Update am Montag

Corona-Zahlen in Hamm gehen steil nach oben - Stadt verkündet Konsequenzen

Das Coronavirus hat die Stadt Hamm im Spätsommer 2020 wieder im Griff.
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Das Coronavirus hat die Stadt Hamm im Spätsommer 2020 wieder im Griff; hier eine Testsituation in der Alfred Fischer-Halle.

Wie befürchtet sind die Corona-Zahlen in Hamm am Montag weiter stark gestiegen. Auch wenn es keinen neuerlichen Lockdown geben soll: Die Konsequenzen werden vielerorts spürbar sein.

Hamm - Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann zeigte sich in einer virtuellen Pressekonferenz am späten Montagnachmittag offen genervt, dass die Entwicklung in erster Linie von einer einzigen Veranstaltung und ihren verschiedenen Auslegern ausging - nämlich der inzwischen oft zitierten Hochzeitsfeier, die vor knapp drei Wochen in Hamm, Dortmund und offenbar auch in Werl (*) stattfand. Die aktuelle Infektionszahl für die Stadt Hamm stieg in der Folge binnen eines Tages um weitere 46 auf jetzt 136 Akutfälle. Damit lag der so genannte RKI-Wert am Montagmittag bei 70,9: Ab 50 müssen Konsequenzen gezogen werden, die einen weiteren Anstieg ausbremsen. Diese benannte Hunsteger in Absprache mit dem NRW-Gesundheitsministerium so:

Private Veranstaltungen (z. B. runde Geburtstage, Hochzeiten, Jubiläen): Über einer Teilnehmerzahl von 25 müssen sie ab Dienstag bei der Stadt angezeigt werden. Feiern mit zwischen 50 und 150 Teilnehmern müssen mindestens drei Tage im Vorfeld zur Genehmigung angemeldet werden. Partys mit mehr als 150 Teilnehmern werden bis auf Weiteres nicht mehr genehmigt. Ein entsprechendes Datenformular hat die Stadt bereits online zur Verfügung gestellt. Ein Fehlverhalten beziehungsweise Missbrauch kann ein Bußgeld von mindestens 2500 Euro zur Folge haben; man werde ganz sicher stichprobenartig kontrollieren, ob die Personenzahlen eingehalten werden und Kontaktlisten vorliegen, sagte Hunsteger. Er stellte klar: „Keine Liste? Dann keine Veranstaltung!“

Sportveranstaltungen: Die Zuschauerzahlen werden auf ein Maximum von 150 begrenzt. Die Stadt will betroffenen Vereinen in möglichst vielen Fällen einen finanziellen Ausgleich zukommen lassen.

Verkaufsoffener Sonntag: Die als „Genussfest“ überschriebene Veranstaltung in der Innenstadt am 27. September ist abgesagt.

Kirmes: Die Zahl der Besucher, die gleichzeitig auf dem Platz sein darf, wurde bereits am Sonntag von 1380 auf 999 reduziert und um ein Alkoholverbot ergänzt. Darüber hinaus gab es für die Umsetzung des Stunikenmarkt-Ersatz an den Zentralhallen viel Lob vom OB.

Für den Einzelhandel, die Gastronomie und Kulturveranstaltungen sowie Schulen und Kitas soll es - Stand jetzt - keine neuerlichen Einschränkungen geben.

Eine Ausweitung der Maskenpflicht ist zwar in der Diskussion, aber noch nicht beschieden. Auch eine neue Höchstgrenze für Zusammenkünfte von Personengruppen sei im Bereich des Möglichen, falls sich die Zahlen weiter negativ entwickelten, sagte der OB. Oberstes Ziel sei indes das Vermeiden eines neuerlichen Lockdowns wie zu Anfang der Pandemie. Denn das „würden viele Anbieter in der Gastronomie und der Kultur nicht überleben“. Hunsteger zeigte sich „hoffnungsvoll“, dass es tatsächlich nicht soweit kommen werde.

Die Allgemeinverfügung, die die oben genannten Maßnahmen ausführt, soll am Dienstagmorgen veröffentlicht werden und zunächst 14 Tage gültig sein. Danach hofft der OB den RKI-Wert wieder unter 35 zu haben und wesentliche Maßnahmen wieder zurücknehmen zu können.

