Bürger trotz langem Warten abgewiesen

Impfaktion ein „voller Erfolg“? Stadt reagiert auf Kritik nach Brennpunkt-Einsatz

Mehrere Hundert Meter lang war die Schlange bei der Impfaktion am Samstag.
+
Mehrere Hundert Meter lang war die Schlange bei der Impfaktion am Samstag.

Die Stadt Hamm hat sich zu der viel kritisierten Impfaktion im Hammer Westen geäußert.

Hamm - In den vergangenen Tagen gab es viel Kritik an der Brennpunkt-Impfaktion der Stadt Hamm im Hammer Westen. Impfwillige hatten stundenlang - teilweise im Regen - warten müssen. Einige von ihnen wurden am Ende abgewiesen - obwohl Impfstoff übrig blieb. Die Stadt hat sich nun noch einmal ausführlich geäußert. (News zum Coronavirus in Hamm)

StadtHamm
BundeslandNordrhein-Westfalen
Einwohner179.111 (2019)

Impfaktion im Westen: Mammutprogramm am Samstag

Start der Aktion war demnach um 8 Uhr. Schon da standen etliche Impfberechtigte vor dem Eduard-Spranger-Berufskolleg am Vorheider Weg an. Die letzten Impflinge sind nach Angaben von Stadtsprecher Lukas Huster um 18.30 Uhr zur Impfung durchgelassen worden. Mit Blick auf den entsprechenden Vorlauf - etwa das Ausfüllen von Formularen und die Anamnesegespräche - seien die letzten Impfungen dann nach 20 Uhr gesetzt worden. Weitere Impfungen hätten dann in Anbetracht dieses Mammutprogramms nicht mehr durchgeführt werden können.

Für diejenigen, die abgewiesen wurden, eine unbefriedigende Situation. Sie fragen, warum man überhaupt einen ganzen Postleitzahlbezirk zur Impfung aufgerufen hatte, obwohl nur 951 Impfdosen des Johnson & Johnson-Präparats zur Verfügung standen.

23.300 Menschen leben im Bezirk, 951 Dosen waren verfügbar

Im Postleitzahlbezirk 59067 wohnen nach Angaben der Stadt rund 23.300 Personen. Rechnerisch stand also eine Dosis für 24 Berechtigte bereit. Auch wenn dieser Vergleich in Anbetracht dessen hinkt, dass die unter 18-Jährigen, die Genesenen und bereits Geimpfte herausgerechnet werden müssen, steht dennoch fest, dass deutlich mehr Menschen auf eine Impfdosis kamen.

Zusätzlich zu den ohnehin vielen Impfwilligen aus dem aufgerufenen Postleitzahlbezirk sind nach Angaben der Stadt auch andere Menschen aus Hamm zum Spranger-Kolleg gekommen und hatten sich in der Hoffnung auf eine Impfung angestellt. Das habe das Procedere zusätzlich erschwert. „Aufgrund der entsprechenden Kontrollen haben aber nur Menschen aus dem PLZ-Bereich 67 Impfungen erhalten“, betonte Huster.

Impfung nicht ausschließlich für Brennpunkt-Bewohner?

Ebenfalls kritisiert worden war, dass nicht ausschließlich Menschen geimpft wurden, die in Großwohnlagen leben – für die der Impfstoff ja eigentlich vorgesehen war. Zur Erinnerung: Das Land NRW hatte die Sonderkontingente für 15 ausgewählte Kommunen in NRW zugesagt, damit diese in Corona-Brennpunkten die Bevölkerung impfen können.

Bei der ersten Sonderaktion im Hammer Norden war dementsprechend ein deutlich kleineres Gebiet um den Großen Sandweg und Teile des Nordenstiftsweg ausgewählt worden. 592 Menschen waren dort geimpft worden.

