Österreich-Rückkehrer berichtet

Das unberechenbare Virus: Stefan W. war einer der ersten Patienten in Hamm - und hat noch immer Symptome

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Symbolbild.

Hamm – Nicht nur ältere Menschen leiden massiv unter den körperlichen Auswirkungen von Covid-19. Das zeigt das Beispiel von Stefan W., der eigentlich anders heißt, und sich mit dem Coronavirus im Skiurlaub in Tirol angesteckt hatte.

Der 35-jährige Hammer musste zwar nicht ins Krankenhaus, lag dafür aber zwei Wochen komplett flach und weiß noch immer nicht, wann seine Quarantäne enden wird.

Kurz nach der Diagnose am 17. März ging es W. noch gut. Ein bisschen Husten, leichtes Fieber. Danach baute er rapide ab. „Auf einmal ging es mir täglich schlechter“, sagt er. Eigentlich ist Stefan W. ein sportlicher Typ, kein Risikopatient. Was gewesen wäre, wenn er nicht mit Mitte 30 sondern mit Mitte 60 erkrankt wäre, will er sich nicht ausmalen. „Ich kann mir jetzt gut vorstellen, was für eine Gefahr dieses Virus für Ältere darstellt“, sagt der Familienvater.

Vier Kilogramm im Schlaf verloren

Anfangs habe er wie viele andere junge Menschen die große Aufmerksamkeit für den neuartigen Erreger belächelt. „Das war für mich ganz weit weg. Der ganze Zirkus wegen eines kleinen Schnupfens?“, sagte er damals angesichts der massiven Einschränkungen des öffentlichen Leben. Doch die Erkrankung hat seine Meinung geändert. „Ich war in meinem ganzen Leben nie so heruntergerafft wie jetzt. Da sieht man die Maßnahmen gegen die Verbreitung mit anderen Augen.“ Was sonst nur die Anbieter scheinheiliger Diätprogramme versprechen, hat W. geschafft: vier Kilogramm im Schlaf abgenommen. „Man schmeckt nichts, riecht nichts und hat keinen Appetit“, erklärt der 35-Jährige. „Da ist Abnehmen nicht zu verhindern.“

„Souvenir“ aus dem Ski-Urlaub - Ein infizierter Hammer erzählt

In den zurückliegenden zwei Wochen hat einmal am Tag ein Mitarbeiter des Gesundheitsamtes bei W. angerufen und sich nach seinem Befinden erkundigt. „Dort wurde ein Tagebuch für mich geführt, in dem alle Symptome und deren Auftreten und Abklingen protokolliert wurde. Elf Tage lang hatte ich Fieber“, sagt W. Aktuell hustet er noch immer kräftig. „Die Symptome müssen komplett verschwunden sein. Erst dann kann das Gesundheitsamt 48 Stunden später grünes Licht geben. Ich freue mich schon, wieder etwas anderes zu sehen. Auch, wenn es nur ein Einkaufswagen ist.“

Ende der Quarantäne ganz ohne Test

Eins steht schon jetzt fest: Einen weiteren Test wird W. am Ende seiner Quarantäne nicht mehr machen müssen. Virologen sind sich einig, dass die wenigen dann noch vorhandenen Virenzellen nicht mehr ansteckend sind. Seine Familie – mit W. sind seine Frau und die beiden Kinder in Quarantäne – hat bis heute keinen Test gemacht. Auch, wenn die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass die drei das Virus ebenfalls in sich tragen oder getragen haben.

Das Leben in Hamm in Zeiten des Virus (3)

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Abstand von der Familie, bis der Spuk vorbei ist

„Nur ich hatte Symptome. Meine Frau darf ab Dienstag wieder arbeiten gehen. Dann ist für sie der ganze Spuk vorbei“, erklärt W. Zwei Wochen lebte die junge Familie auf Abstand zueinander. Handtücher wurden komplett durch Küchenpapier ersetzt. Die Kinder brachte nur noch W.’s Frau ins Bett. „Sie hat in dieser Zeit sehr viele Aufgaben übernommen. Wären die anderen auch krank geworden, wäre auch meine Frau schnell an ihre Grenzen gekommen“, glaubt der 35-Jährige.

Ein Lichtblick? Weniger Neuerkrankte als Genesene in Hamm

Wie unberechenbar das Corona-Roulette bezogen auf die Symptome verlaufen kann, zeigen auch die Beispiele von W.’s Urlaubsbegleitern. Die beiden Männer – ebenfalls Mitte 30 – saßen auf der Rückfahrt aus Österreich acht Stunden neben W. im Auto. Einen Tag nach ihm wurden sie ebenfalls positiv auf Sars-CoV-2 getestet. Seit Samstag ist die Quarantäne der beiden beendet. Sie zeigten keinerlei Symptome.

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