Am EVK

Was passiert mit Corona-Patienten in der Klinik? Einblicke in ein Hammer Krankenhaus

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Im EVK werden zurzeit einige Corona-Patienten behandelt.

Die Corona-Patienten in Hammer Krankenhäusern sind abgeriegelt, niemand kommt zu ihnen. Ausnahmen sind Ärzte und Pfleger im Behandlungsteam, die eine komplette Schutzmontur aus Kittel, Brille und Maske tragen. Was passiert aber auf den Isolierstationen in den Hammer Krankenhäusern? Ein Einblick in den Klinik-Alltag hinter frisch eingezogene Trennwände und sonst verschlossene Türen im Evangelischen Krankenhaus (EVK).

Hamm – Die Haustechnik hatte in den ersten Wochen der Corona-Krise ordentlich zu tun. Betten mussten umhergeschoben, Trennwände und Absperrungen aufgebaut werden. So ist in kürzester Zeit praktisch ein Krankenhaus im Krankenhaus entstanden. Die Aufzüge sind umprogrammiert. Für Corona-Fälle gibt es einen Extra-Lift. Die anderen öffnen auf den Separier-Stationen nicht.

Schon am Eingang werden mögliche Corona-Patienten und „normale“ Krankenhaus-Besucher getrennt. Bei einem begründeten Verdacht werden die Patienten auf Station 01 gebracht. Alle Anlaufstellen sind durchgängig – auch in der Nacht – mit mindestens einem Arzt besetzt.

Testergebnis nach vier Stunden

Nach dem Test, einer Untersuchung und einem Gespräch heißt es warten. Das EVK hat mittlerweile Verträge mit drei Labors geschlossen, die Corona-Tests auswerten. So sind die Ergebnisse mittlerweile deutlich schneller da als noch vor rund zwei Wochen. „Teilweise liegt die Spanne bei mehreren Tagen. Die Labore sind überlastet“, sagt Klinikdirektor und Chefarzt Prof. Dr. Thomas Wehler. „Bei uns dauert es derzeit rund vier Stunden nach Probeneingang. Dreimal am Tag schicken wir Proben los.“

Die Mehrzahl der Test-Personen sieht die Corona-Stationen gar nicht von innen. „Die meisten Leute haben so milde Symptome, dass wir sie wieder nach Hause schicken“, sagt Wehler. Das Ergebnis gibt es dann per Telefon. Bis dahin sollten sich die Betroffenen selbst isolieren. Zahlreiche Patienten erhalten schließlich ein negatives Testergebnis.

Risikogruppen stark gefährdet

Wer positiv getestet wird, landet nur selten im Krankenhaus. Betroffen sind vor allem Menschen, die sich zu Hause nicht alleine versorgen können und kein soziales Netz haben. Außerdem trifft es Menschen, die durch Vorerkrankungen geschwächt sind – etwa Diabetes oder die Lungenkrankheit COPD. Bei ihnen würde auch jeder andere Infekt eine Gefahr bedeuten, sagt Wehler. Sie kommen auf Station 42, die Isolierstation.

Die Station ist mit extra errichteten Trockenbauwänden abgeschirmt. Hier kommt niemand hin, der das nicht darf. Das Krankenhaus-Personal trägt die ganze Zeit über Vollschutz. Die Patienten dürfen sich deshalb relativ frei auf der Station bewegen, dürfen auch ihre Zimmer verlassen. Besuche sind allerdings nicht erlaubt. Auch nach draußen, an die frische Luft, dürfen die Patienten nicht.

Normaler Klinik-Alltag trotz Corona

Ihre Zeit verbringen sie so, wie es andere Krankenhaus-Patienten machen. Sie sehen fern, lesen den Westfälischen Anzeiger oder ein Buch. Auch Internet gibt es. Die Betroffenen liegen fast ausschließlich in Einzelzimmern. Nur wenn Familienmitglieder gemeinsam aufgenommen werden – wie zuletzt eine Mutter und ihre Tochter – gibt es eine Ausnahme.

Zweimal am Tag kommen die Ärzte zur Visite. Die Pfleger sind durchgehend im Einsatz. Das Essen ist das gleiche wie im restlichen Krankenhaus. „Das ist der normale, wiederkehrende Klinik-Alltag. Der bedeutet auch ein Stück Normalität und Ruhe“, meint Wehler.

Wehler: "Schnell klar, wo die Reise hingeht"

Länger als ein paar Tage bleibt kein Patient auf dieser Station. „Bei Patienten mit Begleiterkrankung sieht man schnell, wo die Reise hingeht“, sagt Wehler. „Bei vielen verbessert sich die Situation schnell. Die wechseln dann in die häusliche Quarantäne.“

Die wenigen anderen Patienten, deren Zustand sich verschlechtert, kommen auf eine Intensivstation für Corona-Patienten. Dort werden die Patienten beatmet und dauerhaft überwacht. Das EVK unterhält derzeit eine zweite Intensivstation. Auf ihr werden alle Patienten ohne Corona behandelt: Herzinfarkte, Schlaganfälle und andere Notfälle wie etwa nach Unfällen gibt es weiterhin. Und: „Die Grippesaison ist noch nicht beendet. Wir haben noch viele Influenza-Patienten. Mehr als wegen Corona“, sagt Wehler.

Flexibilität und Einsatzbereitschaft

Der Klinikdirektor ist gerade wegen der hohen Flexibilität und Einsatzbereitschaft stolz auf seine Teams. „Wir haben mittlerweile feste Crews, die Abläufe sind eingespielt, Routinen aufgebaut, ein Gefühl für die Erkrankung entwickelt worden“, so Wehler. „Die Leute hier sind extrem engagiert. Wenn es in dieser Zeit einen positiven Nebeneffekt geben kann, dann den, dass alle näher zusammengerückt sind – auch die Häuser. Es ist klar, dass wir das nur gemeinsam schaffen. So entsteht ein Geist, der vieles möglich macht.“

Und das dürfte ganz im Sinne derer sein, die gerade auf den Intensivstationen der Hammer Krankenhäuser gegen das Coronavirus um ihr Leben kämpfen.

Mehrere Hundert neue Corona-Helfer

In den Krankenhäusern werden nach eigenen Angaben täglich Schulungen durchgeführt, um das Wissen der Mitarbeiter aufzufrischen und Ärzte und Pfleger für den Umgang mit Corona-Patienten vorzubereiten, die sonst andere Aufgaben erledigen. Diese Schulungen hätten bereits mehrere Hundert Mitarbeiter durchlaufen. Die Schulungen würden zumeist in Kleingruppen abgehalten, um die Abstandsregeln einzuhalten. Zudem gebe es zum Teil veränderte pflegerische und ärztliche Teams auf den Stationen, sodass erfahrene Pflegekräfte und Ärzte jüngere Kollegen anleiteten. Auch sehr viele individuelle Schulungen und Trainings – im laufenden Betrieb – sollen demnach dafür sorgen, dass das Wissen über die Krankheit breit verteilt wird, damit es jederzeit verfügbar ist. Die Informationen seien alle auch in Form von Verfahrensanweisungen jederzeit abrufbar und bieten Handlungssicherheit. Materialien zur Vertiefung, Wiederholung und als Gedankenstütze seien hinterlegt. Auch Schulungsvideos gebe es, mit denen bestimmte Abläufe bildlich vorgeführt werden.

Coronavirus in Hamm - weitere Infos:

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