Wegen Corona

Mit viel Musik und Zuneigung: Pflegepersonal geht zu Ostern besondere Wege

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Videoanruf im Altenheim St. Josef: Waltraud Baumgärtl spricht via Skype mit ihren Angehörigen, Andrea Celik (Mitarbeiterin im Sozialdienst) hilft mit der Technik.

Kein Besuch, kein Kaffeetrinken in großer Runde, keine Andacht mit dem Pfarrer – Ostern findet in den Hammer Altenheimen in ungewohntem Rahmen statt. Doch Betreuer und Pflegekräfte wollen den Bewohnern trotz der Einschränkungen ein fröhliches Osterfest bereiten. Die Rezepte: Ein Ostermahl in Kleingruppen und Kontakt zur Außenwelt über Tablets.

Hamm – Mit einem allgemeinen Besuchsverbot soll das Ansteckungsrisiko in Alten- und Pflegeheimen gering gehalten werden. „Wir handhaben das auch streng“, sagt Britta Kock, die den Sozialen Dienst im Herringer Caritas-Altenheim St. Josef leitet. Es bleiben ungewöhnliche Wege, um in Kontakt zu bleiben: Familien, die sich unterm Fenster eines Angehörigen versammeln beispielsweise.

Das kennt auch Stefanie Weigt-Bode, die das Amalie-Sieveking-Haus in Hamm-Osten leitet. Dort haben Angehörige schon Grußbotschaften mit Riesenherzen hochgehalten. Eine Tochter, sagt Weigt-Bode, komme jeden Tag mit dem Hund vorbei. Und jeden Nachmittag spiele der Posaunenchor auf dem Parkplatz. Die Altenheimbewohner lauschen dann vom Balkon aus.

"Musik ist das A und O"

„Musik ist das A und O“, meint auch Ulrike Schustereit, die nicht weit entfernt den Sozialen Dienst des Seniorenzentrums „Am Kurpark“ leitet. Dort soll Hardy‘s Jazz Band aus Gelsenkirchen den Bewohnern ein Osterständchen spielen – im gebührendem Abstand auf dem Hof. Der traditionelle Osterbrunch mit den Angehörigen falle ja leider aus, sagt Schustereit. Das Ostermahl finde notgedrungen in den Wohnbereichen statt, sagt Britta Kock. Und die Andacht auch, „Kirche in der Küche“.

Musik ist wichtig – so wie hier am Schillerplatz spielen in diesen Tage immer wieder Gruppen vor Senioren.

Viele Altenheime setzen auf moderne Technik, um den Bewohnern Kontakt mit ihren Familien zu ermöglichen. „Wir machen das über Skype“, sagt Meike Kemper, Leiterin des Altenzentrums Liebfrauen in Hamm-Süden. Viele Angehörige nutzen den Dienst, mit dem sich Bildtelefongespräche führen lassen, „mehr als wir dachten“. Es seien auch Tablets mit Familienfotos abgegeben worden, die Bewohner könnten durch die Bilddateien ihrer Liebsten klicken.

Die Enkeltochter kennenlernen - über das Tablet

Hilfestellung seitens der Mitarbeiter sei da natürlich notwendig, sagt Kemper. Die Möglichkeiten solcher Dienste weiß man auch in den anderen Häusern zu schätzen. Sich zu sehen sei eben mehr als sich nur zu hören, sagt Britta Kock. Ein Bewohner, sagt Ute Schustereit, habe seine Enkeltochter so zum ersten Mal gesehen.

Die Bewohner erfassten die besondere Situation durchaus, sagt Meike Kemper. Viele seien traurig, zu Ostern keinen Besuch zu bekommen, aber froh, geschützt zu werden. Schwierig ist die Situation für beide Seiten. „Wir tragen Masken zum Schutz der Bewohner“, sagt Ute Schustereit. „Die Hälfte der Mimik fällt dann weg.“ Berührungen seinen nur mit Handschuhen möglich. Nicht alle Bewohner könnten das einordnen: „Warum ist das so?“, heiße es dann. Und: „Wann ist das endlich vorbei?“

Mitarbeiter zeigen unglaubliches Engagement

Auch die Mitarbeiter hätten ihre Ängste und Sorgen, sagt Stefanie Weigt-Bode. Und zeigten dabei ein unglaubliches Engagement. Das sehen auch ihre Kolleginnen so. In ihrem Haus verzichteten viele über Ostern auf freie Tage und das Fest mit der eigenen Familie, um in den Wohnbereichen auszuhelfen.

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