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Coronavirus in Hamm: 17 neue Fälle am Montag - die Folgen und viele Details

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Im Seniorenheim St. Stephanus in Heessen hat sich der Coronavirus weiter ausgebreitet als bislang bekannt.

Hamm - In Hamm gab es am Montag einen sprunghaften Anstieg der Infektionen mit dem Coronavirus. Neben dem Altenheim St. Stephanus spielen dabei Reiserückkehrer und eine Großfamilie eine Rolle. Der Überblick.

Gleich 17 neue Corona-Fälle gibt es. Das Zusammentragen der Daten habe entsprechend lange gedauert, deshalb teilte die Stadt den aktuellen Stand der Ausbreitung in Hamm erst am späten Montagnachmittag mit. "Wir hatten dadurch heute einen sehr hektischen Tag", erklärte Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann. "Dieser Anstieg hat Unruhe bei uns ausgelöst."

17 neue Fälle sind die deutlichste Steigerung an einem Tag seit Anfang April. Zu Beginn der Ausbreitung in Hamm waren am 2. April 41 Personen positiv getestet worden, am 4. April 23. "Selbst als am 21. Juni die meisten Tönnies-Fälle gleichzeitig bekannt wurden, waren das mit 16 einer weniger als heute", erklärte Hunsteger.

Die Lage im Seniorenheim St. Stephanus

Sieben der 17 neuen Fälle stehen im Zusammenhang mit dem Seniorenheim St. Stephanus, in dem bislang vier Mitarbeiterinnen und sechs Bewohner positiv getestet wurden. Hinzu kamen am Montag eine Bewohnerin, die über 90 Jahre alt ist und eine fünfte Mitarbeiterin. Auch Angehörige der Pflegerinnen sind mittlerweile betroffen - insgesamt drei Ehemänner und zwei Kinder. "Durch diese Entwicklung wissen wir nicht genau, ob das Virus das eng begrenzte Umfeld des Heims verlassen hat", so Hunsteger.

Am Dienstag und Mittwoch werden nun alle Bewohner und Mitarbeiter des Heims erneut auf das Coronavirus getestet, deren Proben beim ersten Durchlauf negativ waren. So soll verhindert werden, dass sich das Virus unentdeckt weiter in der Einrichtung ausbreitet.

Die verschärften Regeln für das Heim bleiben vorerst bestehen. Besuche sind nicht erlaubt, der Aufnahmestopp hat Bestand. Essens- und Gemeinschaftsräume bleiben geschlossen. Der OB betonte darüber hinaus: Auskünfte zu Testergebnissen von Bewohnern gibt die Stadt nicht telefonisch an Angehörige weiter. "Die Informationen werden von den Heimen weitergegeben. Wir können nicht beurteilen, ob derjenige, der bei uns anruft, auch befugt ist, das Ergebnis mitgeteilt zu bekommen", erklärte Hunsteger.

Spätestens am Freitag sollen alle Ergebnisse der zweiten Testreihe vorliegen. Dann wird neu über die Einschränkungen entschieden.

Allen Betroffenen aus dem Heim gehe es den Umständen entsprechend gut. "Nach jetzigem Stand verläuft die Erkrankung bei allen harmlos", sagte Hunsteger. Das sei aber keine Garantie für die kommenden Tage.

Drei Kita-Einrichtungen betroffen

Die Infektion der beiden Kleinkinder einer Erzieherin hat auch Auswirkungen auf zwei Kitas. Eine Gruppe der AWO-Kita am Bänklerweg, die eines der Kinder besucht, wird verpflichtend getestet und unter Quarantäne gestellt. Das betrifft 21 Kinder und fünf Erzieherinnen. Der gesamten Kita - rund 120 Personen - werden am Dienstagmittag freiwillige Tests angeboten. Diese sollen am Test-Zentrum in der Alfred-Fischer-Halle durchgeführt werden.

