Zwischen Kurzarbeit und Hochbetrieb: So trifft die Krise Unternehmen

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Bei Hella wurde Kurzarbeit angemeldet - hier ein Bild von einer Werksbesichtigung vor der Krise.

Mit dem Automobilzulieferer Hella hat einer der größten Hammer Betriebe Kurzarbeit angemeldet. SMT Scharf, Hamms einziges Dax-notiertes Unternehmen, produziert dagegen weiter Hängebahnen für Bergwerke. Die Krise trifft die Hammer Firmen unterschiedlich hart.

Mit dem Automobilzulieferer Hella hat einer der größten Hammer Betriebe Kurzarbeit angemeldet. SMT Scharf, Hamms einziges Dax-notiertes Unternehmen, produziert dagegen weiter Hängebahnen für Bergwerke.

Mit Homeoffice und Arbeit in Kleingruppen wollen zahlreiche Unternehmen das Ansteckungsrisiko für die Mitarbeiter klein halten. Ein Überblick über das Wirtschaftsleben in Corona-Zeiten.

Produktion bei Hella steht mindestens zwei Wochen still

Für mindestens zwei Wochen steht die Produktion im Bockum-Höveler Hella-Werk still. Die rund 1000 Mitarbeiter sind seit Montag in Kurzarbeit. Dabei soll es bis Freitag, 17. April, bleiben – mindestens. „Alle fahren ja ein Stück weit auf Sicht“, sagt Unternehmenssprecher Dr. Markus Richter. Die Lage ändere sich sehr schnell, sodass man von Woche zu Woche entscheide, wie es weitergehen soll.

Richter sagt, das Werk in Bockum-Hövel sei eigentlich gut aufgestellt. Es fertigt Radarsensoren, Funkschlüssel und Batteriesensoren, unabhängig vom Antrieb der Autos. Dass die Werke in eineinhalb Wochen die Produktion wieder hochfahren wie gehabt, glaubt Richter nicht. Optimistisch stimmt ihn die Situation in China, wo der Zulieferer ebenfalls produziert: Nachdem die Werke dort geschlossen waren, produzieren sie nun wieder mit 60 bis 70 Prozent ihrer Kapazität.

SMT Scharf: "Wir leiden unter der Krise, aber kommen zurecht"

Nach China schaut man auch bei bei der SMT Scharf AG. Angekündigt habe sich die Krise bereits Ende Dezember, sagt der Vorstandsvorsitzende Hans Joachim Theiß. Damals sei die Kommunikation mit Kunden vor Ort schwieriger geworden. In Hamm habe man sich dann seit Januar auf Corona und die Folgen vorbereitet – unter den gegebenen Umständen erfolgreich. „Wir leiden unter der Krise“, sagt Theiß. „Aber wir kommen zurecht.“ Kurzarbeit musste das Unternehmen noch nicht anmelden.

Bei Scharf wurden Arbeitsabläufe umgestellt, um die Ansteckungsgefahr zu senken: Für einige Mitarbeiter heißt das Homeoffice, für andere Arbeit im Mehrschichtensystem, immer in der gleichen Konstellation. So ließen sich Kontakte reduzieren, sagt Theiß.

Die Produktion laufe normal, die Lieferketten seien intakt, der chinesische Markt ziehe mittlerweile wieder an. SMT Scharf habe volle Auftragsbücher, im Sommer könnten kurzfristige Aufträge aber ausbleiben.

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Auch beim Lackproduzenten Hesse-Lignal hat man sich auf Corona vorbereitet. Seit Anfang März gebe es einen betrieblichen Pandemieplan, sagt Unternehmenssprecherin Hanna Hesse: verschärfte Hygiene-Regeln, Homeoffice und Arbeit in Kleinstgruppen.

Ein Risikomanagement sorge dafür, dass Lieferketten aufrecht erhalten werden. Doch auch wenn die Produktion läuft, trifft die Krise das Unternehmen. Weil erste Kunden ihre Produktion gestoppt hätten, sei der eigene Außendienst bereits in Kurzarbeit, so Hesse. Andere Unternehmensbereiche sollen nach Ostern in Teilen folgen.

Bei Jäckering wird mehr Mehl gemahlen, um Nachfrage zu bedienen

Im Mühlenwerk Jäckering hat man wegen Corona einen Teil der Produktion umgestellt und Mehl gemahlen, um die große Nachfrage zu bedienen. Das Kerngeschäft bleibe aber die Stärkeproduktion für die Papierindustrie, sagt Geschäftsführer Dirk Lange. Durch den Versandhandel gab es hier schon vor der Krise einen Boom. Momentan laufe der Betrieb unverändert gut, so Lange. Schwieriger sei die Situation in der PVC-Aufbereitung, hier seien zwölf Mitarbeiter in Kurzarbeit.

Eigentlich könnte der Maschinenbauer Krampe zu den Profiteuren der Corona-Krise gehören. Die vielen Pakete, die die Menschen derzeit verschicken, schlittern in Logistikzentren oftmals über Krampe-Rutschen. Aktuell verbucht Geschäftsführer Jörg Ummelmann aber noch keine neuen Bestellungen. „Die Projekte, für die man unsere Produkte braucht, haben einen sehr langen Vorlauf.“ Nach drei Wochen Krise habe seine Firma keine neuen Aufträge. Trotzdem: „Im Moment geht es bei uns noch gut.

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