Forderung: Tattoo-Studios sollen öffnen

„Wir können auch schwarz“: „Super-Nurse“-Künstler protestiert gegen Corona-Maßnahmen

Weltweit bekannt durch Graffiti: Sprayer Kai Uzey Wohlgemuth aus Hamm.
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Weltweit bekannt durch Graffiti: Sprayer Kai Uzey Wohlgemuth aus Hamm mit seiner Super Nurse.

Die „Super-Nurse“ von Kai Wohlgemuth wurde in der Corona-Krise weltweit bekannt. Doch dem Hammer Künstler brachte das Werk wenig. Er macht nun mit einer drastischen Aktion auf die Probleme seines Berufsstands aufmerksam.

Hamm – „Wir können auch schwarz. Öffnet die Tattoostudios“, hat der 46-jährige Künstler Kai Wohlgemuth an die legal bespraybare Wand am Radweg zwischen Hellweg und Rückseite des Ökonomierat-Petzmeier-Platzes im Hammer Süden geschrieben. Wohlgemuth ist Künstler - und Tätowierer. Mit dem Graffiti protestiert er dagegen, dass Tätowierer in der Coronakrise weiterhin geschlossen bleiben müssen.

Wohlgemuth hat damit die deutschlandweite Aktion des Mönchengladbacher Tätowierers „Locster“ nach Hamm gebracht. Die Worte sind bewusst provokant gewählt. Wohlgemuth ärgert es, dass Friseure seit Montag wieder öffnen dürfen – vermeintlich deshalb, weil sie sonst „schwarz“, also illegal, arbeiten würden, wie sogar schon Politiker spekulieren.

Schön bunt war gestern: Der Künstler Kai Wohlgemuth möchte seine Unzufriedenheit über die Beschlüsse der Politik ausdrücken.

Lockdown wegen Coronavirus: Tätowierer fragt, wieso gerade Friseure öffnen dürfen

Wohlgemuth sieht eine Willkür dahinter, dass Friseure öffnen dürfen, Kosmetiker, Tätowierer und ähnliche Branchen aber nicht. „Für manch einen gleicht der Besuch beim Tätowierer einem Seelenurlaub“, sagt er und fügt hinzu, dass dies nur derjenige verstehe, der sich mit der Materie auskenne – und damit meint Wohlgemuth wohl kaum einen Politiker. Was der Tätowierer mit eigenem Atelier an der Martin-Luther-Straße ebenfalls nicht verstehen kann: „Unabhängig von Corona achten wir Tätowierer besonders gut auf die Hygienebedingungen.“ Sie sorgten für steriles Arbeitswerkzeug, Mundschutz sowie die ständige Hände- und Flächendesinfektion.

Apropos Schwarzarbeit: die kommt für ihn nicht in Frage – trotz entsprechender Anfragen. „Ich habe schon unmoralische Angebote bekommen“, sagt der Tätowierer und Künstler, der diese aber vehement ablehnt. Lange dürfe die aktuelle Situation aber nicht mehr anhalten, sonst sei seine weitere berufliche Zukunft in Gefahr. Klar, die Einnahmen fehlen schließlich.

Weltbekanntes Graffiti „Super Nurse“ hat sich nicht ausgezahlt

Denn nach dem Frühjahr 2020 ist der Tattoo-Laden von „Uzey“, so Wohlgemuths Künstlername, seit November erneut geschlossen. Wann er wieder öffnen kann, ist offen. Aktuell sieht es so aus, als stehe Deutschland vor einer Verlängerung des Lockdowns.

„Im Moment kann ich nur überleben, weil ich die Corona-Hilfen in Anspruch nehme“, erzählt der Hammer. Seine Kosten für das Atelier, die Lebenshaltung sowie vieles mehr würden schließlich weiter laufen.

Graffiti-Künstler Wohlgemuth kann die Anfragen nicht abarbeiten, die er bekommt

Daran habe auch der weltweite Hype um sein berühmtes Graffitimotiv „Super Nurse“ nichts geändert. Das Motiv einer heldenhaften Krankenschwester, mit dem Kai Wohlgemuth allen Mitarbeitern im Gesundheitswesen für ihr Engagement während der Coronazeit gedankt hat, habe sich finanziell nicht ausgewirkt.

Er kann auch niedlich: Graffiti-Künstler Kai Wohlgemuth vor seiner Überraschungswand.

„Der Bekanntheitsgrad ist gestiegen und ich werde viel darauf angesprochen“, so der Hammer, der die vielen Aufträge aktuell schlichtweg nicht abarbeiten darf. Auch deshalb malt er im Moment meist für sich alleine – mal zuhause und mal an den legalen Graffitiwänden in Hamm. Anfang dieser Woche hat der 46-Jährige auch seine „Überraschungswand“ an der Ostwennemarstraße wieder überarbeitet. Dieses Mal mit einem süßen Snoopy-Motiv.

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