Bei Infektionsschutzgesetz-Abstimmung

Hammer Thorsten Schulte provoziert nach AfD-Einladung im Bundestag und macht bundesweit Schlagzeilen

Thorsten Schulte lebt in Hamm und war am vergangenen Mittwoch im Bundestag auf AfD-Einladung zu Gast.
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Thorsten Schulte lebt in Hamm und war am vergangenen Mittwoch im Bundestag auf AfD-Einladung zu Gast.

Als am Mittwoch das neue Infektionsschutzgesetz im Bundestag beschlossen wurde, protestierten jenseits der Bannmeile Tausende Menschen gegen das Gesetz. Auch im Bundestag waren auf Einladung der AfD rechte Medienaktivisten und Verschwörungstheoretiker unterwegs, die Abgeordnete teils bedrängten – mit dabei war der Hammer Thorsten Schulte. Bedrängt wurde unter anderem Wirtschaftsminister Peter Altmaier.

Hamm - Schulte bestätigte am Donnerstagabend auf WA-Anfrage, dass er auf Einladung des AfD-Abgeordneten Udo Hemmelgarn in den Bundestag gelangte. Seine Stimme ist in einem Video zu hören, in dem Altmaier vor einem Fahrstuhl unter anderem von der rechten Aktivistin Rebecca Sommer gefilmt, bedrängt und beschimpft wird.

Störer bedrängen Wirtschaftsminister Altmaier

„Möchte Herr Altmaier nichts sagen? Das ist schade“, ist von Schulte zu hören. Ein anderer Mann sagt: „Was für ein Arschloch. Aufgeblasener kleiner Wannabe-König.“ Dass er das Video selbst gefilmt hat, bestreitet Schulte. Mehrere überregionale Medien wie der Spiegel identifizieren den 47-Jährigen allerdings als Kameramann. Schulte dagegen behauptet, Sommer nicht zu kennen und unabhängig von ihr unterwegs gewesen zu sein.

Die politischen Debatte über die Grenzüberschreitungen der AfD-Gäste im Bundestag könne er nicht verstehen, sagt Schulte: „Ich halte es für grotesk, zu sagen, da wurden Verfassungsorgane genötigt. Die Frau hat Herrn Altmaier ja nicht tätlich angegriffen.“

Ankündigung auf Telegram-Kanal

Schon am Vortag kokettierte Schulte auf seinem Telegram-Kanal damit, womöglich unangenehm aufzufallen. 55.000 Menschen folgen ihm dort. Schulte schreibt, ihm sei von der Bundestagspolizei mitgeteilt worden, dass Verfahren gegen ihn anhängig seien und er bei einem weiteren Vergehen nicht mehr in den Bundestag dürfe.

Schultes mit einem Lach-Smiley versehener Kommentar dazu: „Dann werde ich vielleicht morgen das letzte Mal in den Bundestag.“ Davon, dass er nun ein Hausverbot erhalte, gehe er fest aus, sagte er unserer Redaktion am Donnerstagabend.

Kandidat für die AfD, trotzdem parteilos

Schulte sagt, er sei parteilos. Er tritt aber immer wieder auf Veranstaltungen der AfD sowie auf Demonstrationen und Kundgebungen zum Protest gegen die Corona-Schutzmaßnahmen als Redner auf. Bei der diesjährigen Kommunalwahl ließ sich Schulte von der AfD in Bockum-Hövel aufstellen – als „reiner Zählkandidat“ wie er sagt. Er erreichte 186 Stimmen. Mit der AfD wolle er dennoch nicht in Verbindung gebracht werden.

Der 47-Jährige war um die Jahrtausendwende Hoffnungsträger der Hammer CDU. Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann in Hamm wechselte er als Investmentbanker zu verschiedenen Banken nach Frankfurt.

Mittlerweile hat er sich als verschwörungsideologischer Publizist in der rechten Szene einen Namen gemacht und trifft auch als Unternehmensberater und Anlageberater im Netz auf, wo er sich „Silberjunge“ nennt.

Am Freitagabend demonstrieren erneut die selbst erklärten „Querdenker“ in der Hammer Innenstadt. Es kommt zu Verkehrsbehinderungen.

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