehr nach Deutschland

Zu gerne würde sie auch in Kenia bleiben. In erster Linie natürlich, um ihre Hilfsprojekte weiter anzuschieben. 21 Tage Aufenthalt hatte sie geplant. Nach fünf Tagen muss sie aber bereits über die Rückkehr nachdenken. Die Informationen sind vage und unterschiedlich. Klar ist, seit dem 18. März darf für 30 Tage kein Deutscher mehr einreisen. „Ich bin am vergangenen Freitag wohl noch mit der letzten Maschine eingereist“, schreibt sie.

Im Hotel jedenfalls kommen keine neuen Gäste mehr an, es wird leerer. Einige Reisende haben Probleme mit ihrem ursprünglich gebuchten Rückflug, je nach Reisegesellschaft. „Passend zu diesen Turbulenzen haben wir seit Stunden tropischen Regen“, schildert Remmert die manchmal wenig gute Stimmung.

Beschluss der Regierung

Zwischenzeitlich hatte die Regierung beschlossen, dass die Urlauber vor dem Rückflug mindestens 14 Tage im Lande gewesen sein müssen. Diese Ansicht änderte sich wieder: „Voraussichtlich werden alle Gäste vorzeitig in den nächsten Tagen ausgeflogen.“ Wann das sein wird, weiß Remmert noch nicht.

„Das Hotel darf ich aber noch verlassen und versuche so, wenigstens die Projekte außerhalb der Schule noch abzuwickeln. Alles sehr schade“, schreibt sie und fügt hinzu: „Eigentlich habe ich gar keine Lust zurückzufliegen, wenn ich höre und lese, was in Deutschland los ist! Hier fühle ich mich eigentlich sicher. Vielleicht irre ich mich aber auch..."

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