Coronavirus in Hamm: Vier weitere Schulen betroffen

Zu den bereits bekannten Schulen mit Corona-Fällen und entsprechenden Auswirkungen kamen am Montag die Friedrich-Ebert-Realschule, das Friedrich-List-Berufskolleg, die Realschule Heessen und das Galilei-Gymnasium hinzu. An diesen wird die Stadt „nach dem üblichen Verfahren die betroffenen Schüler und Lehrer in Quarantäne setzen und verpflichtend testen sowie freiwillige Tests für die Schulen anbieten. Weitere Infektionen kamen am Montag am Märkischen Gymnasium (MGH, dort inzwischen 11 konkrete Fälle) und an der Sophie-Scholl-Gesamtschule hinzu. Nach Angaben der Stadt befinden sich aktuell 649 Schüler von Hammer Schulen in Quarantäne.

Auch zwei Kitas sind aktuell von Corona-Infektionen betroffen: Dabei handelt es sich um die Kita Am Eichenwäldchen und die Kita St. Anna. Hier werde wie an den betroffenen Schulen verfahren, heißt es.

Zudem wurde eine Mitarbeiterin des Seniorenzentrums St. Josef in Heessen positiv getestet. Es soll kurzfristig eine Reihentestung bei allen Bewohnern und Mitarbeitern in der Einrichtung durchgeführt werden. 

Coronavirus in Hamm: Die weiteren Zahlen am Montag

5 der aktuell 136 akut Infizierten (101 weiblich, 35 männlich) werden im Krankenhaus behandelt, eine Person sogar intensivmedizinisch. Seit Sonntagmittag kamen 46 Neuinfektionen hinzu. Von diesen stehen nach Wissensstand der Stadt Hamm 28 Personen im direkten Zusammenhang mit den genannten Hochzeitfeierlichkeiten. Insgesamt weiß die Stadt von 86 Hammern, die sich infolge dieser Familienfeier infiziert haben. Bekannt ist auch, dass mindestens 236 der Gäste in Hamm wohnen. Sie alle sind namentlich bekannt, in Quarantäne und verpflichtend getestet worden.

In Quarantäne befinden sich derzeit insgesamt 1438 Hammer; 6605 haben diese Situation seit März hinter sich gebracht. Mit den Corona-Mobilen der Stadt (inzwischen sind es zehn!) und im Testzentrum an der Alfred-Fischer-Halle wurden inzwischen 14.412 Proben genommen. 691 Personen sind bereits von einer Corona-Infektion genesen und gelten als geheilt. 

Coronavirus in Hamm: Hochzeitsliste noch immer nicht komplett

Hunsteger-Petermann zeigte sich ziemlich angefressen von der Hochzeits-Situation. „Dafür habe ich überhaupt kein Verständnis“, raunte der OB im Mediengespräch. Noch immer sei die Situation nicht komplett erfasst, noch immer gebe es „extrem unterschiedliche Aussagen" der Verantwortlichen und der Gäste. Weil die Nachverfolgung enorm schwierig sei, wurde das Corona-Team der Stadtverwaltung inzwischen auf 130 aufgestockt. Und auch jetzt noch werbe man dringlich um Mitarbeiter, die es weiter verstärken sollen.

Nach Angaben von Hunsteger hat die Stadt Dortmund angekündigt, Bußgelder gegen die Verantwortlichen der Hochzeitsfeiern verhängen zu wollen. „Und auch wir werden alle rechtlichen Möglichkeiten nutzen, um sie unseren Ärger spüren zu lassen.“

An die Kassenärztliche Vereinigung (KVWL) appellierte der Hammer OB nachdrücklich, das an der Barbaraklinik abgebaute Fieberzentrum wieder in Betrieb zu nehmen, um die hiesigen Hausärzte angesichts der vielen nötigen freiwilligen Tests von Urlaubsrückkehrern und Privatpersonen zu entlasten. Das können im Zweifel auch an der Alfred-Fischer-Falle geschehen - Seite an Seite mit dem dort von der Stadt eingerichteten Testzentrum, das sich längst „nachhaltig bewährt" habe.

Corona Testungen an der Alfred-Fischer-Halle Hamm

Corona Testungen an der Alfred-Fischer-Halle Hamm
Corona Testungen an der Alfred-Fischer-Halle Hamm
Corona Testungen an der Alfred-Fischer-Halle Hamm
Corona Testungen an der Alfred-Fischer-Halle Hamm
Corona Testungen an der Alfred-Fischer-Halle Hamm

(*) Weder Werls Bürgermeister Michael Grossmann, noch Kreissprecher Wilhelm Müschenborn hatten bis Montagabend Kenntnis von einem Bezug der Hochzeit zur Wallfahrtsstadt. Ob Werl also nur Ort der Feier war oder Werler mitgefeiert haben, bleibt vorerst unklar. Hunsteger hatte Werl als weiteren Austragungsort in seiner Pressekonferenz genannt.

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