Toter lebte in Altenheim - Neue Test-Ergebnisse

Ludgeri-Stift: Deutlich mehr Bewohner und Mitarbeiter mit Corona infiziert als gedacht

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Im Ludgeri-Stift in Hövel hat sich das Coronavirus doch stärker ausgebreitet als zunächst bekannt.

Eine zweite und dritte Testreihe haben ergeben, dass deutlich mehr Bewohner und Mitarbeiter des Ludgeri-Stifts Hövel mit dem Coronavirus infiziert sind, als zunächst vermutet. Auch ein weiterer Todesfall im Zusammenhang mit dem Heim wurde bekannt.

Hamm - Nach Angaben der Stadt sind insgesamt nunmehr 18 Mitarbeiter und 32 Bewohner positiv auf das Coronavirus getestet worden. Bei 23 - sieben Mitarbeiter, 16 Bewohner - von ihnen zeigten die Tests vor zwei Wochen erst ein negatives Ergebnis.

In der zweiten Testreihe, die vor einer Woche durchgeführt wurde, kam heraus, dass drei weitere Mitarbeiter und acht Bewohner das Virus in sich tragen. Das veranlasste die Stadt, noch ein drittes Mal zu testen. Nach der Probennahme am Sonntag gingen am Dienstag weitere zwölf Positiv-Ergebnisse ein. Von vier Mitarbeitern und acht Bewohnern.

Tests liefern oft ein trügerisches Bild

Durch diesen Umstand wird noch einmal deutlich, dass es bei den durchgeführten Tests eine Fehlerquote geben kann und die Infektion mit dem Coronavirus sehr kurz nach der Ansteckung (zwei bis drei Tage) nicht immer zuverlässig nachgewiesen wird. So sind auch schon in anderen Kommunen Fälle durch das Raster gefallen.

Was aber verwundert: Die zunächst negativ getesteten 52 Mitarbeiter der Einrichtung durften weiterarbeiten. Das bestätigte Ludgeri-Seniorchef Jürgen Metz nach den ersten Tests und jetzt auch noch einmal die Stadtverwaltung. Es ist zumindest wahrscheinlich, dass die Mitarbeiter so weitere Menschen in dem Heim und ihrem Umfeld ansteckten.

Weitere Tests geplant

"Wie genau die Infektionswege verlaufen und wer die Quelle ist, können wir mittlerweile - auch in anderen Fällen - nicht mehr so genau sagen. Uns geht es darum, die Ausbreitung zu verlangsamen. Es kann auch sein, dass sich Mitarbeiter außerhalb unabhängig angesteckt und das Virus dann wieder in das Heim getragen haben", sagte ein Stadtsprecher. 

Dass jetzt - nach der dritten Testreihe - alle Fälle bekannt sind, könne nicht zweifelsfrei gesagt werden. Die Verwaltung werde die Situation weiter täglich analysieren und voraussichtlich vor dem Wochenende weitere Tests in dem Heim durchführen.

Zwei Todesopfer waren Ludgeri-Bewohner

Derweil wurde auch bekannt: Der 71-jährige Mann, der an Karfreitag auf der Intensivstation eines Krankenhauses verstorben war, wohnte vor seiner Einlieferung in die Klinik im Ludgeri-Stift und infizierte sich dort mit dem Virus.

Er ist das zweite der mittlerweile 12 Hammer Todesopfer im Zusammenhang mit Covid-19. Am Mittwoch der zurückliegenden Woche war schon eine 93 Jahre alte Frau gestorben, die ebenfalls Bewohnerin des Ludgeri-Stifts war und sich dort ansteckte.

Auch Mieter werden jetzt getestet

Schon kurz nach der ersten Testreihe hatten sich mehrere Mieter von Altenwohnungen in dem selben Gebäude und deren Angehörige gemeldet, die sich bei Tests und Schutzmaßnahmen übergangen fühlten. Die Stadt und die Heimbetreiber wiesen die Vorwürfe zurück. Eine Prüfung „sämtlicher Kontaktketten aller infizierten Bewohner und Pflegekräfte“ habe gezeigt, dass es „keinen Kontakt zwischen Bewohnern beziehungsweise Pflegekräften und den Mietern“ gegeben habe, hatte ein Stadtsprecher gesagt. Dabei gibt es etwa einen gemeinsamen Eingangsbereich.

Auf die Kritik hat die Stadt mittlerweile reagiert und auch angesichts der weiteren Ausbreitung des Virus in der Einrichtung Mietern angeboten, sich auch ohne Symptome testen zu lassen. Von den 25 Mietern haben 4 dieses Angebot bereits angenommen. Ihre Ergebnisse stehen aus.

Heime unter besonderem Schutz

In Seniorenheimen und Krankenhäusern herrscht derzeit ein Besuchsverbot. Das ist verständlich, denn hier handelt es sich um hochsensible Bereiche. Durch so wenig Frequenz von Außenstehenden wie möglich soll verhindert werden, dass das Coronavirus in weitere Einrichtungen getragen wird. Neu aufgenommene Bewohner müssen per Anordnung mittlerweile 14 Tage isoliert werden. Sollte gegen die Einzelverfügung verstoßen werden, wird für das Heim ein Aufnahmestopp angeordnet.

Coronavirus in Hamm - weitere Infos:

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