"Irgendwas geht immer"

Hammer Veranstaltungstechniker bieten Corona-Krise die Stirn

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Die Matzka Veranstaltungsservice GmbH beleuchtet und beschallt unter anderem den „Hammer Summer“.

Die Situation könnte dramatischer kaum sein, eine ganze Branche steht vor dem Aus, keine Aufträge, keine Umsätze, keine Perspektive. Zwei Hammer Unternehmer lassen sich von derlei düsteren Prognosen allerdings nicht beirren und suchen ganz unterschiedliche Wege, um die Krise zu überstehen.

Nachdem Bund und Länder Mitte März in Deutschland ein Veranstaltungsverbot verhängt haben, sind nicht nur Künstler und Aussteller aller Art in höchster Not – die gesamte Veranstaltungsbranche ist kollabiert. Bühnen-, Licht- und Tontechniker, die ihren Service auf Messen, Konzerten, Theaterbühnen oder Parteitagen anbieten, Marketing- und Eventplaner oder auch Caterer haben nichts mehr zu tun. Der Branchen-Fachverband „Famab“ mit Sitz in Rheda-Wiedenbrück hatte bereits Anfang April Umsatzrückgänge von bis zu 90 Prozent und das nahe Ende der meisten betroffenen Unternehmen an die Wand gemalt. Wie schlimm es tatsächlich kommt, wird sich erst abzeichnen, wenn die Pandemie vorüber ist.

Zwei Hammer Unternehmer lassen sich von derlei düsteren Prognosen allerdings nicht beirren und suchen ganz unterschiedliche Wege, um die Krise zu überstehen: Achim Matzka, Geschäftsführer der 1991 gegründeten und nach ihm benannten GmbH, ist ein alter Hase in der Branche und in ganz Deutschland unterwegs. In Hamm beschallt und beleuchtet er unter anderem den „Hammer Summer“, die Sportgala, katholische und evangelische Kirchentage und unlängst auch das Autokino in Uentrop. 

Rund 300.000 Euro Schaden

Für Matzka besonders bitter: Die Auftragsbücher für 2020 waren zum Platzen gefüllt. „Wir hatten Ende Februar schon zwei Drittel des gesamten Vorjahresumsatzes erwirtschaftet und sind auf ein Rekordjahr zugesteuert – es kam schon leichte Euphorie auf.“ Dann kam Corona, und fast alle Pläne und Hoffnungen waren Makulatur. Ein Großauftrag des Humboldt-Forums in Berlin, eine Landes-Parteikonferenz der Grünen, das große Kreuzviertel-Fest in Münster – alles löste sich binnen weniger Tage in Luft auf. Der finanzielle Schaden bisher: rund 300.000 Euro. Doch Matzka lässt sich nicht unterkriegen, „irgendwas geht immer“, sagt er.

Veranstalter Achim Matzka gibt sich in der Krise kämpferisch.

So konnte seine Firma trotz des Lockdowns die Jahreshauptversammlung der SMT-Scharf AG durchführen. Das Hammer Maschinenbauunternehmen hält die Veranstaltung seit Jahren im Maxipark ab und wollte das auch 2020 tun. Unter Einhaltung aller Sicherheits- und Hygienevorschriften fand die Versammlung schließlich fast ohne Gäste statt, und Matzka und sein Team sorgten dafür, dass sämtliche Redebeiträge per Videostream zu den Angestellten gelangten.

Mitarbeiter in Kurzarbeit

Matzka organisiert und produziert auch den „Hamm-Livetalk“, eine lokale Talkshow, in der sich unterschiedliche Fachleute zur Corona-Krise und deren Folgen für die Stadt Hamm äußern. Auch der „Hamm-Livetalk“ wird per Stream ins Internet übertragen. Die aktuell vielbeschworene Digitalisierung seiner Branche ist für den Hammer ein alter Hut.

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Matzkas Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Insgesamt beschäftigt der Unternehmer, der auch als Prüfer für die Industrie- und Handelskammer (IHK) tätig ist, sieben festangestellte Kräfte, vier auf 450-Euro- und weitere auf Honorarbasis. „Die wollen alle und können alle. Das tut schon richtig weh“, kommentiert der 56-Jährige die quälend lange Zwangspause. Dank einer gesunden Kapitalbasis dürfte sein Unternehmen die Corona-Krise jedoch überstehen, Urlaubsgeld will er seinen Leuten auf jeden Fall zahlen.

Luca Sandhoff betreibt gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Benedikt Nöchel in Düsseldorf die Firma „SLT Event Production GmbH“. Die Firma bietet technische Messelösungen, Personaldienstleistungen sowie die Betreuung von Eventlocations im B2B-Bereich an. Der 25-jährige gebürtige Hammer stieg im Oktober 2019 ins Unternehmen ein, nachdem er zwei Jahre lang als Technischer Leiter bei der Eventlocation „Nachtresidenz Düsseldorf“ tätig gewesen war. Wie fast alle seine Berufskollegen wurde auch der Hammer von der Corona-Krise kalt erwischt.

Auftragsbücher waren prall gefüllt

Dabei waren die Auftragsbücher Anfang 2020 vor allem dank der zahlreichen lukrativen Messen in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt prall gefüllt gewesen. „Bei der Düsseldorfer ,Beauty‘ hatten wir schon die Lichttraversen an der Decke montiert, als die Absage kam“, erzählt Luca Sandhoff. Nun hält sich die kleine Firma durch Aufträge in anderen Bereichen über Wasser. Zur Zeit arbeitet der gelernte Veranstaltungstechniker mit seinem Partner als Subunternehmer für einen Elektroinstallationsbetrieb, irgendwie muss es schließlich weitergehen.

Der gebürtige Hammer Luca Sandhoff betreibt eine Event-Agentur in Düsseldorf.

„Immer nach dem Staat zu rufen hilft ebenso wenig, wie immer zu meckern. Man muss diese Zeit halt überbrücken und zur Not auch mal weniger lukrative Jobs annehmen“, sagt Sandhoff. Mit Flexibilität und einer positiven Grundeinstellung wollen die jungen Unternehmer die Corona-Krise hinter sich bringen. Da die beiden noch alleine tätig sind, müssen sie sich um keinen Mitarbeiterstab sorgen.

Eine größere Investition 

Anfang des Jahres sei bereits bezahlt und Rücklagen vorhanden, sodass auch Luca Sandhoff und sein Partner sicher sind, die Talsohle zu durchschreiten. „Wir versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. Man ist halt Unternehmer und muss mit Krisen rechnen“, so Sandhoff. „Und wer weiß, vielleicht entwickelt sich aus der aktuellen Krise ja auch eine neue Chance!“

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