Stadt reagiert: „War es eine gute Entscheidung, den PLZ-Bezirk aufzurufen“

Die Kritik der Bürger teilt die Stadt Hamm ausdrücklich nicht. „Mit Blick auf das Kontingent der Aktion am Samstag war es eine gute Entscheidung, den PLZ-Bezirk aufzurufen. Bei gegebenenfalls zukünftigen Aktionen würden wir das von der Anzahl der zur Verfügung stehenden Impfdosen abhängig machen.“

Eine weitere Aktion wie die am Samstag im Hammer Westen und in der Woche davor im Hammer Norden, sei aktuell aber ohnehin nicht geplant. „Mit Blick auf die grundsätzlich bisher geringeren Impfstoff-Mengen für die kommenden Wochen und die Tatsache, dass die Impf-Priorisierung Anfang Juni fallen soll, gehen wir nicht davon aus, dass es noch eine weitere Aktion des Landes geben wird“, sagte Huster dazu. „Falls doch, werden wir uns sicherlich erneut bewerben, wobei wir wie bisher vorab keine potenziellen Standorte bekannt geben.“

Rest-Impfdosen sollen auch in Großwohnlagen landen

Die übrig gebliebenen Impfdosen aus der Impfaktion am Samstag - Huster spricht von 70 Einheiten - sollen allerdings ebenfalls gezielt in einer Großwohnlage verimpft werden. Wo und wann dies geschehen soll, werde jetzt geplant.

Verbesserungen - beispielsweise mit Blick auf die für viele Impfwillige unbefriedigende Wartesituation auf offener Straße bei Regen - wolle man im Einzelfall im Rahmen der konkreten Planung bewerten.

Stempel können nachgetragen werden - müssen es aber nicht

Irritationen gab es auch über fehlende Stempel in den Impfpässen. Aufregung ist deshalb allerdings nicht angebracht. „In der Tat sind teilweise - im Verlauf des Vormittags - keine Stempelabdrücke in die Impfpässe gekommen. Stattdessen haben die Ärzte ihren Namen leserlich sowie ihre Unterschrift in den Impfpass geschrieben“, erklärte Huster.

Impfaktion am Eduard-Spranger-Berufskolleg in Hamm

Impfaktion gegen das Coronavirus am Eduard-Spranger-Berufskolleg in Hamm
Impfaktion gegen das Coronavirus am Eduard-Spranger-Berufskolleg in Hamm
Impfaktion gegen das Coronavirus am Eduard-Spranger-Berufskolleg in Hamm
Impfaktion gegen das Coronavirus am Eduard-Spranger-Berufskolleg in Hamm
Impfaktion am Eduard-Spranger-Berufskolleg in Hamm

Der „fehlende“ Stempel habe aber keinerlei Auswirkungen auf die Gültigkeit des Ausweises oder der Impfung. Für diejenigen, die trotzdem Wert darauf legen, könnten die Stempel aber im Impfzentrum nachgetragen werden. „Dafür muss kein Termin vereinbart werden, die Menschen können mit Personalausweis und Impfausweis zum Impfzentrum kommen“, so Huster. „Aber wie gesagt: Das ist nicht notwendig.“ Die Aufkleber zu Impfstoff und -charge seien selbstverständlich überall eingeklebt worden.

Impfaktion im Hammer Westen aus Stadt-Sicht „voller Erfolg“

Grundsätzlich sei die Impfaktion ein „voller Erfolg“ gewesen. „Wir haben im Rahmen einer mobilen Impfstation fast 900 Impfdosen – und damit fast 100 Prozent der überhaupt möglichen Menge – innerhalb eines Tages verimpft und damit deutlich mehr als bei der vergleichbaren Aktion eine Woche eher“, machte Huster deutlich.

„Inklusive begleitender Verwaltungsarbeit wie Formulare, Beratung, oder Anamnese - teilweise mit Übersetzungsleistung - war die Aktion ein Kraftakt, der durch großes Engagement aller Beteiligten erfolgreich durchgeführt werden konnte.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare