Unsichere Lage

Wie lange bleibt das Impfzentrum Hamm? Ärzte warnen vor einer vorzeitigen Schließung

Geht es hier bald direkt und ohne Umweg in die Sackgasse? Es ist zumindest unsicher, wie lange das Impfzentrum in Hamm an der Friedensschule noch fortbestehen wird.
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Geht es hier bald direkt und ohne Umweg in die Sackgasse? Es ist zumindest unsicher, wie lange das Impfzentrum in Hamm an der Friedensschule noch fortbestehen wird.

Seit Haus- und Betriebsärzte gegen Corona mitimpfen, stellt sich die Frage: Bis wann braucht es die Impfzentren? Auch NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hatte am Wochenende bei einem Besuch in Soest entsprechende Fragen geäußert. Er hatte betont, dass das Impfen wieder zurück in die Arztpraxen gebracht werden soll. Was bedeutet das für das Impfzentrum an der Friedensschule?

Hamm – Stadtsprecher Lukas Huster stellt klar, dass das Land NRW bisher bis zum 30. September die Finanzierung des Impfzentrums zugesagt hat. Wie es danach weitergeht, steht nicht fest. Dazu soll spätestens im Juli eine Entscheidung fallen. Viele Fragen seien noch offen. (News zum Coronavirus in Hamm)

Bundesweit 120 Millionen Dosen - aber wie viele für Hamm?

So müsste geklärt werden, wieviel Impfstoff im dritten Quartal die Impfzentren zugewiesen bekommen. Nach Auskunft der Stadt Hamm sind bundesweit mehr als 120 Millionen Dosen verschiedener Hersteller angekündigt. Wie viele und wann sie nach Hamm kommen, steht indes nicht fest. Im Raum steht zudem die Auffrischungsimpfung. Mediziner sind sich einig: Die Corona-Impfung hält nicht ewig.

Einige Experten gehen davon aus, dass bei bestimmten Patientengruppen der Schutz durch eine dritte Impfung aufgefrischt werden muss. Wie und ob das auch in den Impfzentren durchgeführt werden soll, steht ebenfalls noch nicht fest. Es gibt also viele offene Fragen, auf die die Stadt erst Antworten haben möchte, um dann eine Entscheidung treffen zu können. Die Möglichkeiten, die zur Auswahl stehen, sind ein „weiter so“, gegebenenfalls eine Verkleinerung oder gar die Schließung des Impfzentrums.

Bohle: „Angst vor noch mehr Arbeit für die Ärzte“

Derzeit werden alle laufenden Kosten des Impfzentrums auf den Bund und das Land umgelegt. „Für die Kosten des Impfzentrums ist eine echte Kostenerstattung seitens des Bundes und des Landes zugesagt“, so Huster. Konkrete Zahlen konnte die Stadt aktuell noch nicht nennen. Würden Land und Bund aber die Zahlungen einstellen, dann bedeutet das wohl das Ende des Impfzentrums.

Ein Szenario, vor dem Matthias Bohle, Sprecher der Hammer Ärzteschaft, sich fürchtet. Er warnt vor einer voreiligen Schließung des Impfzentrums. „Das würde ein echter Rückschritt sein“, befürchtet er. „Ich habe Angst davor, dass dann noch mehr Arbeit auf die Ärzte zukommt, die in den vergangenen Wochen schon am Limit gearbeitet haben“, so Bohle.

Ohnehin gebe es in Hamm rund zehn Hausärzte weniger als vor einem Jahr. Die Telefone in den verbliebenen Praxen liefen schon heiß und die Hausärzte bekämen zunehmend Probleme bei der Regelversorgung. Würden die Ärzte alleine in das Impfen eingebunden, dann könnte es länger dauern, bis die Impfaktion abgeschlossen ist. Jetzt über eine Schließung des Impfzentrums nachzudenken, sei töricht.

Steigen die Inzidenzzahlen nach den Ferien wieder?

„Die Corona-Lage und die Delta-Variante müssen betrachtet werden.“ Bohle geht davon aus, dass nach den Sommerferien die Inzidenzzahlen wieder steigen, weil viele Hammer aus dem Urlaub zurückkehren und die Delta-Variante mitbringen. Bohle: „Dann muss weiter mit Hochdruck geimpft werden, das können die Hausärzte alleine nicht leisten.“

Er selber könne sich auch vorstellen, Impfstoff, den seine Praxis geliefert bekommt, dem Impfzentrum zur Verfügung zu stellen, damit dort mehr geimpft werden könne und seine Praxis entlastet werde. Dieser Ansicht seien aber nicht alle seiner Kollegen.

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