Ebenfalls betroffen ist eine Großtagespflege in Bockum-Hövel. Unter den acht Kindern ist das zweite infizierte Kind der St.-Stephanus-Mitarbeiterin. Alle Kinder und drei Erzieherinnen werden nun verpflichtend getestet und müssen in Quarantäne.

Die Großtagespflege "Die Kleinen Strolche", die sich in dem Gebäude des St. Stephanus befindet wird aus Sicherheitsgründen vorübergehend geschlossen. Die sechs Kinder und zwei Erzieherinnen können sich am Dienstag einem Corona-Test unterziehen. Wenn alle Ergebnisse negativ sind, wird die Einrichtung an einen anderen Standort in der Nähe der St.-Barbara-Klinik verlegt und ab Montag wieder geöffnet. 

Sechs Personen bei Familienfeier infiziert

Bei der zweiten größeren Gruppe der Infizierten handelt es sich um eine Familie aus der gleich sechs Angehörige betroffen sind. Der Älteste ist 24 Jahre alt, vier der Infizierten sind Kinder oder Jugendliche. Alle haben vor einigen Tagen eine Familienfeier in Solingen besucht und sich mit sehr großer Wahrscheinlichkeit dort angesteckt. Als Kontaktpersonen dort positiv getesteter Verwandtschaft waren sie schon in Quarantäne. Die Kinder waren deshalb seit ihrer Infektion nicht in der Schule. Schließungen einzelner Klassen oder ganzer Schulen seien deshalb nicht nötig, erklärte der OB.

Weitere Reiserückkehrer betroffen

Auch Reiserückkehrer sind am Montag betroffen. Bei ihnen handelt es sich um eine Mutter und ihre Tochter, die aus dem Kosovo nach Hamm zurückgekehrt sind sowie einen Mann, der in Kroatien war und einen Mann, der seinen Urlaub in Rumänien verbracht hat. Alle Personen hätten sich an die Quarantäne-Vorschriften gehalten, so Hunsteger.

Während die Rückverfolgung der Infektionsketten beim Altenheim noch gut funktioniere, sei das bei Reiserückkehrern erheblich schwieriger. "Bei einem der Reiserückkehrer von heute sind wir immer noch dabei. Bei denen, die uns von den Grenzen oder vom Flughafen gemeldet werden, ist das nicht ganz einfach. Deshalb haben wir auch erst am Nachmittag Zahlen genannt", erklärte Hunsteger.

Der OB glaubt, dass Reiserückkehrer das Gesundheitsamt trotz des Ende der Sommerferien von nun an ständig begleiten. "Das wird sicher so sein, dass da jetzt immer wieder Fälle auftauchen. Ich appelliere deshalb, sich vorsorglich erst einmal in Quarantäne zu begeben, wenn man von einer Reise zurückkehrt. Fakt ist: Corona ist nicht weg. Das zeigt dieser deutliche Anstieg seit Monaten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das der Beginn einer zweiten Welle ist." Einen nahen Lockdown sieht der OB aber nicht. "Der RKI-Wert liegt bei 21,8. Das ist noch unkritisch, schwierig würde es bei 50 werden."  

Die weiteren Corona-Zahlen

Durch die 17 Neuinfektionen gibt es in Hamm aktuell 44 Infizierte mit dem Coronavirus. Netto sind das 14 mehr als am Sonntag, weil gleichzeitig drei Personen als gesundet gelten. 24 der Infizierten sind weiblich, 20 sind männlich.

Drei von ihnen werden stationär im Krankenhaus behandelt, zwei von ihnen liegen auf der Intensivstation (beide weiblich, über 60 Jahre alt und über 80 Jahre alt).

580 Hammer gelten inzwischen als genesen. Je 290 sind männlich und weiblich.

In Quarantäne befinden sich derzeit 419 Personen. Aus der Beobachtung entlassen wurden seit Beginn der Pandemie 5.702 Hammer. Insgesamt 9.827 Proben sind an den Corona-Mobilen genommen worden.

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