"Livesommer" in der Kritik

Kapelle-Konzert hat Konsequenzen: Rüffel vom OB, weitere Events in Hamm untersagt

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Ist das schon enthemmtes Feiern? Die Stadt jedenfalls sieht durch das Verhalten von Konzert-Besuchern Corona-Grenzen überschritten.

Hamm - Einen mächtigen Rüffel haben sich die Veranstalter und Beteiligten des "Livesommer"-Events mit Kapelle Petra im Maxipark am Samstag mit etwa 500 Gästen eingefangen. Das teilweise ausschweifende Feiern hat jetzt weitreichende Konsequenzen für geplante Veranstaltungen in Hamm.

Bei der Stadt gingen am Wochenende und auch noch am Montag etliche Beschwerden über grob fahrlässiges und ungezügeltes Verhalten während der Veranstaltung am Samstagabend ein. Auf Bildern ist auch tatsächlich zu sehen, dass am Samstag beim Konzert der Hammer Band Kapelle Petra kleinere Polonaisen durch die Reihen schlängelten. Die Gäste hielt es nicht auf den Sitzen, sie sangen lauthals und unbeschwert mit.  

Größere Konzerte dürften sich erledigt haben

"Uns haben davon viele Fotos erreicht. Die wurden von den Beteiligten selbst auch ganz öffentlich ins Netz gestellt", erklärte Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann. "Wir wollen Kultur-Veranstaltungen sehr gerne möglich machen. Wir müssen aber auch handeln, wenn wir von solchen Nachlässigkeiten erfahren und schließlich auch glaubwürdig bleiben. Deshalb werden wir Veranstaltungen mit einem solchen Charakter nicht mehr zulassen."

Welchen Events jetzt ein Riegel vorgeschoben wird, werde im Einzelfall geprüft. Jedenfalls dürften sich größere Konzerte - selbst mit Abstandsregeln - vorerst in Hamm wieder erledigt haben

Grünes Licht für Biergarten-Events

Ganz ausdrücklich nicht betroffen ist indes das anstehende Biergarten-Events der DJ-Truppe um Julian Sokolowski, "Beer in the Garden", das am 1. August im Kurhausgarten stattfinden soll. Auch der geplante "Pop-up-Biergarten" mit der "Tiroler Hütte" auf dem Gelände des Schützenvereins Westtünnen vom 31. Juli bis zum 27. September soll von der Regelung ausgenommen sein.

"Diese Veranstalter haben sich bisher akribisch an die Vorgaben gehalten. Wir sehen keinen Grund, ihnen deshalb die Durchführung zu untersagen. Wir werden da aber natürlich jetzt ganz genau drauf gucken und auch präsent sein und verstärkt kontrollieren", so Hunsteger. Am Samstag und auch bei den anderen Konzerten der Reihen seien allerdings keine Ordnungshüter der Stadt in offizieller Mission anwesend gewesen.

Kein Bußgeld: Veranstalter handelt sich Ermahnung ein

Den Veranstaltern des "Livesommers" werde allerdings bis auf Weiteres keine Genehmigung mehr von der Stadt für vergleichbare Events erteilt. Mit allzu harter Hand greift die Stadt - gerade mit Rücksicht auf die eh schon prekäre Lage in der Veranstaltungswirtschaft und das jahrelange gute Verhältnis zu den Organisatoren - allerdings nicht durch. In diesem Fall gebe es für den Veranstalter lediglich eine deutliche Ermahnung. Bei ähnlichen Situationen in der Zukunft werde allerdings ein empfindliches Bußgeld verhängt, betonte der OB.

Hunsteger wies noch einmal darauf hin, dass die Verantwortung für das Verhalten der Beteiligten und auch der Besucher beim Veranstalter liege. Er habe durchzusetzen, dass Abstände eingehalten werden und enge Kontakte vermieden werden. Und das lückenlos.

Corona-Auflagen: Auch Besucher in der Pflicht

Von Besuchern des Kapelle-Konzerts wurde am Montag berichtet, dass es zwar vereinzelt überschwängliches Verhalten fernab der Corona-Regeln gab, es sich dabei aber nur um Momentaufnahmen einer ansonsten vorbildlichen Veranstaltung gehandelt habe. Nach Angaben eines Stadtsprechers wäre bloßes Mitsingen auf dem eigenen Sitzplatz übrigens kein Problem gewesen. "Uns geht es primär um das enthemmte Feiern."

"Livesommer" im Maxipark: Kapelle Petra und Nixen

Da setzte auch Rechtsdezernent Jörg Mösgen an. Er nahm auch die Besucher in die Pflicht. "Es geht uns auch um diejenigen, die da mitmachen. Es ist nicht im Sinne des Erfinders, da Polonaise zu tanzen. Wir wollen ja so viel wieder öffnen wie möglich, aber da dürfen wir auch Fingerspitzengefühl erwarten. Ich weiß nicht, warum manche immer so ausflippen müssen."   

Und Hunsteger ergänzte: "Genau das sind die Stellen, wo Infektionen stattfinden. Wir tun alles mögliche, um eine zweite Welle zu verhindern. Da ist so ein sorgloses Verhalten nicht zu tolerieren. Das geht so nicht."

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