Schreiben an OB

Nie wieder "Terraristika" in Hamm? PETA fordert Verbot, um Verbreitung von Viren durch Wildtiere zu verhindern

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Auf der "Terraristika" wird auch mit exotischen Wildtieren wie Schlangen gehandelt.

Um Pandemien künftig zu verhindern, appelliert die Tierschutzrechtsorganisation PETA an den Hammer Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann, die „Terraristika“ dauerhaft zu schließen.

Hamm – In einem Schreiben ans Rathaus heißt es unter anderem: „Viele der auf solchen Märkten angebotenen exotischen Tiere sind durch tagelange Transporte in winzigen Plastikboxen stark geschwächt und können als Überträger von Zoonosen ein großes Risiko darstellen. Ein Verbot ist zum Schutz der Bevölkerung und auch aus Tier- und Artenschutzgründen unumgänglich.“

Und weiter: „Die ‚Terraristika‘ in Hamm darf nie wieder öffnen. Der Handel und die Ausbeutung von Wildtieren haben nicht nur die aktuelle Corona-Krise ausgelöst, sondern in der Vergangenheit bereits zahlreiche tödliche und hochansteckende Pandemien verursacht – darunter die Sars-Pandemie, die Vogelgrippe H5N1, das Ebolafieber und sogar Aids.“

Terraristika-Verbot: Stadt sieht sich nicht zuständig

Im Rathaus fühlt man sich nicht zuständig, um über die Zukunft der deutschlandweit größten Reptilienbörse zu entscheiden. „Da ist nicht die Kommune gefragt. So etwas muss das Land oder der Bund verbieten, wenn es um den Schutz vor Pandemien geht“, erklärte Stadtsprecher Tobias Köbberling. Die dargebotenen Tiere würden lediglich vom Umweltamt unter Artenschutzaspekten begutachtet. Das Veterinäramt sei ebenfalls involviert.

Den Brief an den OB hat PETA auch an alle Fraktionen im Stadtrat geschickt und hofft auf Unterstützung der Parteien. „Die Kommunalpolitiker stehen nun in der Verantwortung, die Bevölkerung vor weiteren Pandemien und gefährlichen Krankheiten zu schützen“, heißt es in einer Erklärung.

Tiere können tödliche Viren übertragen

Bei einem großen Teil der auf deutschen Börsen verkauften exotischen Tiere handele es sich nach Angaben von PETA um Wildfänge aus Asien, Afrika und Südamerika, die wenige Tage zuvor ihrem natürlichen Lebensraum entrissen wurden. Ob oder welche tödlichen Viren oder Bakterien sie in sich tragen, sei unbekannt.

Hamm könne nun einen wichtigen Teil zum Schutz von Menschen und Tieren beitragen und ein kommunales Verbot für Exotenbörsen aussprechen. Passau und Bad Oeynhausen hätten bereits in den vergangenen Jahren die Abhaltung von Reptilienbörsen in kommunalen Gebäuden untersagt.

Auch die nächste Auflage abgesagt

Zur "Terraristika" kommen jedes Mal mehrere Tausend Besucher aus der ganzen Welt nach Hamm. Immer wieder kommt es vor, dass nicht verkaufte oder frisch erstandene Tiere in Hotelzimmern zurückgelassen oder auf dem Stadtgebiet entsorgt werden. Neben der offiziellen "Terraristika" floriert der Schwarzmarkt für seltene Reptilien.

Die 77. Auflage der Tierbörse wurde im März wegen der Coronavirus-Welle abgesagt. Auch die kommende, für Juni geplante Ausstellung, findet nicht statt. Wenn es nach PETA geht, werden die Termine nie nachgeholt.

Coronavirus in Hamm - weitere Infos:

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