Kaufen sich Bund und Land Zeit?

Auch OB Herter kritisiert Corona-Politik - und will mehr Freiheitsrechte für Geimpfte

Die Inzidenzstufe 3 wird nun also bis zum 19. August ausgesetzt, um zu verhindern, dass ab einer stabilen Inzidenz von über 50 wieder besonders einschneidende Corona-Maßnahmen greifen. Für diesen (kleinen) Schritt gibt es Kritik. Auch Hamms OB Marc Herter wünscht sich eine andere Politik.

Hamm – Die Landesregierung wolle sich Zeit kaufen, bis Bund und Länder eine einheitliche Entscheidung über das weitere Vorgehen getroffen haben, glaubten am Donnerstag etliche Gesundheitsexperten vor Ort. Für viele Mediziner und lokale Politiker ist diese Anpassung zu wenig. Sie fordern mehr Klarheit mit Blick auf das Ferien-Ende, den Herbst und eine mögliche vierte Welle. Unter ihnen ist Hamms Oberbürgermeister Marc Herter. (News zum Coronavirus in Hamm)

Corona in Hamm: Herter will Abkehr von starrem Blick auf Inzidenz

„Die RKI-Wocheninzidenz darf nicht länger das alleinige Kriterium für freiheitseinschränkende Maßnahmen sein. Und natürlich müssen wir die Impfkampagne mit ganzer Kraft weiter forcieren“, sagte Herter am Donnerstag auf WA-Anfrage. Bereits seit Monaten weise er zum Beispiel darauf hin, dass die Inanspruchnahme von Intensivbetten in den Krankenhäusern für Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus herangezogen werden sollte.

Hamms Oberbürgermeister Marc Herter will sich dafür einsetzen, dass vollständig Geimpfte ihre Freiheitsrechte in vollem Umfang wiederbekommen.

Auch die sieben Landräte der Kreise im Regierungsbezirk Arnsberg, zu dem auch die kreisfreie Stadt Hamm gehört, reagierten in einem offenen Brief an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann.

Landräte wollen Veränderungen - auch für Gesundheitsämter

Die Entscheider vor Ort, die immerhin für über 2 Millionen Menschen sprechen, sehen es vor Beginn eines möglichen erneuten Anstiegs der Inzidenz im Herbst als dringend geboten an, „Reiserückkehrer einem besseren Monitoring zuzuführen, die Impfkampagne zu forcieren und die Inzidenz nicht mehr als alleinigen Parameter für einschränkende Maßnahmen heranzuziehen“.

Darüber hinaus sollten ihrer Ansicht nach auch die Anforderungen an die Gesundheitsämter zur Rückverfolgung überdacht oder angepasst werden. Bei Inzidenzen über 200 seien die Ämter allein kaum noch in der Lage, die Kontaktnachverfolgung dauerhaft kurzfristig sicherzustellen. Die Forderungen der Landräte unterstreiche Herter ausdrücklich, sagte er am Donnerstag.

Herter: Einsatz von Impfbus in Hamm richtig gewesen

In Hamm werde auch weiterhin alles dafür getan, um die Impfkampagne zum vollen Erfolg zu führen. „Es gibt genügend freie Kapazitäten“, betonte der OB. Gerade in diesen Tagen habe sich gezeigt, dass es richtig gewesen sei, mit dem Impfbus auf ein niederschwelliges Angebot zu setzen. „Im Übrigen werde ich mich mit Nachdruck dafür einsetzen, dass diejenigen, die vollständig geimpft sind, ihre Freiheitsrechte in vollem Umfang wiederbekommen“, so Herter.

Zu den weiteren Standorten des Impfbusses am Wochenende und darüber hinaus gab es am Donnerstag indes keine neuen Informationen. Damit sei am Freitag zu rechnen, erklärte Stadtsprecher Detlef Burrichter. Der Bus steht am Freitag von 9 bis 18 Uhr am Hauptbahnhof.

OB fordert mehr Tests bei Urlaubsrückkehrern

Auch die Urlaubsrückkehrer müssten noch stärker in den Blick genommen werden, betonte Herter nachdrücklich. Der OB sah die Bundesregierung in der Pflicht, nun „endlich ein stringentes Testregime für alle Reiserückkehrer auf die Beine zu stellen. „Es ist allerhöchste Zeit: Da muss viel mehr getestet werden.“

Rubriklistenbild: © Reiner Mroß / Digitalfoto

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