Bald coronafrei?

Wo schlummert das Virus noch? So geht es in Hamm durch die sinkenden Fallzahlen weiter

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Maskenpflicht herrscht auf dem Wochenmarkt: Angesichts von noch 23 Infizierten wird es schwierig, dies den Menschen zu erklären.

Hamm - Die Null steht, und das seit nunmehr sechs Tagen. Sechs Tage ohne Neuinfektion: Würde es so weitergehen, wäre Hamm in eineinhalb Wochen coronafrei. Was bedeutet das nun für uns, die wir hier leben?

Ist das Virus bald aus der Region verbannt oder schlummert der Erreger weiterhin in vielen unsichtbar? Wie sinnhaft sind Beschränkungen und deren weitere Lockerung?  

In umliegenden Städten und Gemeinden ist der Spuk jedenfalls bereits seit einigen Tagen, bisweilen sogar Wochen (vorerst) vorbei. Beckum, Oelde, Welver, Werl und Wickede sind bereits coronafrei, in Ahlen waren am Dienstag fünf akut Infizierte bekannt, in Soest einer und in Dortmund derer 16.

Chefarzt: "Das Virus ist nicht weg"

Dr. Markus Unnewehr, Chefarzt für Pneumologie und (unter anderem) Infektiologie an der St.-Barbara-Klinik, gibt allerdings keinerlei Entwarnung. „Das Virus ist noch da. Nur weil wir es nicht sehen, ist es nicht weg“, sagt der Mediziner. Damit bläst er ins gleiche Horn wie die Wissenschaftlerin Agnes Bryniok aus Hamm, für die die Corona-Akutphase noch nicht vorbei ist.

„Das ist kein Todesurteil“: Hammer Chefärzte äußern sich zur Corona-Gefahr und geben interessante Einblicke

Die große Unbekannte - so Unnewehr - seien weiterhin die Infektionen mit asymptomatischem Verlauf. Von denjenigen, die sich infizieren, aber gar nichts merken, wisse man bislang noch viel zu wenig. Ob auch sie das Virus weiterverbreiten können, sei unbekannt. Erkenntnisse habe man nur von denjenigen, die irgendwann dann doch Beschwerden hatten und getestet wurden. Von diesen Personen wisse man aber sehr wohl, dass sie das Virus verbreiten können.

Dunkelziffer weiter nicht einschätzbar

Die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung nehme aber mit jedem weiteren Tag ohne Neuinfektion ab. Das räumt auch Unnewehr ein. Auch im Dunkelzifferfeld dürfte Covid-19 auf dem Rückzug sein. Gewissheit könnten aber nur große Reihen von Antikörpertests geben. Und da sind Ergebnisse (noch) nicht in Sicht.

„Die Hygienemaßnahmen haben weiterhin ihre Berechtigung“, sagt der Chefarzt, zeigt sich aber auch gegenüber Lockerungen aufgeschlossen. „Mit maßvoll eingesetzten Beschränkungen müssten wir die Lage eigentlich gut im Griff behalten.“

Weniger Betten für Corona-Patienten

In Lauerstellung bleiben derweil die drei Akutkliniken in Hamm. Das Gesundheitsministerium NRW hatte Ende April eine Reduzierung der Anzahl der freigehaltenen Intensivbetten für Corona-Patienten auf 30 Prozent empfohlen. „Die Hammer Kliniken verringern die Anzahl der freigehaltenen Intensivbetten jetzt schrittweise und nähern sich der 30-Prozent-Marke an“, teilte ein Stadtsprecher auf WA-Anfrage mit.

Kliniken schlagen Alarm: Angst hält Patienten fern

In allen Kliniken würden wieder Sprechstunden zur Vorbesprechung von Operationen durchgeführt, da neben Notfällen und dringlichen OPs auch „planbare“ Operationen wie gynäkologische Eingriffe, Leistenbrüche, Schilddrüsen- und Gallen-OPs, Verschleiß-OPs (zum Beispiel an Gelenken) wieder durchgeführt und verschobene Eingriffe nachgeholt würden.

Kliniken können notfalls schnell umsteuern

„In Teilen liegt die Auslastung wieder bei weit über 50 Prozent. Wie der Krankenhaus-Alltag in Coronazeiten künftig aussehen wird, ist derzeit noch nicht absehbar - nicht zuletzt hängt dies auch vom Verlauf der Pandemie und von Vorgaben des Landes NRW ab“, heißt es weiter aus dem Rathaus. Klar sei aber: „Auf einen möglichen neuerlichen Anstieg der Corona-Behandlungsfälle sind die Hammer Krankenhäuser weiterhin gut vorbereitet und können die Anzahl der freigehaltenen Betten innerhalb weniger Tage wieder deutlich erhöhen.“

Die Masken fallen: Immer weniger Hammer haben Verständnis für Maskenpflicht und Abstandsregeln

Mehrere hundert Betten wurden in Hamm über Wochen für den Fall einer Explosion der Infektionszahlen freigehalten. Gestern wurden fünf der 23 Infizierten aus Hamm noch im Krankenhaus behandelt. Niemand davon lag auf einer der Intensivstationen.

Coronavirus in Hamm - weitere Infos:

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