"Erlösung" auf der Parkplatz

WC-Odyssee: Kundin wird dreimal coronabedingt abgewiesen und entscheidet sich für Notlösung

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Das Toilettenhäuschen auf dem Santa-Monica-Platz ist geöffnet und wird intensiv gereinigt.

Hamm – Die Geschäfte haben wieder geöffnet, doch wer während seines Einkaufs sein „Geschäfts“ verrichten muss, sollte wissen, dass dies zu Corona-Zeiten nicht an jedem Ort so möglich ist, wie es Kunden vielleicht bisher gewohnt waren. Das erfuhr jetzt eine Besucherin der Innenstadt, deren WC-Suche erfolglos endete.

„Mir stand das Wasser bis zum Hals“, sagt die Frau, die namentlich nicht genannt werden möchte. Jetzt kann sie über ihre Odyssee und das Wortspiel lachen, doch in dem Moment war die Situation für sie gar nicht lustig. Im Kaufhof tätigte die Frau einen schnellen Einkauf, in der Hoffnung, dort die Kundentoiletten nutzen zu können. Doch der Zutritt zum Örtchen im abgesperrten Obergeschoss blieb ihr verwehrt.

„Man hat mir geraten, zu Woolworth zu gehen“, sagt sie. Mit dem gleichen Ergebnis: Auch hier waren die Toiletten verschlossen. Sie möge es doch beim Bäcker gegenüber versuchen, lautete der Rat. Aber auch der Bäcker konnte ihr nicht weiterhelfen. Als der Druck nicht mehr auszuhalten war, tat die Frau etwas, was sie sonst nie tun würde: Hinter der Beifahrertür als Sichtschutz verrichtete sie ihr kleines Geschäft auf einem Parkplatz.

Wohl nicht die Einzige mit diesem Problem

„Was hätte ich denn in meiner Not tun sollen?“, fragt sie. „In der Gastronomie kann man momentan nicht fragen, da bleibt nicht so viel.“ Sie fürchtet, dass sie nicht die Einzige ist, die in diese Situation gerät und nicht mehr weiterweiß. „Für mich ist es nicht nachvollziehbar, dass Geschäfte wieder öffnen dürfen, aber keine Toiletten vorhalten müssen“, sagt sie. Und mit der allseits geforderten Hygiene hätten solche Notlösungen dann gar nichts mehr zu tun.

Tatsächlich gibt es bauordnungsrechtliche Vorschriften darüber, wann eine Toilette vorzuhalten ist. Diese Regelung gilt ab einer Gesamtfläche von 2.000 Quadratmetern. In der Hammer Innenstadt fallen darunter das Allee-Center und der Kaufhof.

Toilettengang nur mit Begleitung?

Der Kaufhof hatte seine Ladenfläche als Voraussetzung für die Wiederöffnung auf 800 Quadratmeter reduziert. Mit der Verringerung der Verkaufsfläche müsse man die Toiletten im für Kunden abgesperrten Obergeschoss nicht öffnen, so Stadtsprecher Lukas Huster. Wären sie geöffnet, müsste jeder Toilettengang durch Personal begleitet werden.

„Die Vorschrift bezieht sich nicht auf die Größe der gesamten Fläche, sondern auf die tatsächliche Verkaufsfläche“, erläutert Huster.

Im Allee-Center sind die Kundentoiletten zugänglich, allerdings etwas anders als üblich: Um die Situation in diesen Bereichen zu entzerren, ist im Erdgeschoss ausschließlich die Behindertentoilette geöffnet, im Obergeschoss befinden sich das Damen- und das Herren-WC.

Stadt kann Betriebe nicht verpflichten

Alle Betriebe, die unter der Größe von 2.000 Quadratmeter liegen, können selbst entscheiden, ob sie ihre Toiletten öffnen oder nicht. „Dafür gibt es keine Vorschriften“, so der Sprecher. „Wir können niemanden verpflichten und haben keinen Einfluss auf die Entscheidung. Sollten sie geöffnet sein, sollte darauf geachtet werden, dass stets ausreichend Seife und Desinfektionsmittel vorhanden ist.“

Und die öffentlichen Einrichtungen der Stadt? „Die Toiletten, zum Beispiel im Technischen Rathaus, sind geöffnet und entsprechend ausgestattet“, sagt Huster weiter. Sie würden derzeit noch häufiger als sonst kontrolliert. Das gelte im Übrigen auch für die öffentliche Münztoilette am Santa-Monica-Platz. „Sie wird regelmäßig intensiv gereinigt und desinfiziert“, sagt der Stadtsprecher.

Für die WA-Leserin ist bei ihrem Stadtbesuch sicher einiges dumm zusammengelaufen, ratsam für Kunden ist es in diesen Zeiten aber sicherlich, WC-Lösungen im Auge zu haben. Damit daraus kein Notfall wird.

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