Verwaltung reduziert, Fahrschulen dicht, Busfahrplan eingeschränkt

Knallharte neue Konsequenzen und weitere Infizierte in Hamm

In Hamm werden alle Fahrschulen geschlossen.
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In Hamm werden alle Fahrschulen geschlossen.

[Update 17.35 Uhr] Die Zahl der offiziell bekannten mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infizierten Personen in Hamm ist weiter gestiegen. Zugleich wurden etliche weitere harte Konsequenzen für die Stadt bekannt.

Hamm - Am Dienstag waren den offiziellen Stellen der Stadt Hamm 21 Infizierte bekannt und damit elf mehr als am Vortag. 13 von ihnen sind Männer, 8 Frauen. Bei den meisten handelt es um Urlaubsrückkehrer aus Österreich oder Tirol, bei allen wird während der häuslichen Quarantäne ein leichter Verlauf der Erkrankung beobachtet. Ein Mann und eine Frau haben sich in Hamm angesteckt und sind nahe Angehörige von Reiserückkehrern. "Das ist eine neue Dimension und verdeutlicht, wie schnell das gehen kann", sagte Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann am späten Dienstagnachmittag.

Zusätzlich zu den direkt Betroffenen sind aktuell 60 Personen in häuslicher Quarantäne. Das sind "Kontaktpersonen Stufe 1", die engen Kontakt hatten. Dazu kommen weitere Fälle, die "vielleicht Kontakt" hatten. Aus diesem Kreis ist noch niemand positiv getestet worden.

"Ich wage zu prophezeihen, dass die Zahl der Corona-Infizierten überall deutlich größer ist als gemeldet, weil die Grenze zwischen leichter Grippe und Corona weit offen ist" mahnt der OB. "Fakt ist: Das Virus ist in der Stadt und wird sich weiter ausbreiten. Alles, was wir jetzt machen, zielt drauf ab, die Ketten zu unterbrechen oder zu verlangsamen. Ob das gelingt, sehen wir frühestens Ende März."

Coronavirus in Hamm trifft Handel und Fahrschulen

  • Zunächst: Alles, was nicht explizit verboten ist, bleibt erlaubt. Aber: In den kommenden Tagen kann es je nach Veränderung der Lage Verschärfungen geben.
  • Der Einzelhandel bleibt geöffnet. Damit reagiert die Stadt weniger drastisch als vom Bund vorgeschlagen, um einen Teil des öffentlichen Lebens aufrecht zu erhalten. Das Allee-Center wird trotzdem nur noch eingeschränkt öffnen.
  • Die neue Sperrzeit für Gastronomie-Betriebe liegt bei 15 bis 6 Uhr. Konkret: Sie dürfen um 6 Uhr öffnen und müssen spätestens um 15 Uhr schließen.
  • Die Fahrschulen sind ab sofort geschlossen: Es darf weder in Theorie noch Praxis mehr ausgebildet werden. Die hiesigen Fahrschulbetriebe unterhalten im Stadtgebiet rund 50 Filialen. Die Regelung gilt zunächst bis zum 19. April.
  • Coronavirus in Hamm trifft Verwaltung und Jobcenter
  • Die Stadtverwaltung darf nur noch nach Terminabsprachen besucht werden. Alle Besucher müssen registriert werden. An den Arbeitsplätzen werden Plexiglasscheiben aufgebaut.

    Bernd Maßmann, Leiter des Personalamtes der Stadt: "Den Zutritt für Verwaltungsgebäude werden wir drastisch einschränken. Unsere Mitarbeiter sind auch systemrelevant. Wir müssen die Arbeitsfähigkeit der Verwaltung aufrecht erhalten." Eine skurrile Situation: 80-Jährige waren im Bürgeramt und wollten Reisepässe beantragen. "Wir müssen die Bürger auch vor sich selbst schützen. Reisepässe brauchen sie im Moment eh nicht."

    Der OB bittet alle Bürger, sich aktuell nur mit dem Nötigsten an die Verwaltung zu wenden (zum Beispiel Auto anmelden, Sterbeurkunden oder Hochzeiten). Personalausweise können auch später beantragt werden. "Ansonsten bricht auch unser System zusammen", sagt der OB. Die Bürger werden immer nur einzeln bedient. In den Bürgerämtern wird es nur zwei Arbeitsplätze geben, die besetzt sind.

    Die Hotline für Termine mit der Verwaltung: 17-7777 von halb 8 bis 18 Uhr, samstags von 9 bis 13 Uhr.
  • Für das Jobcenter (KJC) gibt es eine eigene Hotline: 17-6991. Angelegenheiten des KJC sollen überwiegend schriftlich erledigt werden. Das Jobcenter ist allerdings auch nur zu den normalen Öffnungszeiten über diese Nummer zu erreichen.
  • Die Stadt nimmt keine Barzahlung mehr an. Es darf nur noch bargeldlos gezahlt werden, entweder per EC-Karte oder auf Rechnung.
  • Das Servicebüro im technischen Rathaus wird geschlossen.
  • 40 Standorte, in denen es Bürgerverkehr gibt, müssen jetzt ausgerüstet werden. Kleinere Standorte werden abgeschlossen. Rein kommt nur, wer einen Termin hat.

Coronavirus in Hamm trifft Linienbusverkehr

  • Der Busverkehr wird umgestellt: Die Linienbusse werden nur noch eingeschränkt fahren. In der Nacht von Freitag auf Samstag wird zunächst der Nachtbusbetrieb eingestellt. Dies gilt ab 24 Uhr. Ebenso soll der reguläre Fahrplan eingekürzt werden. Näheres wollen die Verkehrsbetriebe am Mittwoch bekannt geben. Wie eine Unternehmenssprecherin mitteilte, soll auf den Sonntagsfahrplan umgestellt werden. Zusätzlich soll es in den Morgenstunden Ergänzungsfahrten geben.
  • Nicht medizinische Massagebetriebe werden geschlossen, Physios dürfen weitermachen.
  • Reisebusreisen sind ab Mittwoch verboten.
  • Die 260 Spiel- und Bolzplätze werden am Mittwoch mit Absperrband abgesperrt.
  • Um die Verbote und Anordnungen prüfen zu können, soll der kommunale Ordnungsdienst (KOD) erheblich aufgestockt werden. Mitarbeiter unter anderem aus der Jugendhilfe werden eingesetzt.
  • Die Zahl der Kita-Kinder in der Notbetreuung lag am Dienstag bei 94, das waren nochmal weniger als am Montag (115).
  • Kirchen, Islamverbände und jüdischen Gemeinden haben erklärt, dass alle Gottesdienst-Tätigkeiten ruhen. Das war in Hamm faktisch schon der Fall seit dem Wochenende.

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Wir sind verwirrt, Sie sicher auch: Was ist in NRW inzwischen eigentlich alles verboten, erlaubt oder beschränkt? Wir haben für Sie hier eine Übersicht erstellt!

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