So ändert der Fall Tönnies die Situation in Hamm

Corona in Hamm: Betroffene Schulen werden nun doch geschlossen

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Corona-Hinweis an der Friedrich-Ebert-Realschule. Sie wird vor den Sommerferien nicht wieder geöffnet.

Die Corona-Krake ergreift wieder Besitz von Hamm. Auch am Freitag stiegen die Zahlen weiter. Zudem gibt es wichtige Neuigkeiten aus den Schulen.

Hamm - Am Freitagmittag waren bei der Stadt 31 akut Corona-Infizierte gemeldet. Das sind 4 mehr als am Donnerstag. Diese (erwachsenen) Personen sind entweder Mitarbeiter der Tönnies-Fleischfirma in Rheda-Wiederbrück oder direkte Angehörigen.

Insgesamt wohnen in Hamm nach Angaben von Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann derzeit 95 Tönnies-Mitarbeiter; das sind deutlich mehr als zuletzt vermutet. Aber immerhin liegen die entsprechenden Listen jetzt vor, so der OB. Das bedeute im Umkehrschluss, dass insgesamt rund 450 Menschen in Hamm leben, die zur Kontaktkategorie 1 zählen, weil sie direkten Kontakt zu den Tönnies-Leuten haben.

Nach Darstellung des OB könne anhand der nun vorliegenden Daten "mit Hochdruck" geklärt werden, wo die Betroffenen wohnen und wo die Kinder zur Schule beziehungsweise in die Kita gehen. Denn sie alle sollen in Quarantäne, um das weitere Ansteckungsrisiko zu senken. Und diese Quarantäne werde dann von der Stadt kontrolliert.

Den Angaben zufolge gibt es übrigens den Hinweis, dass eine Angehörige aus dem Tönnies-Umfeld in einem Hammer Altenheim arbeitet.

Das passiert an betroffenen Schulen:

Härtere Konsequenzen verkündete der OB für jene Schulen, an denen am Donnerstag infizierte Kinder ermittelt wurden, denn dort herrsche eine große Unsicherheit: Die Gebrüder-Grimm-Schule, die Albert-Schweitzer-Schule (Standort Stefanstraße 51b) und Friedrich-Ebert-Realschule werden ab Montag komplett geschlossen. Wie am Donnerstag schon gemeldet, werden die Klassen der positiv getesteten Schüler sowie alle weiteren Kontaktpersonen in der Schule (wie Lehrer und möglicherweise OGS-Kontakte) in Quarantäne gesetzt und mit Hilfe der Corona-Mobile getestet.

Wichtig: Auch wenn die Tests negativ sind, wird die Quarantäne wegen einer folgenden Zweittestung nicht sofort aufgehoben (dazu hatte es anfangs gegenteilige Informationen der Stadt gegeben).

Alle anderen Schüler und Lehrer an der Schule erhalten die dringende Empfehlung, sich beim Hausarzt testen zu lassen. Für diese Tests bürge die Stadt Hamm finanziell, sagte der OB.

Weitere Verdachtsfälle an Schulen:

Über die genannten Schulen hinaus gibt es dem OB zufolge weitere "zwei bis vier" Schulen, an denen Corona-Verdachtsfälle gemeldet worden seien. Diese wolle man aber nicht namentlich benennen, um keinen im Zweifel unbegründeten Hype auszulösen. Hier gelte nun:

  • Zeigt ein Schüler Corona-Symptome, soll die Schule das Kind nach Hause schicken und die Eltern informiert, dass das Kind vom Hausarzt untersucht werden müsse. Das sei das bisher übliche Vorgehen, so Hunsteger. 
  • Der Arzt bestimme dann, ob es sich um einen begründeten Verdachtsfall handele, und nehme einen Corona-Test vor.
  • Die Klasse des Verdachtsfalls oder der Kontaktperson "Kategorie I" (direkter Kontakt) werde dann vom Corona-Mobil getestet. Das gelte auch für alle Kontaktpersonen (Lehrer, eventuell OGS).
  • Den Eltern dieser Klasse und Kontaktpersonen werde freigestellt, ob sie ihr Kind weiter zur Schule schicken.

Hunsteger zeigt Verständnis für Kritik und Sorgen vieler Eltern in Hamm, mahnt aber mit Blick auf all diese Maßnahmen: "Die Gesundheit der Kinder hat Vorrang."

Verbindungen zum Corona-Brandherd Tönnies

In den vergangenen Tagen war bekannt geworden, dass es zum Corona-Brandherd Tönnies im Kreis Gütersloh Querverbindungen nach Hamm gibt. Mehrere Dutzend der betroffenen Mitarbeiter leben in der Stadt Hamm und fahren folglich regelmäßig und in Gruppen zum Dienst nach Rheda-Wiedenbrück. So kam das Virus nicht nur wieder zurück nach Hamm, sondern auch in drei hiesigen Schulen an.

Zweite Corona-Testaktion bei Westfleisch

Die Zahlen könnten in Kürze noch anderer Stelle steigen: Auf Anordnung des NRW-Gesundheitsministeriums muss die Stadt am kommenden Sonntag und Montag ein weiteres Mal die komplette Belegschaft der Westfleisch-Schlachtfabrik in Uentrop durchtesten lassen. Das sind etwa 1150 Menschen. Die Tests bei Westfleisch sollen nach dem selben Verfahren wie vor einigen Wochen durchgeführt werden. Damals ergaben die Tests überraschenderweise keine positiven Befunde.

Der OB geht davon aus, dass die Gesamtergebnisse bis Dienstagabend vorliegen. Ab Samstag werde die nötige Logistik in Uentrop aufgebaut, ab Sonntagfrüh wird getestet.

Das ist die generelle Leitlinie:

Gibt es binnen einer Woche pro 100.000 Menschen mehr als 50 Neuinfektionen (auf die Einwohnerzahl Hamms bezogen sind das 90 Personen), müssen betroffene Städte oder Kreise die Notbremse ziehen - Stichwort "Lockdown". Hier liegt die Sorge der Hammer Stadtspitze begründet.

Im Falle eines Überschreitens der Marke will Hunsteger-Petermann nach eigenen Angaben "alles versuchen, um möglichst wenig in das Leben der Menschen einzugreifen". Konkret kann er da aber noch nicht werden, da zuvor Gespräche mit der Landes- und der Bezirksregierung anstünden.

Die weiteren Zahlen am Freitag:

Von den 31 akut Infizierten sind 13 weiblich und 18 männlich. Eine dieser Personen wird im Krankenhaus behandelt. Insgesamt 213 Personen sind aktuell in häuslicher Quarantäne, 3216 wurden im Lauf der Zeit aus dieser entlassen. Mit den Corona-Mobilen wurden inzwischen insgesamt 5895 Proben genommen.

440 Corona-Infizierte gelten als genesen (239 weiblich, 201 männlich).

Coronavirus in Hamm - weitere Infos:

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