Alle Mitarbeiter müssen getestet werden

Corona-Verdacht bei Westfleisch: Wackeln Lockerungen in Hamm?

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Der Eingangsbereich der Firma Westfleisch in Uentrop.

Weil bei Westfleisch in Coesfeld 151 Mitarbeiter positiv auf Corona getestet wurden, muss der Kreis den Großteil seiner Lockerungen um mindestens eine Woche verschieben. Auch in Hamm müssen alle Westfleisch-Mitarbeiter jetzt getestet werden. Was bedeutet das für die Stadt?

Hamm - Der Westfleisch-Schlachtbetrieb in Uentrop ist mit mehr als 1000 Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber der Stadt. Sie alle müssen wegen der Entwicklung in Coesfeld nun auf das Coronavirus getestet werden. Sollte die Obergrenze für die anstehenden Lockerungsmaßahmen (50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner in sieben Tagen; auf die Einwohnerzahl von Hamm bezogen wären das 90 Personen) dabei erreicht oder gar überschritten werden, müsste auch die Stadt Hamm Konsequenzen wie in Coesfeld ziehen.

Für Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann ist die Westfleisch-Problematik die größte Herausforderung seit Beginn der Krise in der Stadt Hamm. Diese Aufgaben beziehungsweise Eckpunkte nannte er am Freitag:

  • Mehr als 1000 Mitarbeiter von Westfleisch in Uentrop müssen nun schnellstmöglich getestet werden, und zwar am Sonntag und Montag.
  • Der OB hofft, dass bis Mittwoch belastbare Ergebnisse vorliegen werden. Das Gesundheitsministerium drängt auf schnelles Handeln.
  • Es gilt, nicht nur die Zahl der Infizierten zu ermitteln, sondern auch die Infektionsketten zu ermitteln und zu durchbrechen.
  • Die Stadt Hamm muss diese Tests selbst durchführen; die meisten der Beschäftigten wohnen in Hamm.
  • Rund 600 Wohnungen der Betroffenen müssen in Hamm begangen und kontrolliert werden.
  • Für die Massentestung wird am Samstag auf dem Betriebsgelände in Uentrop eine entsprechende Infrastruktur unter anderem mit Zelten aufgebaut werden. Aktuell sei man noch in einem gewissen "Stadium der Improvisation", gibt der OB zu.
  • Die Stadt hat bereits neun Ärzte gefunden, die die Testungen in Uentrop durchführen werden. Ferner stehen laut OB genügend Dolmetscher zur Verfügung.
  • Ein Test dauert im Idealfall etwa 4 Minuten.
  • Positiv getestete Mitarbeiter müssen isoliert werden. Bis zu 100 könnte die Stadt selbstständig unterbringen, im Notfall muss auf Hotels zurückgegriffen werden.
  • Der Betrieb bei Westfleisch läuft bis auf Weiteres weiter; für eine Stilllegung gebe es bisher keine Veranlassung, so der OB.

Hunsteger-Petermann betont, dass der Betrieb in Uentrop ein Hotspot sein kann, aber nicht muss. Konkrete Anzeichen gebe es bislang nicht. Aber nach den Erfahrungen von Coesfeld müsse man zumindest vorsichtig sein und genau hinsehen. Ob und in welcher Form es Verbindungen zwischen des Westfleisch-Schlachthöfen gibt, sei für die Stadt unklar.

Dem OB zufolge gab es kooperative Gespräche mit der Westfleisch-Leitung, mit der die Vorgänge abgestimmt werden müssen; die Bezirksregierung Arnsberg hat Unterstützung signalisiert.

Erst am Donnerstag zeigte sich, wie brüchig das Lockerungskonzept in der Corona-Frage ist. Da wurde bekannt, dass es infolge neuer Verdachtsfälle in Seniorenheimen in Hamm hunderte neue Tests durchgeführt würden.

Das ist die Westfleisch-Gruppe:

Die Westfleisch SCE mit beschränkter Haftung ist die genossenschaftlich organisierte Mutterfirma einer nordwestdeutschen Unternehmensgruppe der Fleischindustrie mit Sitz in Münster. Sie arbeitet eng mit der Westfleisch Finanz AG zusammen. In Deutschland ist Westfleisch drittgrößtes fleischverarbeitendes Unternehmen. (Quelle: Wikipedia)

Das "Fleischcenter" in der Kranstraße in Uentrop ist einer von neun verarbeitenden Betrieben in Deutschland. Ab 1. Juli sollen dort ausschließlich Schweine geschlachtet und zerlegt werden. Im Rahmen des Strukturprojekts „Westfleisch 2025“ wird Hamm damit als letztes Fleischcenter der Westfleisch-Gruppe zum Monobetrieb umgerüstet.

Coronavirus in Hamm - weitere Infos:

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